Die Anwohner klagen über eine Rattenplage in Raunheim. Sie haben Angst, die Mülltonnen zu öffnen.
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Die Anwohner klagen über eine Rattenplage in Raunheim. Sie haben Angst, die Mülltonnen zu öffnen.

Lästige Nager

Massive Rattenplage in Raunheim: „Da bekommt man einen Schock“

Die Anwohner in der Oderstraße in Raunheim erleben eine unangenehme Überraschung, als sie die Mülltonnen öffnen - Ratten.

  • Anwohner in Raunheim werden von einer Rattenplage heimgesucht.
  • Die Zuständigkeit für die Bekämpfung der Ratten weist die Stadt Raunheim von sich.
  • Das Problem wird noch durch Anwohner verschlimmert, die Giftköder entfernen.

Raunheim – Anwohner in der Oderstraße klagen über eine massive Rattenplage. Ein Foto von Adem Demir dokumentiert, wie schlimm die Situation auf zwei Müllsammelplätzen ist: Dort tummeln sich rund zehn Ratten in einer Tonne für Bioabfälle. "Wir können nicht mehr auf der Terrasse sitzen", berichtet der Fotograf. Seine Frau traue sich nicht mehr an den Müllsammelplatz, um den Abfall zu entsorgen.

So empfinden es auch Sabrina und Hakan Kaptan. Er selbst gehe nicht mehr nach Sonnenuntergang an die Mülltonnen, seine Frau meide den Platz auch tagsüber, berichtet er. Kaptan habe einmal eine gelbe Tonne geöffnet, da sei eine Ratte über seinen Arm gelaufen. "Da bekommt man einen Schock", sagt auch ein weiterer Anwohner, der seinen Namen nicht nennen möchte. Marliese Steeg gibt zu bedenken, dass die Ratten gesundheitsgefährdend seien.

Stadt Raunheim fühlt sich für die Rattenplage nicht zuständig

Die Ratten würden sich bereits seit mehreren Jahren auf den beiden Müllsammelplätzen tummeln, sagen die Anwohner. Tagsüber seien die Tiere allerdings nur selten zu sehen. Vorwiegend würden sie sich abends und nachts an den Nahrungsresten zu schaffen machen.

Die Anwohner machen auf das Problem aufmerksam, doch es passiert nichts. Mehrmaliges Bitten beim städtische Ordnungsamt, sich der Rattenplage anzunehmen, habe nichts gebracht. Die Verwaltung bewerte den Zustand auf den beiden Müllsammelplätzen als privates Problem. Denn die zwei Müllsammelplätze befinden sich in privatem Besitz von 43 Anwohnern anliegender Reihenhäuser. Dennoch finden sie, dass sich die Stadt der Rattenplage anzunehmen habe.

"Die Ratten kommen doch ursprünglich aus dem städtischen Kanal", sagt ein Anwohner. Dass sich die Nagetiere in der Nähe einer Nahrungsquelle aufhalten, sei normal. "Das Abwälzen der Rattenplage auf die Privaten ist eine Sauerei", schimpft er.

Rattenplage in Raunheim: Die Nagetiere werden von Anwohnern geschützt

Ein weiteres Problem sei, so die Anwohner, dass die Ratten wohl aus der Nachbarschaft heraus geschützt werden. Denn Giftköder aus drei Boxen eines privat engagierten Kammerjägers seien entfernt worden. Die Eigentümer hätten zudem mit Zäunen versucht, den Ratten den Zugang zum Müllsammelplatz zu verwehren. Die Tiere hätten jedoch andere Wege gesucht - und gefunden. An den beiden Müllsammelplätzen würden sich bereits die Pflastersteine absenken. Die Anwohner vermuten, dass sich unter der Erdoberfläche wohl die Höhlengänge der Ratten befinden.

Bürgermeister Thomas Jühe (SPD) weist darauf hin, dass seit 2016 der Städteservice Raunheim/Rüsselsheim die Rattenpopulation kontrolliere und bekämpfe. Ein Qualitätsverlust sei nicht erkennbar. Zudem nehme auch die Stadtverwaltung Hinweise von Bürgern an und leite sie an den Städteservice weiter oder werde in bestimmten Fällen selbst aktiv. Die Maßnahmen wie Köder oder Kanalflutung würden sich an der vermuteten Populationsstärke orientieren.

Stadt Raunheim: Essen nicht in die Kanalisation geben

Der Bürgermeister macht darauf aufmerksam, dass sich das verstärkte Auftreten von Ratten an einer Stelle zumeist nicht mit einer erhöhten Anzahl der Tiere im Kanalsystem, sondern mit optimalen Nahrungsvoraussetzungen begründen lasse. Dies sei häufig auf privaten Grundstücken der Fall und oft Gegenstand nachbarschaftlicher Auseinandersetzungen. Solche Hinweise würden sich häufig nur durch Begehungen aufklären lassen.

Bei großen Belastungen greife auch die Stadt helfend ein. Dies habe sie auch in der Oderstraße getan und werde dies auch wiederholen. Dies könne aber nicht die Verantwortung der Grundstückseigentümer ersetzen, die zumindest kooperationswillig sein müssten, führt Jühe an.

Die Stadt dürfe sich zudem nur dort einschalten, wo durch vorsätzliches oder fahrlässiges Entsorgen von Lebensmittel eine erhöhte Rattenpopulation wahrgenommen werde. Die Stadt appelliere immer wieder daran, Ratten nicht durch das Hinunterspülen von Speiseresten in das Kanalsystem anzulocken.

Grundsätzlich sei in diesem Jahr keine erhöhte Rattenpopulation wahrgenommen worden. Vereinzelt werde durch das Auslegen von Köder auf ein größeres Rattenvorkommen reagiert. (Rüdiger Koslowski)

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