Michael Herold (links) und Rainer Minkwitz informieren über den Bau der drei Stahlkolosse.
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Michael Herold (links) und Rainer Minkwitz informieren über den Bau der drei Stahlkolosse.

Unternehmen

Tank und Ummantelung aus 1053 Platten Stahl

Der Mineralöllogistiker Unitank will noch dieses Jahr den ersten neuen Behälter befüllen.

Die Entscheidung ist nicht leicht, welche der beiden Situationen beeindruckender ist. Einfach nur neben den drei rostfarbenen 20 Meter hohen Stahlkolossen zu stehen, sich so mickrig wie eine Ameise gegenüber einem Elefanten zu fühlen. Oder durch das Loch zu schauen, ein 80 Zentimeter breiter Durchgang, der den Blick auf die am Boden liegende Kuppel freigibt. Ja, die 190 Tonnen schwere Kuppel, die den Tank von oben abdichten wird, liegt noch auf seiner Sohle. Michael Herold, der Geschäftsführer von Unitank, und Rainer Minkwitz, der Leiter Technik des Unternehmens, erklären die erstaunliche Methode. Wie soll dieses Schwergewicht auf das Dach gesetzt werden? In den Tank wird Wasser aus dem Main gepumpt. Mit steigendem Pegel wird die Kuppel nach und nach in die Höhe geschwemmt.

Erster Behälter schon abgedichtet

Der Mineralöllogistiker Unitank wurde vor 50 Jahren gegründet. Er betreibt in Deutschland und Belgien sechs Groß-Tanklager an fünf Standorten. Der Raunheimer Standort versorgt den Frankfurter Flughafen und die überregionalen Tankstellen mit Kraftstoffen. Acht Tage dauert es, bis der 40 000 Kubikmeter fassende Tank befüllt ist und die Kuppel oben montiert werden kann. Unitank baut derzeit drei Tanks. Der erste Tank ist bereits abgedichtet. Bei dem zweiten Tank wird die Kuppel in dieser Woche aufgeschwemmt. Die Kuppel des dritten Tanks ist bereits im Bau. Eine Dachkuppel besteht aus 40 Stahlträgern und 40 Stahlplatten. Unitank erweitert mit dem Bau der drei Tanks seine Lagerkapazität um insgesamt 120 000 Kubikmeter. Aktuell ist das Unternehmen in der Lage, in seinen 18 Tanks 180 000 Kubikmeter Treibstoff - Kerosin, Diesel, Otto-Kraftstoff und Heizöl - zu lagern, informiert Herold.

Beliefert über Pipeline

Der Erdölbevorratungsverband (EBV) habe Bedarf für eine Kapazitätserweiterung angemeldet. Denn wenn der Main Niedrigwasser führt, können die Schiffe den Hafen des Tanklagers nicht anfahren und in der Folge können die Tankstellen der Region nicht ausreichend mit Otto-Kraftstoff versorgt werden. Das Kerosin sei nicht betroffen, weil Unitank über eine Pipeline beliefert wird.

Der Bau der drei neuen Tanks sei durchaus etwas Besonderes, wie Herold und Minkwitz erzählen. Denn es würden kaum noch Tanks gebraucht, weil, zumal mit diesem Volumen, der Bedarf an Mineralöl rückläufig sei. Den letzten Tank baute das Unternehmen im Jahr 2009 am Standort in Roeselare in Belgien. Der Bau der drei Tanks bedeutet auch einen riesigen Aufwand. Alle Bauteile müssten in der richtigen Reihenfolge geliefert und abgestellt werden, so dass die Monteure ohne Probleme auf sie zugreifen können, betont Herold. Minkwitz erläutert das bemerkenswerte Bausystem. Denn der eigentliche Tank steckt in einer Tasse. Soll heißen, der Tank wird in einem Abstand von anderthalb Meter von einer weiteren Stahlwand ummantelt. Dieser Puffer hat sicherheitstechnische Gründe, denn in dieser Tasse würde Treibstoff aufgefangen, der im unwahrscheinlichen Fall einer Leckage aus dem Tank austreten kann. Tank und Tasse stehen jeweils auf einem eigenen Fundamentring. Der Durchmesser des inneren Rings beträgt 51,5 Meter, beim äußeren Ring sind es 54,5 Meter. Um die Tragfähigkeit des Bodens zu erhöhen wurden für jeden Tank 564 sogenannte mit Kies gefüllte Rüttelstopfsäulen gebohrt.

Nichts darf fehlen

Tank und Tasse wurden aus 15 Millimeter starken Stahlblech gebaut. Wer mit der Faust an der Platte klopft, wird das bestätigen. Die Platten wurden bereits gerundet mit einem Tieflader geliefert. Eine der drei Meter hohen und sechs Meter breiten Platten bringt rund 21 Tonnen auf die Waage. Die Tasse ist übrigens mit 18 Metern um zwei Meter niedriger als der Tank. Ingesamt wurden 1053 Stahlplatten verbaut.

Herold kündigt an, dass der erste Tank noch in diesem Jahr befüllt werde. Auf den Monat wolle er sich nicht festlegen, denn die Tücke stecke im Detail. "Es darf nicht die kleinste Armatur fehlen", betont er. Wer glaubt, dass die Tanks mit dem Kraftstoff ebenso schnell gefüllt sind, wie mit Wasser, liegt falsch. Das kann durchaus ein bis drei Monate dauern, je nach dem, wann die Tankschiffe den Hafen erreichen. Zudem müssen nach wie vor auch die übrigen Tanks befüllt werden. Rüdiger Koslowski

Noch liegt die Kuppel auf dem Boden des Tanks, hier der Blick auf ihre Unterseite.

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