Bühne im Grünen: Uwe Seibert, Eija Laine, Elke Kaul und Jörg Schumann (von links) proben unter freiem Himmel. Foto: Rüdiger Koslowski
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Bühne im Grünen: Uwe Seibert, Eija Laine, Elke Kaul und Jörg Schumann (von links) proben unter freiem Himmel. Foto: Rüdiger Koslowski

Kultur

Theatermacher tauschen Bühne gegen Garten

Das Ensemble vom Raunheimer Amateurschauspiel (Ramsch) hat zu seiner Form zurückgefunden. Unter freiem Himmel probt es das neue Stück "Eine höllische Nacht" von Balthasar Alletsee.

Raunheim -Liegestühle und andere Sitzgelegenheiten stehen im Garten unter der stattlichen Tanne. Ein Tischchen mit Gläsern darauf ebenfalls. Gemütlich sieht das aus. Es scheint, als wäre alles für eine Gartenparty bereitet. Aber in Elke Kauls Garten wird nicht gefeiert, sondern gearbeitet. "Frau Feilers, ziehen Sie doch die Schuhe aus, dann haben Sie Bodenkontakt", bittet Gabi von Pallandt. Elke Kaul versichert unterdessen, dass sie einen sehr schönen weichen Rasen habe.

Liegestühle, Stühle und das Tischchen, ja sogar der Baum sind Requisiten. Frau Feilers ist eine Figur aus dem Stück "Eine höllische Nacht", Gabi von Pallandt ist die Regisseurin und Elke Kaul die Vorsitzende des Raunheimer Amateurschauspiels (Ramsch). "Es gibt uns wieder... so halbwegs", hatte Kaul zu einem Besuch bei der Probe eingeladen. Die Aufführung der neuen Produktion wurde zwar in das kommende Jahr verschoben. Aber seit vier Wochen ist das Ensemble wieder am Proben - mit neuer Regisseurin, nachdem Björn Lehn Ramsch verlassen hatte.

Der Kinosaal, die eigentliche schauspielerische Heimat von Ramsch, ist wegen Corona noch gesperrt. Die Idee für die Freiluftprobe sei übrigens nach einem Gespräch mit dieser Zeitung in ihrem Garten entstanden, berichtet Kaul. "Ich wollte, dass die Gruppe wieder zusammenkommt", sagt die Vorsitzende. Bis zum Lockdown habe das Ensemble nur viermal geprobt. Kaul spricht durchaus von der Gefahr, dass das Amateurschauspiel einschlafe, dass das Interesse nachlassen könne, wenn sich die Darsteller über einen längeren Zeitraum nicht sehen und nicht spielen könnten. Solange es das Wetter zulasse, ist nun also ihr Garten die Bühne.

Den Raum bloß erahnen

Man sollte nicht denken, dass es so einfach ist, die Bühne aus dem Kinosaal auf ein Stück Rasen zu verlegen. Der Raum müsse von den Schauspielern erahnt werden, erklärt von Pallandt. "Der Raum spielt eine große Rolle", weiß sie. Atmosphäre, Emotionen, die Aufstellungen und die Abgänge an den Orten hätten eine besondere Bedeutung.

Von Pallandt ist pensionierte Lehrerin, unterrichtete an einem Frankfurter Gymnasium. Der Kontakt zu Ramsch entstand über Freunde, es wurde über ein Engagement gesprochen. Von Pallandt studierte Germanistik und Romanistik, absolvierte eine Ausbildung als Theaterpädagogin und unterrichtete Deutsch, Französisch und Darstellendes Spiel. "Theater ist meine Leidenschaft", sagt von Pallandt, die sich seit vier Jahren im Ruhestand befindet. Sie habe die Aufgabe als sehr reizvoll empfunden. Es sei eine neue Erfahrung und eine neue Herausforderung, habe sie bisher doch mit jungen Menschen, mit Schülern und Referendaren gearbeitet und habe jetzt die Möglichkeit, bei älteren Erwachsenen Regie zu führen. Bei Senioren, wie Kaul schmunzelnd ergänzt, Ramsch sei durchaus ein Seniorentheater.

Gespickt mit skurrilen Szenen

Im Garten grenzen also die Liegestühle die Bühne ein, die Stühle markieren den Zuschauerraum und die Tanne ist ein Schrank. Es gilt zu improvisieren. "Wir wollten schon immer mal ein Open Air machen", sagt Kaul lachend. Ramsch möchte die philosophische Komödie "Eine höllische Nacht" von Balthasar Alletsee auf die Bühne bringen. Ein Mensch, der zu brav gelebt habe, werde aus dessen Sicht zu früh abgerufen, erklärt Kaul knapp den Inhalt. Das Stück sei gespickt mit skurrilen Szenen. Das Ensemble stehe erst ganz am Anfang, probe noch mit Textblatt.

Michael Ruppert findet es angenehmer, bei 32 Grad unter freiem Himmel zu proben statt im stickigen Kinosaal. Die Atmosphäre im Garten sei viel entspannter. Er habe es bedauert, dass die Proben über einen längeren Zeitraum ausgefallen seien, weil der Rhythmus verloren gegangenen sei.

Auch Gitte Radu gefallen die Proben im Garten. Sie findet es wichtig, dass die Gruppe wieder zusammenkommt, die regelmäßigen Treffen hätten ihr sehr gefehlt. Elke Kaul hofft, dass die Stadt für die Aufführung den Bürgersaal freigibt. Der Vorhang soll sich dann im nächsten Jahr am 26., 27. und 28. März öffnen. Rüdiger Koslowski

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