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Birgid Latsch (links) und Anja Kriesten vom Kino- und Kulturverein wollen im September wieder durchstarten. Foto: Rüdiger Koslowski

Freiluftkino

Kein Blockbuster unter freiem Himmel

Der Raunheimer Kino- und Kulturverein sagt sein Open-Air-Kino ab. Erste Vorstellungen gibt es erst wieder für September geplant.

Raunheim -Das Wetter ist herrlich. Anja Kriesten, Vorsitzende des Kino- und Kulturvereins, und Pressesprecherin Birgid Latsch sitzen auf dem Rathausplatz. Ideale Bedingungen für ein Open-Air-Kino. An der gleichen Stelle hat der Kino- und Kulturverein in den vergangenen Jahren immer wieder Filme unter freiem Himmel gezeigt. Dieses Erlebnis werden die Freunde der bewegten Bilder in diesem Jahr nicht haben. Denn der Verein hat alle Veranstaltungen des ersten Halbjahres bis Anfang Juni und auch das Open-Air-Kino abgesagt.

Zwar dürfen Kinos seit dem 15. Mai wieder öffnen. Der Vorstand will sich aber erst Ende Juni treffen, um ein Sicherheitskonzept für das Kellerkino zu erarbeiten. Das muss dann noch von der Stadt genehmigt werden, weil sie es ist, die den Kinosaal im alten Stadtzentrumsgebäude zur Verfügung stellt. Das Open-Air-Kino fällt unterdessen flach, weil viele Faktoren zur Verunsicherung beitrügen, stellen Kriesten und Latsch fest. Für den 21. und 22. August waren die Filme "Rocketman" und "Parasite" geplant. Es habe durchaus innerhalb des Vereins der Wunsch bestanden, es mit den Freiluftveranstaltungen zu versuchen, meint Latsch. Aber die Organisation müsse früh anlaufen. Doch niemand wisse, wie sich die Situation im August darstelle.

Zu viele Unwägbarkeiten

Die Bestuhlung hätte geplant werden müssen. Die Tickets hätten unüblicherweise im Vorverkauf angeboten werden müssen, um am Abend nicht Leute abweisen zu müssen. Weil das Open-Air-Kino aber auf dem öffentlich zugänglichen Platz ist, könnten durchaus Menschen vorbeischlendern, die sich spontan für einen Besuch entscheiden und dann keinen Einlass erhielten. Security habe der Verein im Falle uneinsichtiger Menschen jedoch nicht.

Und was passiert bei schlechtem Wetter, so wie es sich im vergangenen Jahr einstellte? Damals musste der Verein mit seinem Publikum in den Kinosaal ausweichen. Dort ist allerdings weitaus weniger Platz als im Freien. Dies sind für den Verein alles Gründe, besser auf das Open-Air-Kino zu verzichten. Stattdessen ist die Wiederaufnahme des Betriebs im September im Kellerkino geplant. Aber auch dafür gelte es, Auflagen zu erfüllen. Gäste müssten beispielsweise ihre Sitzreihe verlassen können, ohne anderen Gästen nahezukommen. Der Abstand von 1,50 Meter müsse zudem gewahrt bleiben. Für die Umsetzung bedeutet das, dass es nur möglich ist, jeweils zwei Gäste in einer Reihe zu platzieren. Diese müssen zudem von Reihe zu Reihe versetzt sein, sagt Latsch. Bei acht Sitzreihen finden so maximal 16 Zuschauer Platz. Die könnten aber um Mitglieder aus dem eigenen Haushalt ergänzt werden, was die Sitzordnung nicht vereinfacht.

Finanzielles Polster erwirtschaftet

Hinzu kommt der Getränkeausschank vor und nach der Vorstellung. Die Kinobesucher stehen gerne für ein Schwätzchen beisammen. Dabei müsse im Vorraum des Kellerkinos ebenfalls der Abstand gewahrt bleiben. "Rechnet sich das dann am Ende überhaupt?", fragt sich Kriesten. Auf der anderen Seite, wirft sie ein, habe der Kino- und Kulturverein auch einen kulturellen Auftrag, fühle sich nicht nur der Öffentlichkeit, sondern auch seinen Mitgliedern verpflichtet, ein Programm zu bieten.

Für die Mitglieder seien die vergangenen Wochen durchaus traurige gewesen, meint Latsch. Sie hätten sich nicht sehen können, seien selbst Kinofans und hätten die Filmabende vermisst. In diesem Zusammenhang erwähnt sie auch das Cine-Dinner für Mitglieder und Freunde, das wegen der Corona-Krise ausfallen musste. Insgesamt wurden neun Filme und die zwei Open-Air-Vorstellungen abgesagt. Finanziell verkrafte der Verein dies durchaus, betont Latsch. Denn er habe keine Personalkosten zu tragen, den Saal stelle die Stadt, womit auch keine Unterhaltungskosten anfielen. Zudem habe der Verein ein gutes Polster erwirtschaftet.

Kinofreunde können sich übrigens im zweiten Halbjahr auf Filme freuen, die der Verein eigentlich im ersten Halbjahr zeigen wollte. Bei der Stornierung seien glücklicherweise keine Kosten entstanden, jetzt sollen deshalb bei den Verleihern die gleichen Filme wieder bestellt werden. Den Anfang bei einer Öffnung im September würde der Streifen "Ein Licht zwischen den Wolken" machen.

Rüdiger Koslowski

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