Sie sind der SSV treu verbunden: Klaus Blauenburg (links) und Manfred Vestweber. FOTO: rko
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Sie sind der SSV treu verbunden: Klaus Blauenburg (links) und Manfred Vestweber.

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Sport- und Sängervereinigung sagt Jubiläumsfeier ab

Das 100-jährige Bestehen soll im kommenden Jahr begangen werden - Fast 200 Austritte seit Beginn der Pandemie

Die Sport- und Sängervereinigung (SSV) besteht im Jahr 2021 seit 100 Jahren. Eine große Feier für das stolze Jubiläum war geplant. Doch die wird nun wegen der Corona-Pandemie ins Wasser fallen, wie der Vorsitzende Klaus Blauenburg und der Ehrenvorsitzende Manfred Vestweber informieren.

Vom 2. bis 4. Juli sollte auf dem Parkplatz hinter dem Vereinsheim ein Festzelt aufgestellt werden. Ein kleines Zelt nur, weil ein Teil des Parkplatzes am Vereinsheim von der provisorischen Kindertagesstätte Märchenland belegt ist. Aber rund 300 Menschen hätten darin Platz gefunden. Das Programm stand ebenfalls bereits. Bei einer akademischen Feier wollte Laudator Vestweber das langjährige Bestehen würdigen. Die Entertainer Rainer Kowalski und Kevin Henderson und der Sänger Luca D'Acri aus Raunheim wollten für Stimmung unter dem Zeltdach sorgen. Die verschiedenen Abteilungen der SSV wollten sich mit einem bunten Programm vorstellen. Bei einem Frühschoppen hätten die Gäste in Erinnerungen schwelgen können.

Warum das Programm im Einzelnen genannt wird, obwohl die Feier doch abgesagt ist? Weil sich das Publikum die Freude auf die Jubiläumsfeier aufheben kann. Denn das langjährige Bestehen soll im kommenden Jahr vom 8. bis 10. Juli gefeiert werden. Die Musiker haben für diesen Termin bereits zugesagt.

Freilich sei die SSV traurig, dass das Jubiläum nicht im Jahr des langjährigen Bestehens begangen werden könne, so Blauenburg. Obwohl? Vestweber schränkt mit einem Blick in die Vereinschronik ein, dass es eigentlich fast egal sei, wann gefeiert werde. Denn die SSV sei nicht 1921 gegründet worden.

Fusion nach dem Ersten Weltkrieg

Dieses Datum sei erst bei einer Versammlung im Jahr 1973 offiziell festgelegt worden. Denn 1921 liegt in der Mitte des Gründungsjahres des Gesangvereins Freie Sänger 1911 und ihrem Zusammenschluss mit dem Radfahr- und Kraftverein zur Freien Arbeiter-, Sport- und Sängervereinigung 1931. Blauenburg tröstet sich zudem damit, dass sich etliche andere Vereine mit ihren Jubiläumsfeiern ebenfalls in Geduld üben müssten. Im eigenen Verein muss die Schwimmabteilung mit ihrer 50-Jahr-Feier bis in das kommende Jahr warten. Dabei hätte bereits im vergangenen Jahr das Jubiläum gefeiert werden sollen.

Viel schlimmer als die ausgefallene Feier seien jedoch die zahlreichen Austritte aus den vergangenen Monaten. "Seit März letzten Jahres haben wir rund 200 Mitglieder verloren", informiert Blauenburg. 90 Prozent der Austritte seien im Kinder- und Jugendbereich zu konstatieren. Als Grund sei überwiegend das fehlende Sportangebot genannt worden. Dabei zeigt er durchaus Verständnis für Familien, die beispielsweise wegen Kurzarbeit aus finanziellen Gründen den Verein verlassen haben.

Mit den Austritten gehen Mitgliedergebühren verloren. Aktuell falle dies aber nicht so stark ins Gewicht, weil sich die SSV Ausgaben für Wettkampfgebühren und Busfahrten spare. Wenn der Sportbetrieb wieder in normalen Bahnen verläuft, hofft Blauenburg darauf, dass viele Ausgetretene wieder zur SSV zurückkehren.

Noch eine weitere Amtszeit

An Austritt ist bei Blauenburg und Vestweber nicht zu denken. Beide sind engagierte und treue Mitglieder. Nicht zuletzt deshalb liegt die Planung für die Jubiläumsfeier in ihren Händen. Blauenburg kam 1973 zur SSV als ein aus Leeheim zugezogener 19-jähriger junger Mann, der wieder Fußball spielen wollte. Vestweber lernte die SSV beim Stadtteilfest im Ringstraßengebiet über die Karnevalsabteilung Prinzess-Margret-Garde kennen, der die Tochter beitreten wollte. Beide kamen über verschiedene Wege bald in den Vorstand. Blauenburg war seit 1987 zweiter Vorsitzender, Geschäftsführer, Spielausschussvorsitzender und ist seit 2015 Vorsitzender.

Vestweber war ebenfalls zweiter Vorsitzender, Geschäftsführer und von 1995 bis 2009 Vorsitzender. Seither ist er Ehrenvorsitzender, unterstützt den Verein weiterhin als Protokollführer und Buchhalter. "Ich hänge an dem Verein", macht Blauenburg deutlich. Seine Frau sage immer, die SSV sei seine zweite Familie. Vestweber nennt aber auch die andere Seite der Medaille beim Namen: Er engagiere sich auch für die SSV, weil sich eben kein anderer finde.

Beide kündigen bereits an, ihre Aufgaben in naher Zukunft abgeben zu wollen. Aber wegen der Planungen für die Feier wollen Blauenburg und Vestweber bei den anstehenden Wahlen bei der Jahreshauptversammlung im September noch eine Legislaturperiode dranhängen. Vestweber hat sogar schon einen potenziellen Nachfolger gefunden.

Rüdiger Koslowski

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