Das idyllische Bild mit den Blumen im Vordergrund täuscht: Der Wochenmarkt nur mit dem Blumenverkauf und dem Metzger hinterlässt einen trostlosen Eindruck. Foto: rko
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Das idyllische Bild mit den Blumen im Vordergrund täuscht: Der Wochenmarkt nur mit dem Blumenverkauf und dem Metzger hinterlässt einen trostlosen Eindruck.

Gewerbe

SOS auf dem Wochenmarkt: Gemüsebauer dringend gesucht

Die Suche nach einer Nachfolge für den Verkauf von Obst und Gemüse in Raunheim gestaltet sich schwierig.

Der Raunheimer Wochenmarkt am Rathausplatz ist seit Anfang April nicht mehr komplett. Mit der Familie Bersch verabschiedete sich der einzige Gemüsebauer, der bislang noch am Ort war. Regelmäßige Marktbesucher mögen sich erinnern: Vor einigen Jahren boten sogar zwei Gemüsebauern ihre Produkte an. Heuer sind nur noch ein Metzger und eine Gärtnerei für ihre Kunden da.

Entsprechend traurig schaut es am Bürgersaal aus, wo die Stände aufgebaut werden. Nicht nur, dass die Angebote mit bunten Farben und dem vitaminreichen Obst und Gemüse fehlen. Einher damit geht auch die schwindende Anzahl von Marktbesuchern. Tobias Loy, Leiter des Fachbereichs Bürgerwesen, bemüht sich, einen neuen Gemüsebauern für den Wochenmarkt zu gewinnen. Einer, den er bereits an der Hand hatte, sprang wieder ab.

Zwei Gründe für

das vergebliche Bemühen

Loy sagt, dass er in Kontakt mit dem Metzger stehe. Dieser höre sich auf Märkten anderer Kommunen um und übermittle ihm Interessenten, mit denen er dann Kontakt aufnehmen werde. Der Verwaltungsmitarbeiter nennt zwei Gründe für das bisher vergebliche Bemühen, einen neuen Anbieter zu finden. Zum einen bestehe die Konkurrenz anderer Märkte in anderen Kommunen am Samstagvormittag. Hinzu komme die Konkurrenz der in Raunheim ansässigen Supermärkte. Zum anderen gebe es durchaus Bedenken von Anbietern ob der Beschaulichkeit des Wochenmarktes in Raunheim. Im Klartext: Wird der nötige Umsatz eingefahren? Loy will den Markt attraktiver gestalten.

"Das ist jedoch wegen Corona keine leichte Aufgabe", sagt er. Häufig seien auf Wochenmärkten besondere Angebote zum Verweilen zu finden. Beispielsweise ein Plätzchen, an dem die Marktbesucher mit einem Kaffee ein Päuschen einlegen können. Dies sei jedoch jetzt während der Pandemie nicht möglich. Ein Bäcker sei eine weitere Variante. Dieser müsse sich aber mit der vorhandenen Bäckerei am Rathausplatz vertragen. Eine Hähnchenbraterei sei eine weitere Idee. Beim Vorschlag für einen Weinstand wirkt Loy eher nachdenklich. Dies würde den muslimischen Teil der Bevölkerung ausschließen. Ihm schwebe ein Angebot für die breite Bevölkerung vor. Das Gesamtkonzept müsse stimmen. "Die Perspektive ist eher mittelprächtig." Da nimmt Loy kein Blatt vor den Mund. Es stellt sich auch die Frage, wie lange die beiden vorhandenen Anbieter noch die Stellung halten.

"Es ist Eile

geboten"

Noch eine Weile, so hofft er, befürchtet aber anderes. Die Sommerferien könnten durchaus ein Schnitt sein. "Es ist Eile geboten, aber wir können es schlecht beeinflussen", betont er. Petra Schäfer vom Blumenstand kann zumindest davon berichten, dass sie einen Interessenten kenne, der schon bei der Stadt angerufen und sich zudem schriftlich beworben habe. Er habe jedoch noch keine Antwort erhalten. Es handle sich um einen kleinen Anbieter mit Eiern und Obst.

Schäfer informiert offen über ihre Pläne: Sollte sich bis Samstag vor dem Muttertag am 9. Mai nichts ändern, werde sie maximal noch eine Woche auf dem Markt bleiben. "Das lohnt sich nicht", sagt sie. Der Gemüsebauer sei der große Magnet. Corina Kletsch, Mitarbeiterin der Metzgerei Walz, bedauert ebenfalls das fehlende Obst- und Gemüseangebot. Sie würden für den Raunheimer Markt werben, aber Gemüsebauern mit Qualität seien bereits auf anderen Plätzen. "Solange die Stammkundschaft kommt, bleiben wir hier", versichert Kletsch jedenfalls. Auch wenn sie ganz alleine auf dem Rathausplatz stehen müsste.

Die Kundschaft ist traurig. Sigrid Merkel sagt, ohne einen Gemüsebauer fehle das komplette Angebot mit Obst, Gemüse und Fleisch am Standort. Die Dozentin der VHS stellte bei der Stadt einen Antrag, von Juni bis August ihre Patchwork-Arbeiten anzubieten.

Ulrike Simon ist Stammkundin auf dem Markt. "Das ist sehr traurig für Raunheim", sagt sie. Sie denkt dabei nicht nur an die fehlenden Lebensmittel, sondern beschreibt den Markt auch als Treffpunkt. Wie auch Angelo Algieri. "Wenn der Markt verschwindet, geht eine Tradition verloren", bedauert er die Situation. Er kaufe weiterhin sein Fleisch auf dem Wochenmarkt. "Damit der Metzger hierbleibt", betont er. Für Obst und Gemüse fahre er nach Rüsselsheim. RÜdiger Koslowski

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