Die Kerwejugend und die Altkerweborsch schultern den Kerwebaum und ziehen auf den Festplatz ein. FOTO: Rüdiger KOslowski
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Die Kerwejugend und die Altkerweborsch schultern den Kerwebaum und ziehen auf den Festplatz ein.

Vereinsleben

Mit Baum, aber ohne Fassbieranstich

Bei der Kerweparty am Waldsee kommt Volksfeststimmung auf

"Die Rauneemer Kerb is do, was sin' die Leit so froh", sangen die Kerwejugend und die Altkerweborsch fröhlich und marschierten den Kewerbaum schulternd auf das Festgelände. Sie wollten den Baum stellen, das gelang jedoch nicht gleich, sondern erst nach mehrmaligen Ansätzen. Die Besucher auf dem Festplatz applaudierten fleißig.

Fehlte nur noch der Fassbieranstich, und die Kerb wäre eröffnet. Moment mal, die Kerb ist doch abgesagt. Und tatsächlich herrschte auf dem Festplatz am Messeplatz am Airport Garden auch tote Hose. Die Kerweborsch und -mädels sowie die Altkerweborsch zogen stattdessen auf das Vereinsgelände des Kerweteams ein. Das Kerweteam feierte nämlich exakt am letzten Augustwochenende - dem Kerwewochenende - auf seinem Gelände am Waldsee eine Kerweparty. Praktisch als Alternative für das bereits zum zweiten Mal ausgefallene größte Raunheimer Volksfest.

Ansturm auf die Tickets

Saskia Ortmann, eine der Sprecherinnen, legte Wert auf das Wort Kerweparty. Denn es wurde nicht etwa eine Ersatzkerb oder ähnliches gefeiert. "Eine Kerb ist etwas anderes", stellte sie fest. Den Besuchern war das wohl gleich. Wie auf der Kerb standen sie im Festzelt zusammen. Dieses Mal noch einen Tick gesprächiger, noch einen Tick intensiver, hatten sich doch viele wegen der Corona-Pandemie lange nicht mehr gesehen.

"Die Party ist eine gute Idee", stellten etwa Conny und Svenja Nixdorf, Mutter und Tochter, lachend fest. Die beiden konnten sich noch gut an den Kartenvorverkauf auf dem Wochenmarkt erinnern. Sie hatten bereits eine Stunde vorher angestanden, als dritte in der Reihe. "Wir dachten, es könnte eng werden", begründete Conny Nixdorf das frühe Erscheinen.

Die beiden waren schon mal bei Wein am Main in Rüsselsheim gewesen, in Raunheim waren sie nun das erste Mal wieder auf einer großen Party. "Wir vermissen die Kerb, sie gehört einfach dazu", sagte Svenja Nixdorf. Die beiden hatten sich Eintrittskarten für den Freitagabend gekauft.

Raffaela Leißer und ihr Mann Michael Leißer hatten gleich Karten für den Freitag- und Samstagabend sowie den Frühschoppen am Sonntagmorgen erworben. "Wir sind froh, dass das Kerweteam die Feier macht, so können wir trotz Corona Freunde und Bekannte treffen", sagte Raffaela Leißer. Weil man auf der Kerb viele Menschen treffe, sei die Party des Kerweteams schön und wichtig. Die beiden waren eine halbe Stunde vor dem Start des Vorverkaufs beim Wochenmarkt gewesen und hatten gerade so noch Karten bekommen, berichtete Raffaela Leißer erleichtert.

Saskia Ortmann konnte sich noch gut an den Samstagvormittag und den Ansturm erinnern. Für den Freitagabend waren lediglich 15 Karten übrig geblieben, der Samstagabend ist ausverkauft. Für den Frühschoppen am Sonntagvormittag waren indessen noch 50 Prozent der Karten übrig geblieben - jeweils 250 Menschen waren zugelassen. Das Kerweteam sei jedenfalls sehr motiviert gewesen, endlich mal wieder eine Feier auf die Beine zu stellen, erzählte Ortmann. Bereits am Mittwoch waren die ersten Vorbereitungen gestartet. Ob der schlechten Wetterprognosen habe das Kerwerteam den halben Platz mit Pavillons überdacht. Was Maurice Eisenmann zu der Bemerkung veranlasste, wenn die Rüsselsheimer bei ihrer Kerb schönes Wetter haben, ist es in Raunheim schlecht - und tatsächlich war das Wetter eine Woche zuvor zum Termin der Rüsselsheimer Kerb gut.

Hoffen auf das nächste Jahr

Felix Schiffer, Beivadder bei den Kerweborsch, war das Wetter egal. Er hoffte vielmehr, dass die Kerb im kommenden Jahr wieder gefeiert werden könne. Und er hoffte, dass die Zahl der Kerweborsch und Kerwemädels wieder ansteigt. Derzeit zählt die Kerwejugend drei Mädels und drei Borschen. Es sei schwierig, in Corona-Zeiten Leute zu finden, meinte Schiffer.

Der Raunheimer Musiker Markus Lippke, der auf internationalen Bühnen steht, freute sich unterdessen, endlich mal wieder spielen zu dürfen. In anderen Ländern hatte er mit seinem Repertoire aus bekannten Pop- und Rocksongs und eigenen Kompositionen zwar bereits wieder für Stimmung sorgen können. In Deutschland war es seit Corona sein erster Aufritt. Und er habe noch nie auf einer Kerb gespielt, stellte er lachend fest. Rüdiger KOslowski

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