In der Johann-Sebastian-Bach-Straße entlang der Bahnlinie sieht es wüst aus, aber es geht noch schlimmer, weiß Beatrice Menges. FOTOS: Privat / Lorenz
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In der Johann-Sebastian-Bach-Straße entlang der Bahnlinie sieht es wüst aus, aber es geht noch schlimmer, weiß Beatrice Menges. 

Aufräum-Aktion 

„Fäkalien in Tüte an Baum“ - Frau kämpft gegen Müll-Problem in Rüsselsheim

Seit sechs Monaten sammelt Beatrice Menges in Rüsselsheim freiwillig Müll auf, der achtlos in die Landschaft geworfen wurde. Es ist ernüchternd. 

Rüsselsheim – Sechs Monate ist es her: Anfang August 2019 hat Beatrice Menges angefangen, auf ihrem Arbeitsweg mit dem Rad - von Rüsselsheim-Bauschheim bis in die Böllenseesiedlung - Müll zu sammeln, den sie unterwegs am Straßenrand findet.

Jetzt zieht sie ein erstes, ernüchterndes Resümee: Auf einer Strecke von nur 1,7 Kilometern hat sie etwa 700 Müllstücke aufgelesen und dokumentiert. Bis vor kurzem habe sie noch die App "Dreckspotz" benutzt, bei der von jedem Fund ein Foto gemacht und der Fundort vermerkt wird. Mittlerweile habe sie das aufgegeben, es sei einfach zu viel. Jetzt benutzt sie nur noch eine einfache Zähl-App, da bleibe mehr Zeit zum Sammeln.

Rüsselsheim: Fäkalien in einer Tüte am Baum

"Ich hatte gehofft, es wird über den Winter weniger. Aber im Gegenteil", ist ihr trauriges Fazit. Wenn sie morgens, noch im Dunkeln, mit der Warnweste auf dem Rad unterwegs ist, schaut sie bei spärlicher Straßenbeleuchtung schon, was sie einsammeln kann - natürlich mit Handschuhen. Den Rest erledigt sie auf dem Rückweg.

Alles mögliche sei dabei gewesen: Fast-Food-Verpackungen, Schnapsflaschen, Zigarettenschachteln, Schwangerschaftstests, Slipeinlagen. "Das Schlimmste waren bisher Fäkalien in einer Tüte, die an einem Baum hing", sagt Menges. Oft finde sie auch Hundekot in den dafür vorgesehenen Tüten. "Das kann ich beim besten Willen nicht verstehen - da kann man doch den Kot einfach gleich liegen lassen", sagt sie entrüstet. Natürlich sei der ganze Müll nicht nur auf ihrem Arbeitsweg ein Problem.

Rüsselsheim: Mehr Eigeninitiative bei Müllentsorgung wünschenswert

Sie wünscht sich mehr Eigeninitiative. Gerade Spaziergänger und Hundehalter könnten einfach eine Tüte mitnehmen und nebenher ein bisschen sammeln. Das Argument, das sie stattdessen oft höre: "Ich mache doch nicht den Dreck von anderen Leuten weg."

Um mehr Menschen zu motivieren, kann sich Beatrice Menges verschiedene Lösungen vorstellen. Einerseits, findet sie, müsste Umweltbildung stärker in den Schulen integriert sein. Auch höhere Geldbußen für Littering (also das achtlose Wegwerfen von Müll) hält sie für sinnvoll. Dass das Personal fehle, auch beim Städteservice, sehe sie ja. Aber "irgendwas muss passieren".

Bei wilden Ablagerungen reagierten die Städteservice-Mitarbeiter vorbildlich, das wolle sie gar nicht bemängeln. Aber bei den kleineren Müllproblemen sei man offensichtlich überfordert. Dazu komme eben auch das unveränderliche Verhalten vieler Menschen. "Die Gleichgültigkeit steigt, leider", so Menges. Vielleicht, überlegt sie, sei positive Bestärkung in Form von einer Prämie sinnvoll. Da müsse sich allerdings die Stadt einschalten.

Klar sei ihre Arbeit auch frustrierend. "Wie Don Quichotte gegen die Windmühlen" fühle sie sich manchmal. Ans Aufhören denkt Beatrice Menges aber nicht. "Ich mache weiter bis zum Schluss", sagt sie vehement. "Wenn ich es nicht machen würde, wäre es ja noch schlimmer." 

Von Stella Lorenz

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