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Die Narrenkappe tragen Birgit Preuß-Scheuerle und Frank Walloschek in diesem Jahr am Backesbrunnen nur für das Foto dieser Zeitung.

Fastnacht

Kampagneneröffnung am Backesbrunnen fällt in Raunheim aus

Der Carneval Club verzichtet in diesem Jahr auf das närrische Treffen an der Ecke Frankfurter Straße und Mainstraße.

Raunheim -"Helau, Ihr Närrinnen und Narrhallesen", würden der Sitzungspräsident und die Abteilungsleiterin des Carneval Clubs Raunheim (CCR) am morgigen Mittwoch eigentlich rufen. Die Zeiger des auf dem Backesbrunnen stehenden Weckers würden auf 11.11 Uhr stehen, am 11. November. Die Kanoniere würden mit ihren Kanonen lautstark den Beginn der fünften Jahreszeit ankündigen.

Doch nichts da! Die Carnevalsabteilung des Turn- und Sportvereins hat ihre traditionelle Eröffnung der Kampagne abgesagt. Dies ging mit der Verordnung des Landes Hessen einher. Denn schon vor der Veröffentlichung der neuen Corona-Regeln hatte sich die Führungsspitze des CCR, die kommissarische Gremiumssprecherin Birgit Preuß-Scheuerle und der kommissarische Sitzungspräsident Frank Walloschek, mit Bürgermeister Thomas Jühe (SPD) darauf geeinigt, in diesem Jahr auf das närrische Treffen am historischen Backesbrunnen an der Ecke Frankfurter Straße und Mainstraße zu verzichten.

Dies ist durchaus ein Einschnitt in der Geschichte des CCR. Der Backesbrunnen war von 1622 bis 1934 in Betrieb gewesen. Die Kerweborsch und der Heimatverein bauten ihn 1980 wieder auf. Seit Ende der 1990er-Jahre eröffnet der CCR seine Kampagne an dem Brunnen.

Auf Antrag von Willi Wirth, dem früheren CCR-Sitzungspräsidenten, beim närrischen Rat wurde der Backesbrunnen 2010 in einen närrischen Brunnen verwandelt: Eine Plakette mit dem Konterfei Till Eulenspiegels und den Schriftzügen "Carneval Club Raunheim" sowie "Prinzess-Margret-Garde", der Carnevalsabteilung der Sport- und Sängervereinigung, zieren ihn.

Keine rechte Feierstimmung

Walloschek und Preuß-Scheuerle bedauern, dass die Kampagne nicht wie gewohnt eingeläutet werden kann. "Das hat eine ganz große Tradition für die Fastnachter", meint der kommissarische Sitzungspräsident. Die Gremiumssprecherin räumt ein, dass derzeit aber auch keine rechte Feierstimmung aufkommen wolle. Auch ohne die Landesvorschrift: Eine fröhliche Eröffnung am Backesbrunnen wäre das falsche Signal gewesen, sagt sie. Hinzu komme die Frage, wie auf dem engen Platz der Abstand eingehalten hätte werden sollen.

Aber der CCR gibt nicht auf und schüttelt gemeinsam mit Bürgermeister Jühe eine Alternative aus dem Ärmel. Der Rathauschef bringe großes Verständnis für das närrische Brauchtum auf, betonen die beiden. Es sollten möglichst wenige einzelne Veranstaltungen stattfinden, Veranstaltungen sollten gebündelt werden, habe Jühe vorgeschlagen. So sei die Idee geboren worden, die Kampagneneröffnung und den Rathaussturm auf einen Tag zu legen.

Party via Internet

Der Rathaussturm steigt aber nicht wie üblich an einem Sonntag - und gestürmt wird der Verwaltungssitz schon gar nicht. Denn in Coronazeiten dürfen auch Narren nicht in den Bürgersaal. Stattdessen wollen sich die Narren am Samstag, 23. Januar, nachmittags auf dem Rathausplatz versammeln. Wenn Preuß-Scheuerle und Walloschek mit ihren närrischen Reden die Fastnachter auf die Kampagne eingestimmt haben, gibt es einen fließenden Übergang zum Rathaussturm. Die Kanoniere feuern, die Narren und der Rathauschef rufen sich geschliffene Verse zu. Ob sich der närrische Rat trifft und verdiente Narren geehrt werden, ist noch offen.

Geplant ist allerdings am Schluss mit Einbruch der Dunkelheit eine Filmdokumentation auf Leinwand über vergangene Kampagnen. Deshalb sollen die Eröffnung und der Rathaussturm erst am späten Nachmittag steigen.

Auch wenn die Sitzungen abgesagt sind, will der CCR nicht ohne närrische Feier durch seine Kampagne gehen. Für den Fastnachtssamstag, 13. Februar, ist eine Watch-Party geplant. Mit Aktiven des CCR, die sich beteiligen wollen, werde eine Schau aufgezeichnet, so Walloschek. Das Video werde um 18.11 Uhr über eine Plattform ins Netz gestellt. So könnten die Narren im Freundeskreis zu Hause vor dem Bildschirm Fastnacht feiern. Um Unfug mit den gezeigten Bildern zu vermeiden, wird der Zugang nur über einen Code käuflich zu erwerben sein. Dafür erhält der Käufer zudem ein Paket mit fastnachtlichen Artikeln, so Preuß-Scheuerle.

Die beiden betonen gleichwohl, dass alle Planungen, ob Rathaussturm, Kampagneneröffnung und Watch-Party unter Vorbehalt der Corona-Entwicklung stehen. "Wir geben aber nicht auf", so das närrische Duo. Rüdiger Koslowski

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