Im westlichen Bereich des Airport Gardens soll ein Rechenzentrum entstehen. Foto: rko
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Im westlichen Bereich des Airport Gardens soll ein Rechenzentrum entstehen.

Gewerbe

Neues Rechenzentrum am Airport Garden in Raunheim geplant

Ursprüngliches Vorhaben der Bebauung mit einem Hotel ist aufgegeben

Im Gewerbegebiet Airport Garden soll ein Rechenzentrum entstehen. Jan Laubscheer, Leiter des Fachbereichs Bauen, Planen, Liegenschaften, rechnet zu 90 Prozent mit einer Realisierung des Gebäudes, in dessen Inneren sich die Infrastruktur für Computer, Netzwerke und Speicherressourcen befindet. Die Genehmigungsbehörde sei jedoch nicht die Stadtverwaltung, sondern der Kreis. Und die Erteilung einer Baugenehmigung für ein Rechenzentrum sei ein sehr komplexer Sachverhalt.

Das Rechenzentrum soll im westlichen Abschnitt des Gewerbegebietes entstehen, rund um die Alexander-von-Humboldt-Straße und dem Wendehammer. Ursprünglich war dort ein Bürogebäude und ein Hotel mit 700 Betten geplant. Weil sich kein Käufer für ein Hotel dieser Größe gefunden habe, habe der Investor das Grundstück verkauft. Aufgrund der Corona-Pandemie habe sich die Idee für Hotels grundsätzlich als uninteressant erwiesen.

Die Möglichkeit für einen Anschluss an ein Glasfasernetz mit schnellem Internet und das vorhandene Potenzial für eine ausreichende Stromversorgung hätten ein Rechenzentrum in den Fokus gerückt, berichtet Laubscheer. Wobei er darauf aufmerksam macht, dass für Rechenzentren durchaus Flächen von bis zu 100 000 Quadratmeter verkauft würden. Auf dem Gewerbegebiet stünden lediglich 15 000 Quadratmeter zur Verfügung. Es sei jedoch inzwischen üblich, mehrere Rechenzentren verschiedener Standorte zu koppeln, um die Leistungen zu erhöhen. Denn nicht immer werde die volle Kapazität eines Rechenzentrums benötigt und ausgereizt. Vielmehr würden große Unternehmen Kapazitäten für Rechenleistungen für bestimmte Zeiträume mieten.

Ein großer amerikanischer Konzern habe die Gesellschaft übernommen, die ursprünglich ein Hotel geplant hatte. Den Namen des Konzerns könne Laubscheer zum jetzigen Zeitpunkt nicht nennen, weil noch keine Baugenehmigung vorliege. Unter dem Namen des Konzerns würden aber bereits Rechenzentren laufen. Das neue Zentrum würde er ebenfalls selbst betreiben.

Lärmbelastung im Blick

Laubscheer hält fest, dass mehrere Faktoren für den Betrieb eines Rechenzentrums zu klären seien. Dies sei unter anderem die Stromversorgung. Das Potenzial sei vorhanden, dennoch müsse die Nutzung mit dem Stromversorger abgestimmt werden. Das Rechenzentrum könnte an das Kraftwerk südlich vom Airport Garden angeschlossen werden. Es müssten 64 Megawatt Strom bereitgestellt werden. Außerdem müsse das Rechenzentrum an das vorhandene Glasfasernetz angebunden werden. Zudem dürfe die Lärmbelastung nicht die zulässigen Grenzwerte für das angrenzende Wohngebietes überschreiten. Das betreffe vor allem die Lüftung der Anlage. Die Lärmemission sei eine Frage der Technik, so Laubscheer.

Auch für das benachbarte Betriebsgebäude einer Fluggesellschaft habe ein Lärmgutachten eingereicht werden müssen. Das Gleiche sei für die Raunheimer Heizzentrale am Flörsheimer Waldweg nötig gewesen. "Die Anlagen sind im Wohngebiet hörbar", nimmt Laubscheer kein Blatt vor den Mund. Ebenso wie die Lüftung auf dem Dach des Rathauses. Wenn Anlagen betrieben werden, seien sie auch hörbar. Aber die Anlagentechnik habe sich in den vergangenen Jahren verbessert, würden leiser und effizienter laufen. Neben den Auflagen für den Emissionsschutz gelte es auch Brandschutzauflagen zu erfüllen.

Der Bebauungsplan lasse übrigens ein Rechenzentrum zu. Ein solches Betriebsgebäude zähle zu einer klassischen Nutzung eines Gewerbegebietes. Im Moment sprächen alle Zeichen für ein Rechenzentrum. Zumal das Unternehmen bereits 20 Millionen Euro für die Vorplanung, Erschließung und Grundstückserwerb investiert habe. Insgesamt wolle der Konzern eine Milliarde Euro in das Projekte investieren. Für die Inbetriebnahme nannte Laubscheer Mitte des Jahres 2022.

Auf die Gewerbesteuereinnahmen angesprochen, meint er, dass Hotels nicht die großen Geldbringer seien. Denn die Gewinne würden beim Mutterkonzern aufgeteilt, die Stadt partizipiere also nur teilweise an den Gewinnen.

Es gebe unter den Rechenzentrenbetreibern gute Steuerzahler. Laubscheer rechnet mit einem jährlichen Betrag von rund 500 000 Euro. Der Vorteil von Rechenzentren sei, dass sie unabhängig von Konjunkturschwankungen seien. Rüdiger Koslowski

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