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Heiko Schaffner und sein Noobi haben Spaß am Longieren. Übungsleiter Horst Kunzmann freut sich über den Erfolg der beiden.

Gebrauchs- und Schutzhundeverein

Longieren mit dem Hund: Was mit einem Pferd funktioniert, klappt auch mit Fellnasen

Longieren bringen die meisten Menschen spontan mit Pferdesport in Verbindung. Aber auch für das Training mit Hunden wird das Training auf dem Zirkel eingesetzt. Der Gebrauchs- und Schutzhundeverein bietet Longieren als Übungsstunde an.

Noobi läuft flink an dem rot-weißen Absperrband entlang. Er bewegt sich außerhalb eines abgesteckten Kreises. Heiko Schaffner befindet sich innerhalb des Kreises und führt den drolligen Havaneser-Malteser-Mix an der Leine. Er fordert ihn immer mal wieder zum Sitz auf, dann soll das Hündchen wieder weiterlaufen. Zwischendurch lässt er ihn an der Leberwursttube schlecken. Die Leckerei hat sich der Hund verdient.

„Ich bin so stolz auf die beiden“, zeigt sich Übungsleiter Horst Kunzmann begeistert und meint das ehrlich. Denn der kleine Noobi kommt aus einer schlechten Haltung und hatte Anfangs sogar gebissen. Schaffner bekam das kleine Hündchen geschenkt. Der lässt sich inzwischen sogar eine Streicheleinheit eines Fremden gefallen, ohne wütend zu werden. „Das hätte er vor ein paar Monaten noch nicht gemacht“, freut sich sein Besitzer.

Das sei auch ein Erfolg des Longierens, sind sich Kunzmann und Schaffner einig. „Er ist jetzt aufgeschlossener, das Longieren hat einen positiven Effekt“, sagt Schaffner. Longieren ist weitgehend nur aus dem Pferdesport bekannt. Dabei werden die Pferde auf einer kreisförmigen Bahn an einer Leine geführt.

Zu Beginn skeptisch

Longieren mit Hunden sei noch relativ neu, sagt Kunzmann. Er selbst praktiziert das seit acht Jahren. Der Hundesport habe sich inzwischen durchgesetzt. Seit November leitet er die Übungsstunde für das Longieren beim Gebrauchs- und Schutzhundeverein. „Was ist das für ein Mist“, hatte Schaffner anfangs gedacht, als er seiner Lebensgefährtin und ihrem Hund beim Longieren zuschaute. Inzwischen ist er hellauf begeistert von dieser Beschäftigung mit den Vierbeinern.

Der abgesteckte Kreis hat einen Durchmesser von rund zehn Metern. Die Kreisbahn sollen möglichst viele Hunde – große, kleine, schnelle und langsame und auch Fellnasen mit gesundheitlicher und körperlicher Einschränkungen – überwinden können, erklärt Kunzmann.

Anfangs bewegen sich Frauchen und Herrchen mit ihren Tieren an einer kurzen Leine direkt an dem Flatterband. Der Hund soll lernen, sich nach innen zu richten und die Begrenzung wahrzunehmen. Später wird die Leine länger. Das Ziel ist, den Hund ohne Leine rund um das abgesteckte Feld laufen zu lassen. Der soll dabei möglichst auf Befehle des Hundehalters reagieren.

Körpersprache einsetzen

Kunzmann gewährt mit seinem Australian Shepherd Baily einen Einblick in das Longieren. Das muntere Kerlchen kann es kaum erwarten, bis es los geht und bellt aufgeregt. Kunzmanns rechte Schulter und sein rechter Arm bewegen sich in Laufrichtung. „Go“, fordert er hin und wieder, was aber gar nicht notwendig ist, denn Baily reagiere auch nur auf die Zeichen.

Beide Arme in der Waagerechten ausstrecken, bedeutet Stehen bleiben, der rechte Arm noch oben steht für Sitz, die flache Hand nach unten heißt Platz und die flache Hand nach oben bedeutet Aufstehen. „Der Hund reagiert auf den Körper“, erklärt Kunzmann und Baily beweist eindrucksvoll, was sein Herrchen meint.

Longieren soll zu allererst die Beziehung zwischen Hundehalter und Tier fördern. Dass der Hund zudem Bewegung hat und Disziplin, Konzentration sowie Kopfarbeit gefördert werden, steht ebenfalls auf der Habenseite. Zudem sind Elemente der Begleithundeprüfung enthalten. Allerdings ist das Longieren spielerischer und ohne Abschlussprüfung angelegt.

Kerstin Keinert ist mit ihrem portugiesischen Straßenhund Sato zum zweiten Mal bei der Übungsstunde dabei. Sie möchte an der Beziehung zu ihrem Hund arbeiten und ihr Tier körperlich und geistig auslasten. Über eine Begleithundeprüfung denkt sie noch nach. Sato mache das auch schon ganz gut, lobt Kunzmann, während der Vierbeiner brav am Flatterband entlangläuft.

von RÜDIGER KOSLOWSKI

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