Hamdi Marzouk bittet die jungen Leute, den Parkplatz der Anne-Frank-Schule zu verlassen. Die starteten schnell den Motor. Foto: Rüdiger Koslowski
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Hamdi Marzouk bittet die jungen Leute, den Parkplatz der Anne-Frank-Schule zu verlassen. Die starteten schnell den Motor.

Ordnung

Wie der Sicherheitsdienst vom Ende der Ausgangssperre überrascht wird

In Raunheim werden an diesem Abend Jugendliche kontrolliert, die sich spät noch draußen zusammen aufhalten. Als sie auf die Ausgangssperre hingewiesen werden, gilt diese schon gar nicht mehr.

Mittwochabend, 23.15 Uhr am Rathausparkplatz in Raunheim: Hamdi Marzouk, Miguil Dos Santos und Ahmad Albazi, alle beim Sicherheitsdienst der Firma Wisag, kontrollieren gerade rund zehn Jugendliche. Was sie hier in der Öffentlichkeit machen würden, werden die Jugendlichen gefragt. Es herrsche schließlich Ausgangssperre, so wie an den Abenden zuvor. Doch dann werden die Ordnungsmitarbeiter selbst überrascht. "Die Ausgangssperre ist aufgehoben", sagt einer der rund zehn Jugendlichen. Kurz zuvor kursierten die ersten Meldungen im Internet über die vor Gericht erfolgreiche Klage gegen die Ausgangssperre zweiter Bürger aus dem Kreis Groß-Gerau. Der Landrat hatte die Sperre daraufhin aufgehoben. Die Neuigkeit machte schnell die Runde. Offenbar auch unter den jungen Männern. So hat Corona an diesem Abend wieder eine Pointe parat: Zurück blieben drei recht verdutzte Wisag-Mitarbeiter, die sich daraufhin erst kurz informieren müssen. Dann heißt es: Die Jugendlichen sollen trotzdem den Platz verlassen. Nicht nur, dass es zu viele sind. Sie halten sich in unmittelbarer Nähe der Seniorenwohnanlage auf.

Das von Landrat Thomas Will (SPD) verkündete Ende der Ausgangssperre habe ihr Chef wohl noch nicht erfahren, vermutet Patricia Schaad von der Unternehmenskommunikation, die die Mitarbeiter an diesem Abend wegen der Reportage dieser Zeitung begleitet. Das Gleiche gelte wohl auch für die Stadtverwaltung. Jedenfalls brechen die drei Mitarbeiter ihren Dienst nicht etwa plötzlich an diesem Abend ab. "Wir haben ja einen Auftrag", sagt Marzouk.

Markante Plätze werden beobachtet

Was Tobias Loy, im Rathaus der Fachbereichsleiter für Zentrale Dienste, am folgenden Tag bestätigt. Er habe über die Aufhebung der Ausgangssperre - wie viele andere auch - erst kurzfristig über Facebook erfahren. Aber dies habe nur bedingt Einfluss auf den Streifendienst gehabt, da doch auch die Kontakteinschränkung kontrolliert werden solle. Eben deshalb sei der Sicherheitsdienst weiterhin bis zum Ende der Schulferien im Einsatz.

Die Sicherheitsfirma hatte in den vergangenen Tagen die Freisportanlage, das Gelände rund um die Anne-Frank-Schule, den Parkplatz am Airport Garden am Messeplatz und den Parkplatz am Rathaus zu kontrollieren. Die Verwaltung könne dies mit dem Personal der Stadtpolizei nicht leisten, informiert Loy.

Um 22 Uhr beginnt die Schicht für den Sicherheitsdienst. Mithin eine Stunde nach Beginn der Ausgangssperre, weil die Stadtpolizei bis 22 Uhr Dienst schiebt. Die Nachtschicht endet um 6 Uhr, die Stadtpolizei startet eine halbe Stunde später. Der Streifendienst fährt die ganze Nacht im Auto von einem Platz zum nächsten. Sieben bis acht Mal würden sie somit jeden Ort aufsuchen, berichtet Teamleiter Dos Santos.

Hin und wieder bleiben sie stehen und schalten ihre Taschenlampen für einen ausführlichen Kontrollgang ein. Schaad wirft am Ende der ersten kompletten Runde einen Blick auf den Schrittzähler ihres Smartphones: 2400 Schritte, was in etwa zwei Kilometern entspreche. Zunächst steuern die Mitarbeiter die Freisportanlage an. Sie laufen den Bauzaun ab, der die Anlage versperrt, prüfen, ob vielleicht Elemente aus der Verankerung gerissen wurden.

Beim kaltem Wetter kaum Verstöße

Loy berichtet, dass vor Ostern, als die Temperaturen noch einladender waren, auf der Freisportanlage nachts gegrillt worden sei. Seit Anfang April seien indessen insgesamt nur drei größere Ereignisse zu verbuchen gewesen. Zweimal auf der Freisportanlage und einmal am Fußballplatz der Anne-Frank-Schule. Die Jugendlichen seien jedoch geflüchtet, als sie die Streife sahen.

Loy vermutet, dass es über die ganzen Tage so ruhig war, weil die Stadt die Streife ausreichend über die Presse und die Homepage angekündigt hatte. Sowohl Tobias Loy als auch Marzouk betonen, dass präventiv auf die Jugendlichen oder Erwachsenen einzuwirken sei. "Sie sollen die Leute ansprechen und nach Hause schicken", beschrieb Loy die Anweisung.

Was die Mitarbeiter befolgen. Abgesehen von den Jugendlichen am Rathaus ertappen sie auf dem Parkplatz der Anne-Frank-Schule Personen mit zwei Autos und auf dem Parkplatz von Airport Garden zwei Personen mit einem Fahrzeug. Marzouk spricht sie an. "Hi, Jungs, es ist Ausgangssperre, ihr dürft hier nicht sein", sagt er. Und wird mit widerstandslosem Rückzug belohnt. Nur wenn die Leute nicht parieren oder immer wieder auftauchen, sollen härtere Maßnahmen ergriffen werden. Personalien darf allerdings nur die Polizei aufnehmen. Bis die Ordnungshüter eintreffen, dürfen die Mitarbeiter die Täter allerdings festsetzen.

Insgesamt mussten sie nur immer wieder kleine Gruppen auffordern, die Plätze zu verlassen, was immer friedlich befolgt wurde. Auch wenn sie nur die Plätze unter die Lupe nehmen sollen, fahren sie aufmerksam durch die dunkle Stadt. Bei Auffälligkeiten werden sie die Polizei informieren. Rüdiger Koslowski

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