+
Ein neuer Versuch: Den kleinen Topf mit Blümchen auf dem Stein vor den Gräbern haben Monika Turek-Riedel und Günter Riedel gerade abgestellt. Obwohl der Pflanzbereich nicht in den Gehweg hineinragt, wurden bisher platzierte Dekorationen immer wieder entfernt. 

Friedhof in Rüsselsheim

Streitpunkt Urnengrab: Angehörige ärgert es, dassDekoration einfach weggeräumt wird

  • schließen

Streitpunkt Urnengrab-Dekoration: Was unten an den Grabreihen auf dem Boden steht, wird von der Verwaltung entfernt – offenbar auch dann, wenn es gar nicht auf dem Gehweg, sondern nur im Pflanzstreifen steht. Darüber sind einige Angehörige nicht glücklich.

Rüsselsheim. Monika Turek-Riedel ist wütend. Die Rüsselsheimerin und ihr Mann Günter Riedel stehen vor dem Urnengrab von Turek-Riedels Vater und dessen Mutter auf dem Friedhof am Waldweg und zeigt auf den schmalen Pflanzstreifen vor der Gräberwand. „Hier darf bepflanzt werden – das wurde uns zugesprochen“, sagt sie.

Die Stiefmütterchen sind noch da, aber die Vase, die Turek-Riedels Mutter neulich in die Erde gesteckt hat, ist verschwunden. Auch Glassteinchen, die in Herzform auf einen Stein innerhalb der Pflanzung gelegt wurden, seien weggenommen worden. Das sei keine Seltenheit. „Meine Mutter läuft aus der A-Siedlung fast jeden zweiten Tag hierher und kommt jedes Mal heulend heim, wenn etwas fehlt“, sagt Turek-Riedel erbost. Das könne es doch nicht sein.

Lichter und Dekor

Dass vor Urnengräbern keine Gegenstände abgelegt werden dürfen, weil sie den Weg verstellen, kann sie verstehen. Das ist zum Beispiel der Fall ein paar Meter weiter, bei den neueren Urnengrab-Reihen. Dort existiert kein Pflanzstreifen, stattdessen stehen Lichter und Deko auf dem Gehweg.

„Die alten Urnenwände mit dem Pflanzbereich sind noch vom Friedhofsplaner so vorgesehen worden“, erklärt Carsten Rückert, der die Gärtnerei und das Café am Friedhof betreibt. „Manche Leute haben es dort aber auch schon übertrieben – manchmal mit bis zu 1,50 Meter hohen Thujas“, sagt er. So sei es nun bei Frau Turek-Riedel ja nicht.

Nicht erlaubt sind Figuren, Blumen und Lichter auf dem Boden vor den Urnengrabreihen.

Michael Finger, Leiter der Friedhofsverwaltung, erinnert sich: Stadtrat Horst Trapp (CDU) habe damals untersagt, dass auf dem Weg vor den Reihen etwas abgelegt werden darf. „Rollstühle kamen nicht mehr vorbei, es gab massive Beschwerden“, erzählt Finger.

Dass bei den Pflanzstreifen, die deutlich vom Gehweg abgetrennt sind, diese Regelung nicht greifen soll, dafür hat sich Turek-Riedel vor Jahren bereits eingesetzt. Schließlich kümmere sie sich auch um die Pflege des Pflanzstreifens in diesem Bereich. Trapp habe das allerdings im Gespräch abgeblockt.

In der Satzung ist die Räumung übrigens nicht verankert. Derzeit verhält es sich so, dass Kränze und Blumenschmuck bei einer Nischenbeisetzung vier Wochen lang dort bleiben dürfen. Bei Deko, die in nicht verkauften Nischen platziert wird, wurde bisher im Acht-Wochen-Rhythmus geräumt, so Finger. Jetzt habe man das gelockert: Was auf dem Boden steht, wird geräumt, die Nischen dürfen – solange sie leerstehen – genutzt werden. „Nur keine laufenden Kerzen, bitte“, sagt er.

Wer eine solche trotzdem verwendet, wird diskret über ein Kärtchen in der Nische informiert. Überhaupt: „Wenn Sie eine Nische erwerben, denken Sie daran, dass es eine pflegefreie Grabstätte ist“, sagt Michael Finger. An die Grabplatte angeschraubte Blumenvasen und Kerzenhalter seien selbstverständlich akzeptiert.

Die Räumung erfolgt in der Regel durch den Städteservice. Mit deren Leistung zeigen sich allerdings nicht alle zufrieden: „Die Wege waren im Winter nicht sauber oder frei“, bemängelt Monika Turek-Riedel. „Für die Wegpflege bleibt keine Zeit, aber um Gedenkgegenstände, die niemanden stören, wegzuräumen, schon“, sagt sie. Auch Michael Finger findet: „Bei der letzten Räumung hätte ich mir mehr Feingefühl vom Städteservice gewünscht, daher hängt jetzt auch ein Hinweis in den Infokästen“, sagt er.

„Die Nase voll“

Eine Stellungnahme vom Städteservice gibt es auf Nachfrage nicht, verantwortlich sei die Friedhofsverwaltung. „Wir führen nur durch“, so ein Mitarbeiter des Städteservice. Offiziell, das sagt Michael Finger, sei es so: Am Boden dürfe weggeräumt werden, was in Nischen ist, nicht. „Das machen wir gesondert. Das wird alles sichergestellt“, sagt er. Die Gegenstände werden dann zur Abholung aufbewahrt. Für die Mutter von Monika Turek-Riedel ist das keine Option. „Sie geht die Sachen nicht abholen“, sagt Günter Riedel. „Sie hat die Nase voll.“

Lesen Sie auch: 

25-jährige Polizistin totgefahren: Jetzt steht die Strafe fest

Das Bootshaus im Ruder-Klub hat einen neuen Pächter

Messerattacke nach Unfallflucht

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare