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Laut Katzenschutzverordnung muss jeder Freigänger kastriert, gekennzeichnet und registriert werden. Foto: dpa

Streuner

Tierwohl in Raunheim soll verbessert werden

Mit dem Kauf von Futter oder dem Bezahlen der Kastration von herrenlosen Katzen will die SPD Hilfeeinrichtungen unterstützen. Auch eine Katzenschutzverordnung ist im Gespräch.

Raunheim -Der Schutz von Wild-, Haus- und Nutztieren rückte am Dienstagabend im Hauptausschuss in den Fokus. "Viele Jahre war es kein Thema, jetzt wollen wir uns mehr für das Tierwohl einsetzen", kommentierte Michael Gluch (SPD) den Antrag seiner Fraktion. Dabei solle es nicht nur bei Resolutionen bleiben, sondern den privaten Initiativen wie der Raunheimer Tierhilfe die praktische Unterstützung seitens der Stadt angeboten werden - auch in finanzieller Hinsicht.

Der SPD schwebt ein vierstelliger Betrag vor, der jährlich in den Haushalt eingestellt wird. Davon sollen Tierhilfeeinrichtungen zum Beispiel Futter kaufen oder Kastrationen von herrenlosen Katzen bezahlen können, die ansonsten auf Sach- und Geldspenden angewiesen sind. Ein erster Schritt zur Verbesserung des Tierwohls sei der Beschluss der Katzenschutzverordnung, so Gluch. Die Verordnung verpflichtet die Halter, ihre Tiere kastrieren, kennzeichnen und registrieren zu lassen. Bei Missachtung wird ein Bußgeld verhängt.

Bürgermeister Thomas Jühe (SPD) betonte, dass die Kastrationspflicht nur für Freigänger gelte und nicht für Hauskatzen. Mit der Verordnung werde gleichfalls eine Rechtsgrundlage geschaffen, nach der die Tierschutzinitiativen handeln können.

Gernot Lahm (Grüne) begrüßte den Vorstoß der SPD, sah aber Nachbesserungsbedarf. Genauso wie Hans-Joachim Hartmann (FDP), der bemängelte, dass laut Verordnung Menschen, die eine verwilderte Katze regelmäßig füttern, als Katzenhalter gelten und somit die Kosten für Kastration und Registrierung tragen müssen. Dies schrecke Tierfreunde davon ab, sich weiterhin um Streuner zu kümmern, begründete er seinen Einwand und stimmte gegen den SPD-Antrag.

Kastrationsmobil eine Alternative

Stefan Teppich (CDU) äußerte die Befürchtung, dass die Stadt mit der Katzenschutzverordnung einen "Papiertiger" schaffe. Besser sei es, das sogenannte Katzen-Kastrationsmobil kommen zu lassen. Der Landestierschutzverband Hessen hatte das Mobil 2013 angeschafft und es den mehr als 80 angeschlossenen Tierschutzvereinen zur Verfügung gestellt. Die Tierschutzvereine beginnen am Vorabend oder in der Nacht zum Kastrationstag damit, die Katzen per Katzenfalle einzufangen. Gechippte oder tätowierte Katze werden wieder frei gelassen. Die Tiere würden nicht nur kastriert, sondern auch entwurmt und entfloht, informiert die Hessische Landesregierung über das Projekt.

Die SPD lehnte Teppichs Vorschlag ab. Der Einsatz des Kastrationsmobils einmal im Jahr würde das Problem nicht lösen, so Gluch. Der Antrag wurde bei drei Enthaltungen und einer Gegenstimme angenommen.

Erneut diskutiert wurde der Beschlussvorschlag zum Bau eines AöR-Betriebshofs auf dem Gelände des Abwasserverbandes. Unter anderem wird in dem Beschluss festgelegt, dass die Riedwerke beziehungsweise die Tochtergesellschaft AWS die beiden Wertstoffhöfe in Raunheim und Rüsselsheim betreiben wird. Es soll ein Vertrag über zehn Jahre geschlossen werden. Bürgermeister Jühe lobte das "sehr gute Angebot" der AWS.

Elektrogeräte ausgenommen

Hartmann appellierte an den Magistrat, dass der Vertrag mit den Riedwerken den Bürgern nicht zum Nachteil gereichen darf, sollten die Betriebskosten wider Erwarten steigen. Lahm bemerkte, dass der Raunheimer Wertstoffhof unter Regie der AWS keine Elektrogeräte und Leuchtstoffröhren mehr entgegennehme. "Dadurch könnte es zu einer Vermüllung der Umgebung kommen", so Lahm. Jühe entgegnete, dass es auf dem Wertstoffhof kein fachliches Personal für den sachgerechten Umgang mit solchen Abfällen gebe und der Hof schlichtweg zu klein sei, um diesen Service anzubieten. Dorothea Ittmann

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