Autorin und Journalistin Carmen Erlenbach: Ein großer Dank geht an ihren Mann Hans-Dieter, der als Lektor fungiert. FOTO: Rüdiger koslowski
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Autorin und Journalistin Carmen Erlenbach: Ein großer Dank geht an ihren Mann Hans-Dieter, der als Lektor fungiert.

Porträt

Kindheitserinnerungen in Buchform

Carmen Erlenbach schreibt, weil es ihr Freiheit verleiht

"Noch einmal Hundert Meter, dann kommt mein Auto vor einem Fachwerkhaus mit großem Torbogen aus Sandstein und schwarz gestrichenen Stäben aus Schmiedeeisen vorm Hof zum Stehen. Ich habe mein Ziel erreicht. Für diesen einen Platz in Hailer in der Heylstraße 19 (früher Hausnummer 2) hat mein Herz unterwegs Luftsprünge absolviert". Diese Worte schreibt die Autorin und Journalistin Carmen Erlenbach in ihrer zweiten Veröffentlichung.

In der Broschüre "Die Heylstraße" blickt die 1960 geborene Erlenbach auf ihre Kindheit in den 1960er und 1970er Jahren zurück. In dieser Straße steht nicht nur ihr Elternhaus, das Haus der Familie Hitzeman. Die Straße sei mit ihren zahlreichen Geschäften "der Broadway von Hailer" gewesen, dem Örtchen, das 1971 Stadtteil von Gelnhausen wird.

In der 60 Seiten umfassenden und in einer Auflage von 300 Stück gedruckten Broschüre erfahren die Leser von Spitznamen, von Tante-Emma-Läden, von Landwirten, die mit frisch gemachtem Heu durch die holprige Heylstraße fahren. Die Autorin berichtet, wie die Kinder täglich im "Honze-Gässi" spielen und die Anwohner mit ihrem Lärm quälen, wenn sie mit dem Ball gegen die Hauswand des Milchlädchens schießen.

Heute kaum noch vorstellbar

"Ich hatte eine schöne Kindheit", erinnert sich Erlenbach gerne, die als 18-Jährige ihre Heimat in Richtung Rhein-Main-Gebiet verlassen hatte und inzwischen in Raunheim lebt. Sie trage schöne Erinnerungen in sich, am liebsten jene vom Bauernhof ihres Onkels.

Eigentlich ist diese so lebhaft geschriebene Broschüre über eine Kindheit, wie sie heute, zumindest im Ballungsraum, kaum noch vorstellbar ist, Teil eines Buchs, an dem sie gerade schreibt. Es trägt den Titel "Der lachende Schuh". Darin beschäftigt sich Erlenbach unter anderem mit Alkoholmissbrauch, Mobbing und Depressionen, verpackt darin Geschichten, Briefe und Erinnerungen. Es entpuppte sich jedoch der Gedanke, dass die Heylstraße einen bestimmten Personenkreis erreichen soll, nämlich Menschen, die in der Straße, in dem Ort aufwuchsen und lebten. Dennoch will sie diesen Teil auch in dem umfassenderen Werk belassen, das bereits 269 Seiten aufweist.

An Depressionen litt sie selbst in den 1990er Jahren, in der Schule wurde sie gemobbt, weil sie etwas anderes gewesen sei, als andere Kinder, erzählt sie. Solche Themen beschäftigen sie.

Jetzt kam - wieder einmal - der Krebs dazu, den sie bereits zum dritten Mal bekämpft. Während der Chemotherapie hatte sie viel Zeit zum Nachdenken und wollte die Zeit sinnvoll nutzen.

Der Buchtitel wurde geboren, als sie in ihrem Schuhregal einen großen Schuh sah, an dem sie ein lachendes Gesicht erkannt habe. Und so rankt sich auch eine Geschichte um ein fünfjähriges Mädchen, das einen sprechenden Schuh erhält. Als er zu klein wird, hört sie ihn nicht mehr sprechen. Erst viele Jahre später auf dem Sterbebett sagt er ihr, sie brauche keine Angst zu haben.

Erlenbach ist trotz der Therapie und ihrer Nebenwirkungen sehr produktiv. Denn vor diesen beiden Werken hatte sie bereits ihr erstes Buch abgeschlossen. Den 195 Seiten starken und ebenfalls mit 300 Exemplaren gedruckten Band "Die Weihnachtsglatze".

In diesem literarischen Adventskalender stellt sie 24 "mal amüsant, mal nachdenklich stimmende Wegbegleiter" vor. Der Titel erklärt sich ganz einfach: Die Chemotherapie raubte ihr bis zum Weihnachtsfest die Haare.

Den Ideen freien Lauf lassen

Erlenbach hatte ihrem Mann zu Weihnachten eigentlich ein Bild malen wollen. Die Nebenwirkungen schränkten jedoch die Beweglichkeit ihrer Hände ein. Sie konnte allerdings die Tastatur bedienen. Also schrieb sie für den Adventskalender ihres Mannes drei Geschichten - der Anfang des literarischen Adventskalenders.

Schreiben, sagt Erlenbach, verleihe ihr Freiheit. Sie könne ihren Überlegungen freien Lauf lassen. Im Gegensatz zur ihrer Arbeit als Journalistin, bei der sie Fakten und Aussagen wiedergibt. Dass sie Ausdruck und Formulierungen beherrsche, habe natürlich geholfen. Sie steige auch mal um 5 Uhr in der Frühe aus den Federn und schreibt bis 1 Uhr in der Nacht, erzählt sie schmunzelnd. Was sie zu Papier bringt, das steht. Einzelne Sätze überarbeitet sie durchaus, aber sie schmeißt keine Seiten in die Tonne.

Einen großen Dank richtet sie an ihren Mann Hans-Dieter, der ihr nicht nur viel Arbeit im Alltag abnimmt, sondern auch als Lektor fungiert. Rüdiger Koslowski

Telefonisch oder per E-Mail

Die Bücher sind bei Carmen Erlenbach unter der Telefonnummer (0 61 42) 83 49 50 und der E-Mail-Adresse c.erlenbach@aol.com erhältlich.

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