Anne-Frank-Schule

Zertifikat für den engagierten Einsatz gegen Rassismus

Ob Mobbing, Ausgrenzung, Diskriminierung oder Rassismus – all diesen negativen Elementen einer Gesellschaft haben Schüler und Lehrer der Anne-Frank-Schule den Kampf angesagt. Vorgestern erhielt die IGS das Zertifikat „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage.“

Die Schüler der besonderen Arbeitsgruppe „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage“ sind an diesem Montagnachmittag sehr aufgeregt, als sie in der Aula auf den Beginn der offiziellen Verleihung des gleichnamigen Zertifikats warten. Ein Jahr lang haben sie auf den Erhalt der Auszeichnung, die durch die Bildungsstätte Anne-Frank in Frankfurt koordiniert und vergeben wird, hingearbeitet – mit Workshops, Unterschriftenaktionen, Projektwochen und Videos.

Geleitet wurde die Schülergruppe durch die beiden Vertrauenslehrer Harun Akkaya und Sanela Skenderovic. Sie konnten den engagierten Raunheimer Streetworker, Dr. Isack Majura, als Paten für das Projekt gewinnen.

Die Würde des Menschen sei unantastbar, zitiert Majura den ersten Artikel des Grundgesetzes. Leider sehe die Realität aber ganz anders aus. „Vorurteile sind nach wie vor weit verbreitet. Es herrscht eine Ungleichwertigkeit, die sich in Frauenfeindlichkeit, Diskriminierung und Rassismus äußert“, stellt der Streetworker fest.

Er habe keine Sekunde gezögert, als die Schüler ihn baten, Pate ihres Projekts zum Erhalt des Zertifikats zu werden, erzählt der Mitarbeiter des Fachbereichs Soziales und Kultur der Stadt Raunheim. „Mit dem Zertifikat wird die Schule Teil eines bundesweiten Netzwerks, das geschlossen versucht, die Ungleichwertigkeiten in unserer Gesellschaft zu bekämpfen“, sagt er.

Gleichzeitig sei die Auszeichnung eine Selbstverpflichtung, die Schüler und Lehrer eingingen. Majura fordert auf: „Wenn Ihr in Eurem Umfeld oder in Eurer Familie bemerkt, dass jemand Vorurteile hat und eine andere Person diskriminiert, sprecht das an. Nur so könnt Ihr aktiv etwas ändern.“

Osman Özdemir von der Bildungsstätte Anne-Frank bemerkt, dass die Zeiten polarisierend seien. „Rechte und rassistische Gewalt nimmt zu. Homosexuelle oder Menschen, die sich mit ihrem biologischen Geschlecht nicht wohlfühlen, werden zunehmend diskriminiert. Die Religionsfreiheit wird durch rechte Strömungen infrage gestellt“, zählt Özdemir auf. Die Schule erhalte heute die Auszeichnung der Bildungsstätte Anne-Frank, weil sie Diskriminierung und Ausgrenzung entgegenwirken wolle. Sie setze ein Zeichen. Auch wenn mit dem Erhalt des Zertifikats Mobbing, Diskriminierung und Rassismus nicht schlagartig vom Schulhof verschwinden werden, zeige das Projekt, dass die Mehrheit der Schulgemeinde dagegen angehen wolle, so Özdemir. Die IGS gehöre nun zu einem Kreis von 80 hessischen Schulen, die das Zertifikat bereits erhalten haben.

Bürgermeister Thomas Jühe betont, wie stolz er darauf sei, dass die Schule die Initiative gestartet habe. Rassismus fange im Kleinen an. Es seien oft festgefahrene Vorurteile, die nicht zuließen, einen Menschen als Individuum kennenzulernen. Er hoffe, dass das Projekt „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage“ bewirke, dass die Menschen in ganz Raunheim damit begännen, über ihre eigenen festgefahrenen Vorurteile nachzudenken.

Unter dem Jubel der anwesenden Schüler nehmen Schulleiterin Petra Boulannouar-Harnischfeger und Schülerin Dilan Arslan das Zertifikat aus den Händen von Osman Özdemir entgegen. „Wir sind mit Schülern und Lehrern aus über 30 Nationen an dieser Schule multikulti, und das ist gut so“, meint die Schulleiterin und fügt hinzu: „Wir fühlen uns dem Namen von Anne Frank verpflichtet und sind sehr stolz über diese Auszeichnung.“

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