Der neue Ausländerbeirat setzt sich aus Mahmut Duranoglu, Priya Rastogi, Kadir Erdogan, Irem Yildirimolu, Ridvan Erol, Serife Karaduman, Abdessamad Sahnoun, Sonia Pozo Alcocer und Osman Sencan (von links) zusammen. Foto: Rüdiger koslowski
+
Der neue Ausländerbeirat setzt sich aus Mahmut Duranoglu, Priya Rastogi, Kadir Erdogan, Irem Yildirimolu, Ridvan Erol, Serife Karaduman, Abdessamad Sahnoun, Sonia Pozo Alcocer und Osman Sencan (von links) zusammen.

Loaklpolitik

Kadir Erdogan führt weiter den Ausländerbeirat

Neu gewähltes Gremium hat sich konstituiert - Jühe stellt Notwendigkeit des Beirats infrage

Zum Auftakt der konstituierenden Sitzung des Ausländerbeirats läuteten wie bestellt die Glocken der benachbarten Evangelischen Kirche im Stadtzentrum. Denn die Vertretung für die Bevölkerung mit Migrationshintergrund startete gleich mal mit einer Kampfabstimmung um den Vorsitz in die fünfjährige Legislaturperiode.

Dass Kadir Erdogan von der Raunheimer Union Liste für die Wahl vorgeschlagen werden würde, war abzusehen. Immerhin leitete er das Gremium bereits die vorausgegangene Legislaturperiode und zudem noch eine halbe Wahlperiode zuvor. Abgesehen davon stellt die Raunheimer Union Liste immerhin sechs der neun Vertreter und hat damit die absolute Mehrheit. Hinzu kommen jeweils ein Mitglied der Internationalen Solidarität, der Liste für Vielfalt und den Freien Wählern Raunheim.

Eindeutiges Ergebnis

Überraschend schlug sich jedoch auch Sonia Pozo Alcocer selbst vor, den Posten zu übernehmen. Eine offene Abstimmung war mit zwei Kandidaten nicht mehr möglich. Wahlleiter Tobias Loy hatte vorgesorgt. Die Mitglieder des Gremiums stimmten nicht mit Wahlzettel und Kugelschreiber ab, sondern wählten sich über einen QR-Code in ein Wahlprogramm ein und gaben dort ihre Stimme ab. Das Ergebnis war eindeutig: sieben Stimmen für Erdogan, zwei Stimmen für Pozo Alcocer.

Als Stellvertreter wurde Ridvan Erol bei acht Ja-Stimmen und einer Enthaltung gewählt.

Kadir Erdogan, gebürtiger Türke mit deutscher Staatsbürgerschaft, lebt seit 18 Jahren in Raunheim. Mit seinen 49 Jahren ist er ältestes Mitglied des Ausländerbeirats und führte deshalb auch bereits vor der Wahl durch die Sitzung.

Er freue sich über jede Menge neue Gesichter. Tatsächlich gehörten in der letzten Legislaturperiode nur Erdogan selbst sowie Erol und Pozo Alcocer dem Gremium an. Erdogan ist übrigens auch Stadtverordneter für die SPD.

Die Vertreter der vier Listen würden die Stadtgesellschaft repräsentieren. Mit der Wahl sei das Interesse an dem Ausländerbeirat geweckt worden, diesen Weg wolle das Gremium weitergehen.

Hoffnung auf neue Dynamik

In der vergangenen Legislaturperiode tagte das Gremium indessen zum Ende kaum noch, bereits zuvor glänzten einige Mitglieder durch Abwesenheit. Darauf von dieser Zeitung angesprochen, meinte Erdogan, er hoffe, dass die jungen Mitglieder eine gewisse Dynamik in den Ausländerbeirat bringen würden.

Das Problem der Abwesenheit würden auch Ausländerbeiräte anderer Kommunen kennen. Er wolle für einen aktiven Beirat werben. Abdessamad Sahnoun (RUL) stellte unterdessen eine erste Frage zur Arbeit, besser gesagt, eine Frage zu den Arbeitsmitteln des Ausländerbeirats. Werden die Mitglieder genauso wie die Stadtverordneten mit einen iPad ausgestattet? Diesen Wunsch habe bereits Erdogan an ihn gerichtet, informierte Bürgermeister Thomas Jühe (SPD). Er machte den Mitgliedern in dieser Sache durchaus Hoffnung.

Denn die Verwaltung wolle doch möglichst papierlos arbeiten und stattdessen die Vorlagen digitalisieren. Es wäre also verständlich, dass auch der Ausländerbeirat Geräte zur Verfügung gestellt bekäme. Jühe hatte zur Einleitung der Sitzung über die Funktion und Aufgaben des Ausländerbeirats sowie dessen Verzahnung mit den städtischen Gremien informiert.

Menschen aus 120 Nationen

"Mein persönliches Ziel ist es, den Ausländerbeirat abzuschaffen", meinte er überraschend. Er machte darauf aufmerksam, dass der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund in Richtung 70 Prozent tendiere, in Raunheim würden Menschen aus 120 Nationen leben.

Jühe machte darauf aufmerksam, dass die Menschen mit Migrationshintergrund nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten hätten. Bei den ehrenamtlichen Rettungsdiensten gehe der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund gegen Null. "Eine Beteiligung am ehrenamtlichen Rettungsdienst ist zwingend erforderlich", betonte er.

Ein weiteres Ziel sei es, die Gleichheit aller Menschen der Stadt, gleich welchen nationalen und kulturellen Hintergrund sie hätten, herzustellen. Wenn beide Ziele erreicht seien und wenn die Menschen mit Migrationshintergrund genauso stark in den Parteien vertreten seien wie in der Stadtgesellschaft, brauche es keinen Ausländerbeirat mehr. Rüdiger Koslowski

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare