Jana, Stefanie, Sebastian, Daniel, Stephan, Claudia, Jeremija und Konrad (v. l.) habe Spaß beim Sommercamp. FOTO: rko
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Jana, Stefanie, Sebastian, Daniel, Stephan, Claudia, Jeremija und Konrad (v. l.) habe Spaß beim Sommercamp.

Vereine

Schon vor Zverevs Olympia-Gold erlebte der TKR einen Aufschwung

Die Raunheimer Tennisspieler nutzen das sechswöchige Sommercamp, um an ihrer Technik zu feilen

"Alle Bälle einsammeln und die letzten Vier ziehen die Plätze ab", fordert Trainer und Camp-Leiter Daniel Stephan die sechs Jugendlichen auf. Die drei Mädchen und die drei Jungen kommen seiner Aufforderung ohne Murren nach. Die vier Letzten sind in dem Fall jene, die bei dem kleinen Turnier "Weltmeister" nicht die ersten beiden Plätze belegten.

Dann steht beim Feriencamp des Tennis-Klubs Raunheim die Mittagspause an. Einer der sechs jungen Leute wird sich verabschieden, die anderen bleiben noch für weitere zwei Stunden auf der Anlage, um intensives Tennistraining zu betreiben. Der erste, ebenfalls zweistündige Teil, ist kostenfrei. In dieser Zeit bietet Stephan Konditionstraining, Zirkeltraining mit Übungen, bei denen Ball und Schläger im Fokus stehen, sowie Tennisspiel an. Der zweite, kostenpflichtige Teil beinhaltet sogar eine Videoanalyse mit Besprechung. Hier werden alle möglichen Schlagvarianten geübt.

Beschäftigung in der Ferienzeit

Die U18 steht dienstags und freitags auf dem Platz, die U12 und die U10 mittwochs. An den übrigen Tagen ist die Anlage offen für alle, Stephan ist ebenfalls auf der Anlage. Das Camp bietet er übrigens über die vollen sechs Ferienwochen an. Mit dem Sommercamp möchte der Trainer die Kinder und Jugendlichen nicht nur in der Ferienzeit beschäftigen.

Der Zweck sei auch, das Tennistraining des Vereins fortlaufen zu lassen, betont Stephan. Allerdings hat er in diesem Sommer mit 15 Teilnehmern so wenige Anmeldungen wie noch nie vorliegen. Die Kapazitätsgrenze liegt bei 30 Teilnehmern. Der Grund ist einfach: Rund 50 Prozent der fast 60 Kinder und Jugendliche zählenden Nachwuchsabteilung seien über die gesamten sechs Wochen der Sommerferien verreist. Dabei handle es sich um die Mitglieder mit marokkanischen und türkischen Wurzeln. Stephan stellt fest: Die Familien hätten in den vergangenen anderthalb Jahren kaum verreisen können und würden jetzt ihre Angehörigen in den Heimatländern besuchen. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund liegt im Verein bei rund 60 Prozent. Dies sei bereits seit einigen Jahren so und spiegele die Bevölkerung Raunheims wider, sagt der Trainer.

Wahnsinniger Zuspruch

Stephan berichtet, dass der TKR im Zeitraum von einem Jahr einen ungeheueren Zuspruch erfahren habe. Der Verein habe rund 40 neue Mitglieder aufnehmen können. Der größte Zuwachs sei in den Altersklassen der 25- bis 30-Jährigen sowie der Vier- bis Siebenjährigen zu verzeichnen. Er habe zudem festgestellt, dass sich viele Paare und Geschwister angemeldet hätten. Der Trainer vermutet, dass die Corona-Pandemie ausschlaggebend für den Zuspruch sei. "Die Menschen wollen Sport treiben", sagt Stephan.

Dass der Olympiasieg von Alexander Zverev einen Tennisboom auslösen werde, damit rechnet er indessen nicht. Der Olympiasieger sei durchaus bei den Tennisspielern präsent, aber weniger bei jenen, die sich eben nicht mit dem Tennissport beschäftigen. Bei dieser Gesellschaftsgruppe sei Fußball nach wie vor das Nonplusultra. Den Boris-Becker-Boom nach dessen Wimbledon-Sieg 1985 hat der 33-Jährige noch nicht erlebt. Aber er geht auch nicht davon aus, dass es solche Booms wegen eines sportlichen Erfolges heute noch geben werde.

Er denkt, dass die Menschen auch ohne große sportliche Vorbilder zum Tennissport kommen. Die inzwischen mehr als 200 Mitglieder des TKR scheinen das zu bestätigen. Das seien so viele, wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr.

Die Jugend meint, dass sich der Olympiasieg gut auf den Tennissport auswirke. Stefanie findet das Abschneiden Zverevs toll, es mache die Leute auf den Tennissport aufmerksam. "Das wird ziehen", meint die 17-Jährige. Sie hat Tennis während der Olympiade auch im Fernsehen verfolgt. Der zwei Jahre jüngere Sebastian dagegen schaut kein Tennis im Fernsehen. Er habe von dem Olympiasieg über andere Medien erfahren, denkt ebenfalls, dass er sich positiv auf den Sport auswirke. Die beiden Jugendlichen haben Spaß bei dem Sommercamp. Stefanie will ihre Freunde und Freundinnen sehen und spielt gerne Tennis. Sebastian will Tennis spielen und lobt den Trainer wegen seines guten Trainings.

Rüdiger Koslowski

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