Gennaro Locantore ist der Verkäufer von Gemüse- und Obst auf dem Wochenmarkt. Foto: Rüdiger Koslowski
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Gennaro Locantore ist der Verkäufer von Gemüse- und Obst auf dem Wochenmarkt.

Handel und Gewerbe

Obst, Gemüse und allerlei mehr

Mit neuem Konzept soll wieder Leben auf dem Raunheimer Markt einkehren.

Das ist ein Anblick, wie ihn die Kunden mögen: Es herrscht viel Trubel auf dem Wochenmarkt. Denn auf dem verwaisten Platz des Gemüsebauers Bersch, der sich Ende März aus Altersgründen verabschiedete, bietet ein neuer Obst- und Gemüsehändler seine gesunden, vitaminreichen Produkte auf dem Rathausplatz an. Wer die Märkte in Hochheim und in Königstädten besucht, kennt den neuen Marktbeschicker Gennaro Locantore. Und an seiner Seite steht, kaum zu glauben, die Ruheständlerin Angelika Bersch.

"Ich kann mich nicht von dem Wochenmarkt trennen", diktiert sie lachend in den Notizblock. Im Ernst: Ihr sei es daheim zu langweilig gewesen. Deshalb unterstützt sie den Neuling auf dem Wochenmarkt, kennt sie die Kunden doch aus jahrzehntelanger Markterfahrung.

Doch zurück zum Protagonisten an diesem Samstagvormittag. Er sei von der Metzgerei Walz und von der Blumenhändlerin Petra Schäfer, alle drei bedienen den Hochheimer Markt, angesprochen worden, ob er denn nicht mal Raunheim ausprobieren wolle. Jetzt ist er bereits am ersten Markttag zufrieden. "Man merkt, dass den Leuten das Obst und Gemüse gefehlt hat." Das habe er beobachtet. Neuling im Marktgeschäft ist Locantore bei weitem nicht. Er arbeitete über 20 Jahre nebenberuflich auf dem Mainzer Wochenmarkt, verdiente seinen Lebensunterhalt jedoch hauptberuflich in der Pharmaindustrie. "Der Markt war meine Leidenschaft, ich wollte mich noch mal beruflich verändern", sagt er. Er fing mit einem Stand in Hochheim an und vergrößerte ihn dann sukzessive.

Der Kontakt mit den Menschen reize ihn, er mag es, mit Obst und Gemüse umzugehen. Dabei sei das Marktgeschäft mit dem Auf- und Abbau, dem Verkauf bei Wind und Wetter durchaus ein Knochenjob. Mittwochs verkauft er Obst in Königstädten. So breitgefächert wie bei seinem Auftakt in Raunheim sei er jedoch noch nie aufgestellt gewesen, berichtet er.

Frische Produkte aus der Region

Locantore baut das Obst und Gemüse nicht selbst an, sondern erwirbt die landwirtschaftlichen Produkte von der Markthalle in Hechtsheim. Regionale Produkte, betont er. Die Eier legen dagegen Hühner in Trebur. Die hatte schon Gemüsebauer Bersch im Sortiment. Deshalb habe er sie weiterhin den Kunden anbieten wollen.

Ihnen gefällt es, dass sie auf dem Wochenmarkt wieder Obst- und Gemüseprodukte erwerben können. "Es ist toll, dass wir wieder die Möglichkeit haben, bei einem regionalen Anbieter zu kaufen", sagt Tim Herrfert. Er denkt dabei auch an seine kleine Tochter, der er vermitteln möchte, dass es Lebensmittel nicht nur im Supermarkt gibt. "Gott sei Dank", zeigt sich auch Karin Leinweber erleichtert. Obgleich sie sich als nicht regelmäßige Marktbesucherin zu erkennen gibt.

Froh ist auch Blumenhändlerin Schäfer. Sie hatte noch angekündigt, dass am Samstag vor Muttertag ihr letzter Tag sei, wenn sich auf dem Markt nichts ändere. "Jetzt bleibe ich hier", betont sie.

Der Wochenmarkt soll jetzt eine Aufbruchstimmung erleben, sagen Jutta Wittekind, die Fachdienstleiterin für Liegenschaften und Wirtschaftsförderung, und ihre Mitarbeiterin Rita Marsmann. Dem Fachdienst sei erst Anfang der Woche die Betreuung des Wochenmarktes übertragen worden.

Aus der Not eine Tugend machen

Und dann machten die beiden Frauen gleich Nägel mit Köpfen. Sie gewannen die Diplom-Designerin Linda Jung, die Textilwaren anbietet, und mit Sigrid Merkel eine VHS-Dozentin, die Patchwork-Arbeiten vorstellt. Für den kommenden Samstag, 15. Mai, kündigen sie einen Pizza-Truck an. Auch der Verein Toleranz unter Nationen will sich dann präsentieren.

Nach dem neuen Marktkonzept sollen verschiedene Anbieter im Wechsel den Markt bespielen. Es gebe nicht viele Händler, die samstagvormittags Zeit haben. "Wir wollen aus der Not eine Tugend machen", sagt Marsmann. Für den Juni stehe bereits ein Honigverkäufer in den Startlöchern. Auch mit einem Weinstand und mit einem Anbieter internationaler Spezialitäten würden Gespräche geführt.

Es sei wichtig, den Wochenmarkt zu erhalten und interessant zu gestalten. Denn er habe neben dem Faktor der Versorgung auch soziale und kulturelle Funktionen. Merkel und Jung sind jedenfalls zufrieden. Merkel ist noch jeden ersten Samstag eines Monats bis August vor Ort. Jung möchte ebenfalls öfters kommen. Rüdiger Koslowski

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