Heute gut ausgeleuchtet, waren die Flure des Bunkers zu Kriegszeiten sehr viel dunkler.
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Heute gut ausgeleuchtet, waren die Flure des Bunkers zu Kriegszeiten sehr viel dunkler.

Bunker in Rüsselsheim

„Colabunker“: Schutz vor Luftangriffen – Film-Kulisse für „Iron Sky“

  • vonDr. Susanne Rapp
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Ein Gang durch den Bunker „Colabunker“ in Rüsselsheim ist eine Reise in die Vergangenheit. 

Rüsselsheim – Einen faszinierenden Ort, der so leicht nicht zugänglich ist, gab es am Samstag bei einer Führung des Stadt- und Industriemuseums zu sehen. Benedikt Hanf und Lisa Sommer, die beiden freien Mitarbeiter des Museums, führten zahlreiche Gäste in einen der Hochbunker auf dem Opel-Gelände. 2015 war der "Colabunker", wie die Opel-Mitarbeiter ihn nannten, für die Öffentlichkeit nicht mehr zugängig. Der seltsame Spitzname entstand, weil dort ein Kühlhaus gebaut und darin Softdrinks aufbewahrt wurden, mit denen die Getränkeautomaten des Werks befüllt wurden. Erst im Mai 2019 wurde der Colabunker für Führungen wieder geöffnet.

Ein knappes halbes Jahr lang sammelten Hanf und Sommer Informationen rund um den Bau mit Hilfe von Quellen des Museums und Zeitzeugenberichten und bereits vorhandenen Konzepten für Führungen. Das Interesse, den Bunker von innen zu besichtigen, war groß. Am 27. Juni und am 29. August wird es weitere Führungen geben, die jedoch schon so gut wie ausgebucht sind.

Keine alten Anlagen von damals, sondern Kulisse: Die Räume des Hochbunkers dienten schon als Filmset. 

Rüsselsheim: Bunker bot 1500 Menschen Schutz bei Angriffen

Keinen Moment lang war die rund anderthalbstündige Führung langweilig. Grund dafür war nicht zuletzt ein beklemmendes Gefühl bei der Vorstellung, dass in dem Bunker bei Angriffen bis zu 1500 Menschen untergebracht waren, wobei nur in den beiden oberen Stockwerken Aufenthaltsräume waren, während im unteren Stockwerk die Verwaltung, ein Lager und Unterlagen untergebracht waren.

Bei einem Bunker gehen die meisten davon aus, dass er unterirdisch ist. Die beiden Hochbunker auf dem Opel-Werksgelände seien als eine Art Statement erbaut worden, erklärte Hanf. Einst als Bollwerk gedacht, dienen die Bauten heute als Mahnmale, und man dürfe froh sein, dass sie nicht mehr gebraucht werden.

Gleich zu Beginn zeigte Hanf eine "Volksgasmaske", mit der Frauen, Männer, Kinder, Hunde und sogar Wellensittiche geschützt werden konnten. In Erinnerung an die Gasangriffe während des Ersten Weltkriegs erwartete man solche auch im Zweiten Weltkrieg. Glücklicherweise wurden sie nie gebraucht. Auch den Splitter einer Luftmine gab es zu sehen. Das Schrapnell ist bis heute scharfkantig, so dass man sich die verheerenden Auswirkungen gut vorstellen konnte. Ausführlich beschrieb Hanf das Angriffskonzept für die Luftangriffe, bei dem es darum ging, die Moral der Bevölkerung niedrig zu halten.

Benedikt Hanf mit einer "Volksgasmaske".

Rüsselsheim: Bunker kurz vor ersten Luftangriffen fertiggestellt

Erst im Juni 1944 wurde der Bunker fertiggestellt. Gerade rechtzeitig, wie sich herausstellte. Denn zwei Wochen später gab es den ersten Luftangriff. Die verwinkelten Gänge des Bunkers, in denen Staub, Rost und viele Wasserpfützen zu finden waren, muteten recht unheimlich an, obwohl sie meist gut ausgeleuchtet waren. 

Einen echten Luxus für damalige Zeiten bot die integrierte Wasserversorgung, mit der Trinkwasserbrunnen und Wassertoiletten gespeist wurden. Auch ein Arztzimmer mit Notoperationstisch und verschiedene Besprechungszimmer gab es während der aktiven Nutzung des Bunkers in Kriegszeiten. Später wurden die Räume des Bunkers von Bands als Proberäume genutzt, und in manchen Räumen lagen noch leere Bierflaschen von ehemaligen Musikergelagen herum. Bei dem Gedanken, die gruselig anmutenden Räumlichkeiten für einen Horrorfilm zu nutzen, kommt man der Wahrheit recht nah. Denn in einem Raum gab es ein Equipment zu sehen, das irgendwie gar nicht passen wollte. Wie ein riesiger Computerraum mit Hebeln, Spulen und Kabeln sah ein verstaubter Raum aus.

Rüsselsheim: Bunker diente als Film-Kulisse für „Iron Sky“

Nach einigem Stirnrunzeln erklärte Hanf, dass hier ein finnisches Filmteam den Bunker als Set für einen Film mit dem Titel "Iron Sky" nutzte. Auch die Türen des Raumes, die wie massive Stahltüren aussahen, bestanden nur aus Pressspan.

Bis zu sieben Meter dick ist die Decke des oberen Stockwerks. Doch durch die offenen Luftluken, mit denen der Bunker mit Frischluft gespeist wurde, konnten die Bunkernutzer die Geräusche von draußen gut hören, schilderte Hanf. Zeitzeugen berichteten, dass sie draußen Menschen hörten, die darum bettelten, hineingelassen zu werden.

Am Ende der Führung berichtete Hanf, dass man den Leuten, wenn sie den Bunker verließen, sagte, sie könnten jetzt nach Hause gehen. Das Zuhause war aber oft durch den Angriff zerstört, so dass sie nicht wussten, wohin.

Was aus dem Bunker werden soll, steht noch nicht fest. Nur so viel: Diesen von Hand abzutragen, würde 25 Jahre dauern, sagte Hanf. 

Von Susanne Rapp

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