An diesem Abschnitt wird der neue Kanal angeschlossen, der in die Hermann-Löns-Straße geführt wird, zeigt Henning Marställer. Foto: Rüdiger Koslowski
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An diesem Abschnitt wird der neue Kanal angeschlossen, der in die Hermann-Löns-Straße geführt wird, zeigt Henning Marställer.

Versorgung

Operation Kanalsanierung

Alte Rohre in Raunheim: Bei Regen nehmen sie nicht mehr genug Wasser auf. Eine aufwendige Sanierung auf einer Länge von 1500 Metern soll anderthalb Jahre dauern. Und 2,5 Millionen Euro kosten.

"Hier geht es los", stellt Bauleiter Reinhard Bischoff von der Ingenieurgesellschaft Kolb & Küllmer fest. Er deutet auf die etwa neun Quadratmeter große Baugrube im Einmündungsbereich Hasslocher Straße/Ecke Hermann-Löns-Straße. Dort startet das Mammutprojekt mit dem sperrigen Namen "Hydraulische Kanalsanierung Südlich der Bahn". Soll heißen, die Kapazität der Regenwasserkanäle wird erhöht. Betroffen sind die Kanäle in der Hermann-Löns-Straße, der Wilhelm-Raabe-Straße, der Eichendorffstraße, der Lessingstraße und der Gebrüder-Grimm-Straße.

Die "Operation am offenen Herzen" dauert anderthalb Jahre und kostet rund 2,5 Millionen Euro. Es würden 1500 Meter neue Kanäle verlegt, informiert Henning Marställer vom städtischen Fachdienst Infrastruktur. Insgesamt liegen in Raunheim übrigens 75 000 Meter Abwasserleitungen.

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Wenn alle Kanäle in das Erdreich verbracht sind, wird auf einer Fläche von 7400 Quadratmeter neuer Asphalt eingebaut, dafür werden 1500 Kubikmeter Schotter eingetragen. Es werden 2700 Quadratmeter Pflaster auf den Gehwegen ersetzt. Neue Bordsteinkanten gibt es auf einer Strecke von 2000 Metern. Es müssen 4000 Kubikmeter alter Boden entsorgt werden. Jochen Brune, der Leiter des zuständigen Fachdienstes, erklärt, dass es in den vergangenen Jahren häufig starke Regenfälle gegeben habe. Die Kanäle seien jedoch nicht mehr in der Lage die Wassermassen aufzunehmen, was zum einen an den unterdimensionierten Durchmessern der Kanäle in den einzelnen Abschnitten liege, zum anderen an dem geringen Gefälle der Leitungen.

Es sei schon vorgekommen, dass über die Schachtabdeckungen der Kanäle Wasser austrat und auf die privaten Grundstücke und in die Keller lief, schildert Brune die Gefahr bei starken Regen.

2013 sei die Aufnahmekapazität der Kanäle im Stadtgebiet schon einmal überprüft worden. In den Jahren 2016 und 2017 seien die Regen- und Mischwasserkanäle in der Ring- und Nahestraße, der Adalbert-Stifter-Straße sowie der Kelsterbacher Straße ausgetauscht und vergrößert worden. Weil im ersten Abschnitt von der Hasslocher Straße bis zur Ernst-Wiechert-Straße der Kanal indessen zu nahe an der Oberfläche verlegt wurde, kann er dort nicht ausgetauscht werden. Deshalb werde parallel zu dem vorhandenen 700 Millimeter starken Kanal ein äquivalentes Teilstück verlegt, erklärt Bischoff.

Nicht alle Leitungen sind erfasst

Hinter diesem Abschnitt werden die Kanäle sukzessive von Schacht zu Schacht ausgetauscht. Dabei wird der größte bisherige Durchmesser von 700 Millimeter durch einen Kanal mit einem Durchmesser von 1000 Millimeter ersetzt. Die Rohre mit den kleinsten Durchmesser von 300 Millimeter werden durch 400 Millimeter starke Kanäle ersetzt.

Brune informiert zudem über einem speziellen Kniff der Stadt. Das Gefälle in der Wilhelm-Raabe-Straße und in der Lessingstraße lässt das Regenwasser in den Regenwasserkanal der Uhlandstraße fließen. Die Richtung des Gefälles werde nunmehr umgekehrt, die Neigung entgegengesetzt in Richtung Hermann-Löns-Straße ausgerichtet. Damit will die Stadt den Kanal in der Uhlandstraße entlasten.

Bischoff schildert unterdessen die Schwierigkeiten, die bei dem Austausch der Kanäle auftreten. "Wir müssen Leitungen suchen", sagt er. Der Leitungsbestand, also die in den Plänen aufgenommenen Leitungen für die Strom- und Gasversorgung sowie für die Telekommunikation sei erfahrungsgemäß unvollständig. Wenn die Straße aufgerissen wird, müsse also immer geprüft werden, ob sich versteckte Leitungen in dem Abschnitt befinden. Zudem werden bei diesen Arbeiten auch marode Hausanschlüsse ausgetauscht.

Brune bittet Anwohner für den Zeitraum der Baumaßnahme um das Verständnis. Die Arbeiten seien mit Beeinträchtigungen verbunden. Dafür aber gehe der Austausch der Kanäle mit der Sanierung der Oberfläche der Straße und der Gehwege einher. Das alte Pflaster auf den Gehwegen werde herausgenommen und durch ein Knochenpflaster ersetzt. Zudem werden die Bordsteinkanten ausgetauscht.

Rüdiger Koslowski

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