Zu den häufigsten Delikten in Raunheim zählen Diebstähle, wenngleich die Zahl gesunken ist. Foto: Rüdiger Koslowski
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Zu den häufigsten Delikten in Raunheim zählen Diebstähle, wenngleich die Zahl gesunken ist.

Zahlen und Fakten

Nur ein Bruchteil aller Diebstähle wird aufgeklärt

Ein Blick in die Kriminalstatistik zeigt, dass die Zahl der Straftaten gesunken ist

Die Straftaten in Raunheim sind im Vergleich zum vergangenen Jahr rückläufig - wenn auch nur in einem sehr geringen Maß. Dies spiegelt die jüngste Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Südhessen und der Polizeidirektion Groß-Gerau wieder. Demnach sank die Zahl der Straftaten im vergangenen Jahr um fünf Fälle im Vergleich zum Jahr 2019. In Zahlen ausgedrückt sind das 884 Fälle gegenüber 889 Fällen im vorvergangenem Jahr.

Was die Statistik ebenfalls aufzeigt: Die Zahl der Straftaten sank seit 2017 kontinuierlich. Wurden vor vier Jahren noch 920 Fälle aufgeführt, lag die Zahl 2018 bei 913 Straftaten. Lediglich 751 Fälle waren es allerdings noch im Jahr 2015, schon 826 Vergehen im Jahr darauf.

Unter den 14 Städten und Gemeinden des Kreises nimmt Raunheim bei den Fallzahlen den elften Platz ein. Allerdings mit weitem Abstand zu den dahinter platzierten Kommunen. Rüsselsheim bildet das Schlusslicht mit 2913 Straftaten, vor der Opelstadt liegen Groß-Gerau (Stadt) mit 1395 und Mörfelden-Walldorf mit 1121 Fällen.

Die Aufklärungsquote verschlechterte sich in Raunheim im Vergleich zu den Straftaten dagegen leicht. Wurden im Jahr 2019 noch 66,7 Prozent der Vergehen aufgeklärt, waren es 2020 nur 64,7 Prozent.

Keine sexuellen Übergriffe

Am höchsten liegt die Aufklärungsquote übrigens bei der einfachen Körperverletzung mit 96,1 Prozent der Fälle, abgesehen von der 100-prozentigen Aufklärung bei Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Hier gab es nur einen Vorfall, gegenüber 51 einfachen Körperverletzungen.

Ein Blick auf die Delikte zeigt, dass in Raunheim am häufigsten Diebstähle verübt wurden. Insgesamt waren das im vergangenen Jahr 263 Fälle, das bedeutet jedoch einen Rückgang von 32 Fällen gegenüber dem Jahr 2019. 39,5 Prozent der Diebstähle wurden aufgeklärt.

Die Straßenkriminalität folgt bei der Häufigkeit der Fälle auf dem zweiten Platz. Gelistet sind 144 Fälle, gegenüber 150 Fällen aus dem Vorjahr. Aufgeklärt wurden 17,4 Prozent. Damit sind die Straftaten mit jeweils mehr als 100 Fällen aber auch schon genannt. Knapp unter dieser Grenze liegt die Jugendkriminalität. Sie stieg um zwei Fälle leicht auf 98 an.

Kraftfahrzeuge reizen in Raunheim nicht zum Diebstahl. Wurden 2019 nur vier Fahrzeuge geklaut, war es im vergangenen Jahr nur noch ein Fahrzeug. Aufgeklärt wurde der Fall nicht.

Erfreulich ist, dass es weder 2019 noch 2020 sexuelle Übergriffe in Raunheim, also Vergewaltigungen oder sexuelle Nötigungen gab. Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, beispielsweise exhibitionistische Handlungen, sexuelle Belästigungen und Beleidigungen wurden indessen sieben notiert, damit drei weniger als 2019. Die Aufklärungsquote lag immerhin bei 85,7 Prozent. Auch in Raunheim macht sich das Internetzeitalter bei den Straftaten bemerkbar. Die Cyberkriminalität stieg von 29 gelisteten Fällen aus dem Jahr 2019 auf 48 im vergangenen Jahr, mithin das höchste Wachstum bei allen Straftaten. Die Aufklärungsrate liegt bei 58,3 Prozent.

Über eine Dunkelziffer bei den Delikten kann die Polizei keine Angaben machen. In die Statistik würden lediglich die gemeldeten Fälle einfließen, so Pressesprecher Bernd Hochstädter. Ob es weitere Fälle darüber hinaus gegeben habe, sei nicht belegbar.

Mehr Fälle von häuslicher Gewalt

Im Zusammenhang mit Corona seien hessenweit die Wohnungseinbrüche zurückgegangen, weil die Menschen schlichtweg oft zu Hause gewesen seien, so Hochstädter. Die Straßenkriminalität sei indessen nur leicht zurückgegangen. Gestiegen seien dagegen Anzeigen bei häuslicher Gewalt. Der Trend sei jedoch schon vor Corona erkennbar gewesen.

Bernd Hochstädter weist auf die deutlich geringere Zahl bei einfachen Diebstählen hin. Dies könne durchaus im Zusammenhang mit der Pandemie stehen, denn auch Ladendiebstahl falle darunter und viele Geschäfte hätten aufgrund des Lockdowns im Frühjahr und Winter lange geschlossen gehabt.

Bürgermeister Thomas Jühe (SPD) weist im Gespräch mit dieser Zeitung auf die erhöhte Zahl bei der Cyberkriminalität hin. "Das ist ein Bereich, den die Stadt kaum beeinflussen kann", betont er. Dies sei leider eine Form der Kriminalität, die nicht nur in Raunheim stark wachse. Bei Diebstählen und Raub hofft er, dass die Videoüberwachung am Bahnhof Erfolge bringe. Denn der Zeitraum der Taten könne zumindest mit dem Ein- und Aussteigen von Fahrgästen abgeglichen werden.

Jühe weist einmal mehr darauf hin, dass die Lage Raunheims mit einem S-Bahn-Anschluss bestimmte Delikte durchaus begünstige. Denn die Täter könnten schnell flüchten. Rüdiger Koslowski

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