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Gähnende Leere: An einem sonst gut besuchten Montagnachmittag ist kein einziger Gast im Eiscafé Dolomiti.

Wegen Beschwerde Rauchverbot

Eiscafé "Dolomiti" droht Schließung - Stammgäste kommen wegen Rauchverbot nicht

Im Eiscafé "Dolomiti" in der Löwenpassage ist das Rauchen seit kurzem verboten. Für Stammgäste wie Betreiber ist das ein schwerer Schlag. Wer sich beschwert hat, weiß keiner so genau.

Rüsselsheim- 15.30 Uhr an einem Montag im Mai, klassische Kaffee-Zeit. Draußen ist es kühl, normalerweise wären viele Tische des Eiscafés "Dolomiti" in der Löwenpassage jetzt besetzt. Stattdessen herrscht gähnende Leere - im Außen- wie im Innenbereich. Drinnen sitzt eine Mitarbeiterin, alleine. "Seit April gilt hier Rauchverbot", erklärt sie seufzend. Auferlegt worden sei es von der Stadt. 80 Prozent der Kundschaft seien weggebrochen, "der Laden ist kaputt", sagt sie resigniert.

Warum genau das Rauchverbot ausgesprochen wurde, weiß sie nicht. "Offenbar hat sich jemand beschwert, weil nebenan in der Koordinierungsstelle für Gemeinwesen zweimal pro Woche eine Kinderbetreuung stattfindet", mutmaßt sie.

Kompromiss möglich?

Mareike Claus vom Kinderschutzbund, welche die Koordinierungsstelle leitet, weiß allerdings von nichts: "Wir wissen gar nicht, wie das zustande gekommen ist", sagt sie ratlos.

Man hätte mit der Eisdiele eigentlich einen guten Kompromiss gefunden, auf die Kinder Rücksicht zu nehmen und in dieser Zeit die Gäste zu bitten, das Rauchen einzuschränken. Bisher betrifft das zwei Tage in der Woche, jeweils für zwei Stunden.

Von der Stadt ist zu erfahren, dass der Magistrat bereits 2017 hatte prüfen lassen, ob in der Löwenpassage das Hessische Nichtraucherschutzgesetz Anwendung findet. Für Gaststätten, die "gewerbsmäßig Getränke und Speisen zum Verzehr an Ort und Stelle" verkaufen, greife Paragraf 1, Absatz 1 Nummer 11 des Gesetzes.

Das Rechtsamt der Stadt habe geprüft, wie die Passage als Gebäude zu bewerten ist. "Danach ist auch ein Rauchverbot in einer Passage möglich, die nach beiden Seiten offen ist. Denn die Belüftungsverhältnisse reichen nicht an die in der Freiluftgastronomie heran, somit können sich die Schadstoffe nicht wie im Freien verflüchtigen", heißt es auf Nachfrage aus dem Rathaus. Ausnahmen gebe es nur bei vollständig abgetrennten Nebenräumen in einer Gaststätte. Das Verbot nur für den Zeitraum der Kinderbetreuung geltend zu machen, sei gesetzlich nicht möglich.

2018 habe schließlich ein Gespräch zwischen Betreiber und Stadt stattgefunden, wobei der Betreiber Ersin Yüksel zugesichert habe, "dass er die bereitgestellten Aschenbecher entfernen und das Rauchen unterbinden werde". Dies sei nicht geschehen, in der Folge seien die Aschenbecher durch das Ordnungsamt entfernt und ein Bußgeld erlassen worden.

Rückhalt für die Eisdiele kommt indes zumindest teilweise aus unerwarteter Richtung: "Wir sind da zwiegespaltener Meinung: Die Eisdiele braucht die Raucher als Gäste, wir haben aber keine Lüftungsmöglichkeiten, nur die Türen in Richtung Passage", erklärt Mareike Claus. Effektiv bringe das Rauchverbot aber gar nichts: Rauchend liefen schließlich viele unkontrolliert durch die Passage. Das kann auch nicht rechtlich unterbunden werden, weil das Nichtraucherschutzgesetz auf Einkaufspassagen in privater Hand keinen Einfluss hat.

"Innenstadt stirbt aus"

Die Eigentümerin des gesamten Objektes, die Volksbank Rüsselsheim, ist auf der Seite der Eisdiele. Sie hätten das Rauchen dort grundsätzlich erlaubt, sagt ein Sprecher der Volksbank. Aber bei Berufung auf das Gaststättengesetz sei man als Eigentümer außen vor, da sei der Betreiber in der Verantwortung. Man habe Yüksel angeboten, sich baulich zu beteiligen, beispielsweise in Form einer Glaswand. Oben sei schließlich ein Abzug. Bisher sei der Mieter allerdings nicht darauf zurückgekommen. "Schade", findet das der Sprecher. "So stirbt die Innenstadt weiter aus."

Das finden auch die Stammgäste: "Da ist nichts mehr los. Wir treffen uns eigentlich dort regelmäßig", sagt ein älterer Herr. Er selbst rauche nicht mehr, hält das Verbot aber dennoch für "Schwachsinn". Eine Dame stimmt ihm zu. "Uns tut das vor allem leid für die Besitzer", sagt sie. Dass die Traditionseisdiele so komplett verschwinden könnte, sei schlimm.

von Stella Lorenz

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