Innenstadt entlasten

Verkehrsanschluss West : Anbindung wird bald in Betrieb genommen

Mit dem Anschluss West erfüllt sich die Stadt einen 26 Jahre währenden Wunsch. In wenigen Wochen geht er in Betrieb.

Die beiden Rampen sind bereits asphaltiert und markiert. Aber auf der Flörsheimer Straße, der Anton-Flettner-Straße und am Kreisel machen sich die Straßenbauarbeiter noch zu schaffen. Es stehen noch die Asphaltierung der Straßen und die Gestaltung des Kreisels an.

Sechs Wochen, bis Ende November, Anfang Dezember, wird es noch etwa dauern, bis die sogenannte Anschlussstelle West in Betrieb genommen werden kann, meint Carola Becker vom Fachdienst Infrastruktur. Das ist der für die Stadt so bedeutende Anschluss der Flörsheimer Straße und der Anton-Flettner-Straße an die Bundesstraße 43.

Immer noch sechs Wochen? Jochen Brune relativiert. „In Bezug auf den langen Weg, den wir gehen mussten, ist das nicht mehr viel“, betont er. Der Fachdienstleiter blickt für das Echo auf die lange Geschichte dieses Verkehrsanschlusses zurück. Viele Jahre lang hat er sein gesamtes Herzblut in das Projekt gesteckt.

Für das Gespräch mit dem Echo schaute Brune extra noch einmal in die Aktenordner. Der erste Eintrag stammt von 1992. Damals war er noch gar nicht im Rathaus beschäftigt, stieß jedoch vier Jahre später zur Verwaltung. Seither war er immer wieder mit diesem Thema beschäftigt.

Vor 26 Jahren gab es ein Schriftstück des Magistrats an die Verwaltung, in dem erstmals von der Überlegung die Rede war, die B 43 an die Flörsheimer Straße und die Anton-Flettner-Straße anzubinden. Damals war allerdings ein Vollanschluss geplant. Von Kelsterbach kommend sollten die Autofahrer von der B 43 ins Mainvorland und von dort durch eine Unterführung in das Gewerbegebiet geführt werden. In Richtung Rüsselsheim fahrend sollte es ebenfalls durch die Unterführung und auf der Nordseite über eine Rampe auf die B 43 gehen. Die Anschlüsse für die beiden entgegengesetzten Richtungen befinden sich auf der Südseite. Die Untere Naturschutzbehörde und das Wasser- und Schifffahrtsamt spielten allerdings wegen des baulichen Eingriffs in das Mainvorland nicht mit.

Die Alternative war ein aufgelöster, halber Anschluss. Die Autofahrer sollen von Rüsselsheim über die B 43 das Gewerbegebiet ansteuern und von dort über die B 43 nach Kelsterbach fahren können. 2008 stellte die Stadt diese Variante Hessen Mobil vor. Die Straßenbehörde lehnte den Plan ein Jahr später ab. Wegen des gerade einmal einen Kilometer entfernten Anschlusses der B 43 an Rüsselsheim sah das Amt keinen Sinn in dieser Verkehrsführung.

„Wir haben dann zehn Jahre dicke Bretter gebohrt“, blickt Brune zurück. Im Juni 2018 unterschrieben die Stadt und Hessen Mobil eine Verwaltungsvereinbarung. Die Stadt hatte in der Zwischenzeit mit Gutachten die Bedeutung des Anschlusses deutlich gemacht. Mit der Anbindung will sie vermeidbare Verkehre aus der Innenstadt ziehen. „Wir wollen den Verkehr nach außen ziehen“, erklärt Carola Becker, seit 2011 im Rathaus beschäftigt. Ein wesentlicher Aspekt sei dabei auch die Entlastung der Ringstraßensiedlung. Denn viele Bewohner müssen mit der zukünftigen Anschluss nicht mehr durch die Stadt fahren, wenn sie Richtung Kelsterbach oder der Autobahn fahren wollen. Hessen Mobil stimmte zwar zu, Zuschüsse erhält die Stadt aber nicht. Inklusive Ablösezahlungen an Hessen Mobil kostet der Anschluss vier Millionen Euro. 158 000 Euro erhält die Stadt von Rüsselsheim im Zuge einer Vereinbarung über die Schließung des Waldweges und des Baus der Unterführung Schnelser Weg. Kurz vor der Inbetriebnahme freut sich Brune: „Das ist wie eine Befreiung und ein großer Erfolg für die Verwaltung und die Politik.“

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