Mit einem Ballenstecher werden die Bäume ausgerodet, bei der Hainbuche gelingt das allerdings nicht ohne Probleme. foto: Rüdiger Koslowski
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Mit einem Ballenstecher werden die Bäume ausgerodet, bei der Hainbuche gelingt das allerdings nicht ohne Probleme.

Natur

Raunheim verpflanzt acht große Bäume

Fast fünf Meter hoch und 20 Jahre alt: Hainbuche und sieben Schnurbäume sollen geschützt werden. Dafür ist schweres Gerät notwendig.

Ein bisschen ratlos stehen Bauleiter Stefan Stegmann, seine Mitarbeiter der Firma MB Baudienst sowie Henning Marställer vom städtischen Bauamt um die Hainbuche herum.

Die Schaufeln des Ballenstechers, einem Gerät zum Ausroden von Bäumen, stecken zwar tief im Erdreich, aber der Stamm der Hainbuche lässt sich keinen Millimeter aus dem Boden heben. Das Gerät hat immerhin eine Zuglast von 40 Tonnen.

"Irgendetwas stimmt nicht", stellt Stegmann fest. "Irgendetwas befindet sich um den Wurzelballen.". Ein Mitarbeiter spricht von Beton, vielleicht einem Ring aus Beton, der um den Wurzelballen liegt.

"So etwas habe ich noch nie erlebt", sagt Marställer erstaunt über das vergebliche Bemühen, die Hainbuche mit schwerem Gerät aus dem Erdreich zu heben.

Die Spannung ist spürbar

So fängt der Tag, an dem die acht Bäume am Wendehammer der Alexander-von-Humboldt-Straße im Gewerbegebiet Airport Garden auf den Parkplatz des Pinta Beach verpflanzt werden sollen, nicht gut an. Was also machen? Die Erde um den Stamm ausheben und schauen, was sich im Boden so Hartnäckiges verbirgt.

Währenddessen wird der Ballenstecher an einem der anderen acht Bäume, neben der Hainbuche sind das noch sieben Schnurbäume, gefahren und positioniert.

Die Spannung ist durchaus spürbar. Mal schauen, was es jetzt für eine Überraschung gibt. Erstmal keine, denn die Schaufeln graben sich wieder tief in das Erdreich und es gelingt dieses Mal den Stamm ohne weitere Probleme aus dem Boden zu ziehen.

Einen kleinen Überraschungsmoment erleben die Arbeiter aber doch: Unter dem Wurzelwerk entdecken sie ein Gitter aus Eisen. Es sei eine alte Verankerung, erklärt Markus Glück, ebenfalls Bauleiter des Unternehmens.

Es soll für die Bodenfestigkeit des Baumes sorgen. Es sei wohl verwendet worden, weil hier kein gewachsener, sondern frischer, lockerer Boden gewesen sei. Das Eisen zersetze sich im Laufe der Jahre.

Dieses Eisengeflecht befinde sich auch unter der Hainbuche. Das Gitter sei noch größer als bei dem Schnurbaum, weil auch der Wurzelballen des Baums ein größerer sei. Mit dem Freischaufeln des Stammes sei aber viel Erde entfernt worden, was das Gesamtgewicht des Wurzelballens samt Erde reduziere. Eine gute Lösung, denn so könne der Baum mitsamt dem Eisengitter ausgerodet werden.

Die Bäume sollen nun von dem Wendehammer entfernt werden, weil im umliegenden Baugebiet ein Rechenzentrum geplant ist , so Marställer. Zuvor sollten in diesem Bereich ein Bürogebäude und ein Hotel entstehen.

Neuer Standort an einem Parkplatz

Wegen der Gebäudestruktur des Rechenzentrums seien die Verlegung der Straße und des Wendehammers denkbar, die Bäume könnten also nicht mehr an dieser Stelle stehen bleiben, so Jan Laubscheer, der Leiter des Fachbereichs Bauen, Planen, Liegenschaften.

Die Bäume sollen vor Beschädigungen geschützt werden, informiert Marställer. Der Parkplatz am Waldsee sei ideal als neuer Standort, weil dort noch Schattenspender fehlen würden.

Die Bäume sind fast fünf Meter hoch und 15 bis 20 Jahre alt. Bäume in dieser Größe zu kaufen, sei nicht wirtschaftlich, so Marställer.

Es sei kein Problem die Bäume an einen anderen Ort zu verpflanzen, weil sie noch recht jung seien. Zudem kämen sie aus einer Baumschule, seien Verpflanzungen deshalb gewöhnt. Denn in Baumschulen würden Bäume regelmäßig verpflanzt.

Zwei Probeschächte gegraben

Auch für die Stadt ist das Versetzen von Bäumen keine Neuheit. Zuletzt wurden im vergangenen Jahr zwei Ahornbäume und zwei Platanen aus der Karlstraße an die Freisportanlage am Schnelser Weg verpflanzt. Die Bäume hätten die Verpflanzungen immer problemlos überstanden.

Stegmann macht unterdessen auf eine weitere Schwierigkeit aufmerksam: Auf Leitungen, die sich eventuell im Erdreich befinden. Marställer beruhigt ihn.

Es seien zwei Probeschächte gegraben worden. Es würden sich in einer Tiefe von 40 bis 50 Zentimeter nur Beleuchtungskabel befinden. Dies sei kein Problem für das Herausheben der Baumstämme. Rüdiger Koslowski

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