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Michael Wolf ist vom Nutzen der Videoüberwachung überzeugt.

Bald ist Schluss

So bekämpft die Polizei künftig die Kriminalität am Rüsselsheimer Bahnhof

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Die zwei Kameras, mit denen die Polizei zurzeit den Bereich vor dem Bahnhof überwacht, stehen vor der Ablösung. Ein fest installiertes Gerät mit mehr Funktionen soll her. Und zwar noch in diesem Monat. Die Frage ist allein, wo es aufgestellt wird.

Rüsselsheim - Hinter den blauen Scheiben sind sie kaum zu erkennen. Doch seit drei Wochen schon zeichnen zwei Kameras der Polizei das Geschehen auf dem Bahnhofsvorplatz auf. Aufgestellt haben die Beamten sie in einem Raum über der im Bahnhofsgebäude untergebrachten Bäckerei.

Damit ist allerdings bald Schluss. Die mobilen Kameras sollen ausgetauscht werden gegen eine feste, sogenannte Dome-Kamera. Das, wie der englische Namensbestandteil andeutet, kuppelförmige Gerät wäre auch schwenkbar und würde über eine Zoomfunktion verfügen. Beide Funktionen fehlen bisher.

Laut Hauptkommissar Michael Wolf (43) von der Polizeidirektion Groß-Gerau in der Rüsselsheimer Eisenstraße kommt die Kuppel-Kamera noch in diesem Monat. Offen sei aber, wo sie installiert wird. Das ursprünglich angedachte Dach des Bahnhofsgebäudes ist nach einem Ortstermin am vergangenen Mittwoch als Standort unwahrscheinlicher geworden. Was Kabel und Co. angeht, herrscht dort Wolf zufolge ein "Wust", so dass er momentan eher nicht davon ausgehe, dass die Installation der Kamera dort möglich ist.

Als Alternative hat Wolf ein gegenüberliegendes Haus im Auge, in dem die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewobau untergebracht ist. Egal wo die Kamera am Ende installiert wird, vom Nutzen der Videoüberwachung ist Wolf überzeugt. "Die polizeiliche Erfahrung hat gelehrt, dass sie geeignet ist, Straftaten zu verhindern und aufzuklären", sagt Wolf. In diesem Zusammenhang verweist er auf ein Beispiel aus Kelsterbach, wo dank Kameras an der Bahnhofsunterführung ein gewerbsmäßiger Fahrraddieb habe festgenommen werden können.

Rüsselsheimer Bahnhof: Kameraüberwachung soll Straftaten verhindern

In Rüsselsheim habe mit Hilfe der Kameras jüngst ein Fall aufgeklärt werden können, bei dem ein Mann behauptete, sein Auto sei am Bahnhof während seiner Abwesenheit beschädigt worden. Die Bilder hätten dann gezeigt, dass sich der Wagen zur fraglichen Zeit gar nicht dort befand. Im vergangenen Jahr sei es am Bahnhof bis zum 15. November zu 53 Straftaten gekommen. Einen Großteil davon machten Diebstähle, Rohheitsdelikte wie Körperverletzung und Drogendelikte aus. Auslöser für die Einführung der Videoüberwachung am Bahnhofsvorplatz war ein eskalierter Streit zweier Familienclans Ende April, der in eine Schießerei mündete.

Kameraüberwachung bei Hessentag 2017 erfolreich

An mehren Stellen im Stadtgebiet war Videoüberwachung bereits während des Hessentags 2017 zum Einsatz bekommen. Gut ein Dutzend Kameras hätten das Treiben beim Landesfest damals aufgezeichnet. Während der großen "Just White"-Party des Radiosenders FFH seien sogar Kollegen mit mobilen Kamera-Rucksäcken unterwegs gewesen. Der Aufwand habe sich damals durchaus gelohnt. Eine Tasche mit einer vermeintlichen Bombe habe sich dank der Videoüberwachung schnell als das versehentlich abgestellte Gepäckstück eines älteren Herren erwiesen.

Weil das "über allem schwebende" Thema Datenschutz aktuell einen Großteil seiner Arbeit ausmache, legt Wolf Wert darauf, dass die jetzige Überwachung zwar dauerhaft geplant ist, die Bilder aber nicht rund um die Uhr ausgewertet werden. Und nach einer Frist von zehn Tagen würden die Aufzeichnungen gelöscht.

VON SVEN WESTBROCK

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