Für alle Autofahrer deutlich erkennbar: Die Polizei führt in der Aschaffenburger Straße Geschwindigkeitskontrollen durch. foto: rko
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Für alle Autofahrer deutlich erkennbar: Die Polizei führt in der Aschaffenburger Straße Geschwindigkeitskontrollen durch.

Polizei

Nur wenige Fahrer haben zu viel auf dem Tacho

Beim "Speedmarathon" in Raunheim kontrolliert die Polizei in der Aschaffenburger Straße. Und was kam dabei heraus?

Das Lasermessgerät zeigt eine Geschwindigkeit von Tempo 57 an. Bei einer Geschwindigkeitsbegrenzung von Tempo 40 und einem Abzug von drei km/h Toleranz bleibt eine Geschwindigkeitsüberschreitung von 14 Kilometer pro Stunde. "Wink' den mal raus", fordert Jens Feicht, Dienstgruppenleiter der Polizeistation Rüsselsheim, seinen Kollegen auf der gegenüberliegenden Straßenseite denn auch auf. Der Polizist hebt seine Kelle und fordert den Fahrer auf, seinen blauen Audi in die Haltebucht zu fahren.

Die Polizisten haben sich in der Aschaffenburger Straße, Höhe der Einmündung In den Birken, positioniert. Dort führt sie anlässlich des europaweiten Aktionstags "Speedmarathon" Geschwindigkeitskontrollen durch. Weil bei der Polizei vermehrt Anrufe und Beschwerden über Raser eingetroffen seien, so Feicht, sei dieser Standort gewählt worden. Nicht jede Straße und jede Ecke eigne sich für eine mobile Geschwindigkeitskontrolle, sagt Pressesprecher Bernd Hochstädter. Es müsse zum Beispiel eine Haltebucht vorhanden sein, was die Bundesstraße 43 beispielsweise nicht habe.

Der blaue Audi folgt der Anweisung der Polizei. Führerschein, Fahrzeugpapiere, Personalausweis: der Fahrer hatte alle Dokumente parat. Um das Verwarngeld von 25 Euro kommt er dennoch nicht herum, das greift bei einer Überschreitung von 11 bis 15 Kilometer pro Stunde. Der Fahrer zahlt gleich bar, bis zu einem Betrag von 60 Euro ist es möglich, die Strafe gleich zu begleichen.

Hochstädter informiert, dass die Polizeibeamten mit dem Speedmarathon das Einhalten der Geschwindigkeit in das Bewusstsein der Fahrer rücken möchten. Soll heißen, die Beamten stehen sichtbar an der Straße und verstecken sich nicht etwa.

Reichweite von einem Kilometer

Dass in dieser Straße die Geschwindigkeit gemessen wird, wissen die Autofahrer aber dennoch nicht sofort. Feicht erklärt die Funktionsweise seines Lasermessgeräts. Es sendet Lichtimpulse aus, die von dem Auto reflektiert werden. Dies ist bis zu einer Entfernung von 1000 Meter möglich. Doch Feichts Zielpunkt liegt nur rund 400 Meter entfernt an der Grenze der Wohnbebauung. "Von dort sehen die Autofahrer uns nicht", ist er sich sicher.

Feicht führt Geschwindigkeitskontrollen seit 16 Jahren durch. Er kann auch aus weiter Entfernung abschätzen, ob ein Auto zu schnell ist. Dann peilt er das Fahrzeug mit dem Laser an. Jetzt trifft es einen VW. Wieder fordert der Kollege mit seiner Kelle den Fahrer zum Anhalten auf. Er ist zwölf Kilometer pro Stunde zu schnell unterwegs, was den Fahrer ebenfalls 25 Euro kostet.

In Serbien, sagt der Verkehrssünder Ramiz Zahitovic, müsse er nur sechs Euro bezahlen. Er findet, dass gerade in Zeiten der Corona-Pandemie, in denen manche Leute wegen Kurzarbeit nicht mehr so viel Geld zur Verfügung haben, das Verwarngeld gesenkt werden könne. Er weiß aber, dass er zu schnell war. Also sei das Bußgeld okay und er zahlt in bar.

Eine Polizistin berichtet, dass die Autofahrer eigentlich verständnisvoll reagieren würden. "Das Verhalten hängt auch davon ab, wie wir die Leute ansprechen", betont sie. Feicht und der Kollege winken auch Fahrzeuge heraus, die auffällig sind, allgemeine Kontrolle nennen sie das. Es trifft zum Beispiel einen weißen Transporter. "Bei einem weißen Kasten ist jeder zweite ein Treffer, hat der Fahrer keinen Gurt angelegt", spricht Feicht aus Erfahrung. Bei diesem Kastenwagen ist indessen alles in Ordnung.

Nicht so bei dem Fahrzeug mit dem roten Nummernschild. Das Auto soll weiterverkauft werden und zuvor in die Waschstraße. Der Fahrer kann sich nicht ausweisen und trägt auch keinen Führerschein bei sich, die Kollegen überprüfen den Fahrzeugschein. 15 Euro Verwarngeld sind fällig. Manchmal trügt das Bauchgefühl nicht.

"Prävention geht vor Bestrafung"

Feicht hält aber fest: Wenn kein Auto herausgezogen werden müssten, wäre das ein langweiliger, aber eigentlich auch ein erfolgreicher Nachmittag. "Die jungen Kollegen haben vielleicht noch ein bisschen das Jagdfieber", meint er schmunzelnd.

Sowohl Hochstädter als auch Feicht geben zu bedenken, dass der Speedmarathon in den Medien angekündigt worden war. Viele Autofahrer würden sich also bewusst an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten und seien nicht überrascht. Zu den Blitzermeldungen im Radio hat Feicht ebenfalls eine Meinung: "Prävention geht vor Bestrafung." Wenn durch die Radarwarnung ein tödlicher Verkehrsunfall verhindert werde, sei schon etwas gewonnen. Rüdiger Koslowski

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