Pinta Beach in Raunheim

Wie das neue Konzept bei alten Waldsee-Fans ankommt

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Wenn das Thermometer 35 Grad zeigt, ist der Pinta Beach die richtige Anlaufstelle. Unsere Redakteurin hat den neu eröffneten See besucht.

Freitagnachmittag, das Thermometer zeigt unglaubliche und unglaublich schwer erträgliche 35 Grad. Wohin also in dieser Hitze? „Komm, wir fahren zum See“, schlägt meine Freundin vor. Eine hervorragende Idee, zumal der Raunheimer Waldsee seit Jahren mein Lieblingssee hier in der Gegend ist. Der Blick auf das türkis schimmernde Wasser, die Bäume ringsum, die Abkühlung … selbst die Nähe zu den Flugzeugen, die mich sonst nachts in den Wahnsinn treiben, finde ich hier faszinierend.

Wir schwingen uns also auf die Räder, und schon hundert Meter vor der Zufahrt steht ein Auto hinter dem anderen, auch der Parkplatz selbst ist voll. Der Abstellplatz für Räder dagegen ist erfreulich groß und nicht überfüllt – ein Pluspunkt. Bevor man an die Kasse darf, wird man durch eine mit Pavillon überdachte Sicherheitsstation gelotst und durchsucht. Eigene Getränke darf man nämlich nicht mitbringen, außer es ist Wasser oder Schorle in PET-Flaschen. An Essbarem dürfen belegte Brote und Obst mitgebracht werden. Die Jungs aus der Gruppe hinter uns müssen deshalb ihre anderthalb Liter Limo auf Ex trinken.

An den Kassen haben sich Schlangen gebildet. Für 2,50 Euro (ermäßigt 1,20 Euro) bekommen wir einen Papierbeleg, der dann aber am Eingang nicht kontrolliert wird. Wir zucken mit den Schultern, betreten das Gelände.

Keine Frage: Der neue Besitzer des „Pinta Beach“, wie der See jetzt heißt, hat sich wirklich Mühe gegeben: Das Konzept ist stimmig. Der Gastronomie-Bereich ist übersichtlich, das Angebot groß und preislich in Ordnung. Es gibt mehr Umkleiden und Duschen als auf der andere Seite des Sees, die Toiletten sind sauber.

Am Strand trifft uns dann ein wenig der Schlag – aber nicht wegen der Hitze. Die Menschen liegen dicht an dicht, Flamingo- und Einhorn-Schwimminseln türmen sich am Ufer. „Wie Mallorca all-inclusive“, stöhnt meine Freundin. „Nur, dass nichts inclusive und alles verboten ist“, feixt sie.

Ganz so ist es dann aber doch nicht: Wir haben Glück, denn heute ist es laut der Website wegen der Hitze ausnahmsweise erlaubt, seinen eigenen Schirm mitzubringen. Sonst muss man die Schirme nämlich mieten, außer man hat ein Kind dabei, dann ist es gratis.

Auf der Rasenfläche ist nichts mehr frei, also legen wir uns in den Sand. Um uns herum vermischen sich von links Hip Hop, von rechts Elektrobeats und von hinten der unverkennbare Geruch von Marihuana miteinander. „Ich dachte, laute Musik ist verboten“, sage ich zu meiner Freundin und fühle mich ein bisschen spießig.

Das Kiffer-Problem sei bekannt, erklärt uns die Dame am Einlass auf Nachfrage, man kümmere sich bereits intensiv darum, stärker dagegen vorzugehen. Auch, dass im Sand viele Zigarettenstummel liegen, ist freilich nicht die Schuld des Betreibers, sondern die mancher unachtsamer Gäste. Im Wasser dann ist alles, wie es sein sollte: Kühl, weniger voll als am Strand, und der Lärm der Flugzeuge blendet eh alle anderen Störgeräusche aus.

Stand-up-Paddler (SUP) gleiten jenseits der Absperrung vorbei. Hier scheint jedoch noch nicht ganz klar zu sein, ob das überhaupt erlaubt ist: Ein Mitarbeiter des benachbarten Wakeports weist die Paddler auf den roten Pinta-Boards darauf hin, bitte auf die Schwimmer-Seite zu wechseln – wer sein Gefährt dagegen am Wakeport gemietet hat, darf bleiben. Beachtet wird der Mitarbeiter nicht. „Klär das mit dem Besitzer“, lautet der Kommentar eines Paddlers. Darüber, dass die meisten Paddler aus dem Schwimmerbereich wegbleiben, sind meine Freundin und ich allemal froh: Die Schwimmfläche ist zwar groß, aber mit zusätzlichem SUP-Verkehr sind Kollisionen vorprogrammiert.

Wir steigen über die Metallleiter am Ponton aus dem Wasser und packen unsere Sachen. Die Kiffer sind immer noch da, die Musik noch ziemlich laut. Aber ich will nicht aufgeben, meine Beziehung zum See darf noch nicht vorbei sein.

Drei Tage später – es ist der erste Schul-Montag nach den Ferien – starte ich noch einen weiteren Versuch, ebenfalls am Nachmittag. Und siehe da: Der Strand ist fast leer, es gibt noch Plätze auf der Wiese. ,Auf der anderen Seite war es auch schön‘, denke ich mir. ,Aber irgendwie ist es auch nett, mal nicht im 45-Grad-Winkel auf dem Handtuch zu liegen und Genickstarre zu bekommen.‘

Das Wasser ist sowieso noch das gleiche. Und wenn Abkühlung das primäre Ziel ist und man sich auf das balearische Strandgefühl einlassen kann, macht man am neuen Pinta Beach auch nichts falsch.

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