Hunderte Menschen haben sich am Protest beteiligt.

Protest

Friday for Future: Hunderte Schüler streiken fürs Klima

  • schließen

Etwa 400 Menschen haben sich an der ersten Fridays-for-Future-Demonstration in Rüsselsheim beteiligt. Die meisten von ihnen waren Schüler. Mit ihrem Protest wollten sie auf die negativen Folgen des Klimawandels aufmerksam machen.

Rüsselsheim- Zunächst tröpfelt es ein bisschen. Doch bevor die Demonstranten losmarschieren, hat Petrus ein Einsehen. Vielleicht, weil er weiß, wen er da besser nicht im Regen stehen lässt, könnte man meinen. Allerdings richtet sich der Protest ja nicht zuletzt gegen die Erderwärmung. Und etwas Abkühlung wäre angesichts des schwül-warmen Wetters vielleicht gar nicht so schlecht gewesen.

Ungefähr 400 junge Menschen haben sich am Freitagmittag auf dem Bahnhofsvorplatz versammelt, um bei der ersten Fridays-for-Future-Demonstration in Rüsselsheim gemeinsam gen Marktplatz zu ziehen. Fridays for Future - das ist die Bewegung, die die schwedische Schülerin Greta Thunberg im vergangenen Jahr ins Leben gerufen hat und bei der mit freitags während der Schulzeit stattfindenden Demos auf die negativen Folgen des Klimawandels aufmerksam gemacht werden soll. Aufmerksamkeit erregen schon allein die Schilder und Transparente, auf denen die Botschaften klarer kaum sein könnten. "Die Uhr tickt", heißt es da. Und: "Ihr knipst der Welt das Licht aus." Gemeint sind große Energie-Konzerne wie RWE, die auf fossile Brennstoffe setzen. So skandieren die Teilnehmer lautstark: "Es gibt kein Recht auf Kohlebagger-Fahren."

Lehrer "steht voll dahinter"

Organisiert hat die Demo der Stadtschülerrat. Die 18-jährige Merve Baran von der Max-Planck-Schule ist Mitglied des Gremiums. Hauptziel der Veranstaltung sei es, die Menschen über Klimaschutz zu informieren. Dass die Folgen des Klimawandels in der Stadt nicht sichtbar sind, sei vielleicht ein Grund, warum viele Menschen das Thema auf die leichte Schulter nehmen. "Das wollten wir ändern", erzählt sie. Ein weiterer Termin für eine Demo stehe zwar noch nicht fest, doch wolle man künftig monatlich Infoveranstaltungen zu Umwelt-Themen an Schulen organisieren.

Während die Teilnehmer durch die Marktstraße laufen, ziehen sie die neugierigen Blicke der Menschen auf sich, die vor den Gaststätten gerade zu Mittag essen. Wer von ihnen genau hinschaut, dem fällt auf, dass sich längst nicht nur Schüler unter den Demonstranten befinden. Ludger Kleiter ist sogar das Gegenteil. An der Kantschule unterrichtet er Kunst und Latein, ist Klassenlehrer einer neunten Klasse. "Ich stehe voll dahinter", sagt er mit Blick auf den Protest seiner Schüler. Endlich zeige die Jugend, dass sie sich für Politik interessiere. Mangelndes Engagement der Jugend auf diesem Gebiet sei jahrelang bemängelt worden. Was Fehlstunden angeht, die durch die Teilnahme an der Demo entstehen, so handele es sich um eine "Grauzone". Der Schulleiter habe ihm jedenfalls zu verstehen gegeben, dass die Klassenbücher von ihm nicht kontrolliert würden.

Für Bürgermeister Dennis Grieser, der das Geschehen am Marktplatz verfolgt, wo der Demonstrationszug nach einigen Minuten ankommt, hat der Protest ohnehin mehr Gewicht als ein paar unentschuldigte Fehlstunden. Die Schüler müssten "ihre Zukunft so schnell wie möglich in die eigenen Hände nehmen". Auch Grieser verweist darauf, dass es nun endlich die lange geforderte "politische Jugend" gebe. "Jetzt haben wir sie und das ist auch gut so", sagt er.

Ans Mikro treten beim Abschluss am Marktplatz Vertreter der Jugendorganisationen der großen Parteien. Das Anliegen der Fridays-for-Future-Bewegung auf den Punkt bringt dabei Jennifer Winzer von den Jusos: "Wir wollen nicht nur gelobt, sondern ernstgenommen werden."

VON SVEN WESTBROCK

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare