Wolf-Tassilo Böhm liebt die Tricks auf dem Brett. Die niedrigen Temperaturen machen ihm dabei nichts aus.
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Wolf-Tassilo Böhm liebt die Tricks auf dem Brett. Die niedrigen Temperaturen machen ihm dabei nichts aus.

Freizeit

Wassersport auch bei knappen zehn Grad kein Problem

Die Raunheimer Wakeboard-Anlage von Clint Liddy am Waldsee hat wieder geöffnet, vorerst aber nur an vier Tagen in der Woche.

Wakeboard, See und Sandstrand - die Begriffe lassen unweigerlich Urlaubsgefühle aufkommen. Aber das Reisen ist während der Pandemie zumindest nicht empfohlen, in manche Länder sogar nicht erlaubt. Also doch zur Wakeboard-Anlage Wakeport am Waldsee fahren. Aber die Witterung lässt am Wochenende zu Wünschen übrig. Südsee-gefühle kommen da nicht auf.

Mit schlappen zehn Grad gibt das Thermometer die Wassertemperatur an, berichtet Clint Liddy, der Geschäftsführer von Wakeport in Raunheim. Währenddessen rauschen auf dem See Sportler mit der Hantel an der Hand und dem Brett unter den Füßen über die Wasseroberfläche. Ihr Neoprenanzug hat eine Stärke von drei bis fünf Millimeter, informiert Liddy. Der Anzug schützt durchaus vor der Kälte. Füße, Hände und das Gesicht bleiben jedoch unbedeckt. Es wird dann schon richtig kalt, wenn der Fahrer ins Wasser stürzt.

Schnee statt Sonnenschein

Wolf-Tassilo Böhm gehört zu jenen Wassersportlern, die sich von den niedrigen Temperaturen nicht abschrecken lassen. "Ich bin froh, dass die Anlage wieder geöffnet ist", sagt der 37 Jahre alte Frankfurter. Es könnte auch schneien, stellt er lachend fest. Schneien? Die Anlage öffnete doch Anfang April. Am Ostermontag schneite es tatsächlich, berichtet Liddy schmunzelnd. Das sei durchaus ein Erlebnis gewesen. Wer steht schon in der Südsee bei Schneefall auf dem Brett? Das Wetter ist Böhm egal. Er betreibt den Sport seit dreieinhalb Jahren. Statt über das Wetter spricht er lieber über den Spaß, den Ausgleich und über Geschicklichkeit. Diesen Argumenten kann eine Temperatur von zehn Grad nichts entgegensetzen.

Auch die Corona-Pandemie schreckt ihn nicht ab. Es sei absolut sicher an der Wakeboard-Anlage. Das Hygienekonzept findet er in Ordnung.

Liddy seinerseits berichtet, dass die Anlage in Absprache mit der Stadt Raunheim geöffnet werden durfte. Es spreche einiges für die Öffnung: Maximal dürfen sich zwei Haushalte mit fünf Leuten in einer Gruppe zusammen aufhalten. Besucher, also Menschen, die nicht mit den aktiven Sportlern in Verbindung stehen, werden nicht auf das Gelände gelassen. Liddy betont zudem, dass es sich um einen Einzelsport auf dem Wasser handle und die Menschen sich alle im Freien aufhielten. Umkleidekabine, Shop und Bar seien zudem geschlossen.

Der Jahreszeit entsprechend sei die Anlage derzeit nicht komplett ausgebucht. Noch ist deshalb auch nur donnerstags bis sonntags geöffnet. Vom 1. Mai an können die Leute dann jeden Tag auf ihre Bretter steigen. Die meisten Kunden, die derzeit auf dem Wasser sind, machen das nicht zum ersten Mal in Raunheim. Sie seien schon im vergangenen Jahr dort gewesen, beobachtet der Geschäftsführer. Sie konnten im Winter kein Sport treiben, wollen nun raus ins Freie.

Mehr Anfragen als Kapazität

Im vergangenen Jahr sei die Anlage komplett ausgebucht gewesen. 60 Prozent der Anfragen habe er nicht einmal bedienen können, erinnert sich Liddy an den Ansturm. Er rechnet für diesen Sommer mit einer Wiederholung. Die Stammkundschaft fährt zwei bis sieben Mal in der Woche. Sie umfasst einen Kreis von 60 bis 70 Leuten.

Das Vergnügen summiert sich bei 27 Euro für 15 Minuten natürlich zu einer stattlichen Rechnung. Liddy hat eine einfach Erklärung für die Mentalität der Leute, das Geld an der Wakeboard-Anlage zu lassen: Sie würden wegen der Pandemie nicht in den Urlaub fahren können und deshalb das Urlaubsgeld in den Wassersport investieren.

Trotz der großen Nachfrage macht Corona auch dem Geschäftsführer zu schaffen. Denn Shop und Gastronomie würden 50 Prozent des Umsatzes ausmachen, sagt er. Er ist zwar froh, dass die Anlage überhaupt betrieben werden könne. Das finanzielle Loch muss er aber mit den Rücklagen stopfen.

Am Horizont ist das schwere Gerät des Kiesabbauers zu erkennen. Wenn dort einmal der See ausgebaggert ist, will Liddy mit dem gesamten Equipment vom westlichen an das östliche Ufer umziehen. Dort sollen dann die beiden Zwei-Mast-Anlagen um einen Rundkurs ergänzt werden. Die Zweipunkt-Anlage stehe zwar weltweit im Ruf, die meisten Betriebsstunden zu laufen, aber mit einem Rundkurs würden mehr als zwei Sportler gleichzeitig auf den Brettern stehen können. "Es gibt so viele Leute, die Wakeboard fahren wollen", sagt Liddy. Er müsse bereits seit vier Jahren keine Werbung mehr für seine Anlage machen.

Rüdiger KOslowski

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