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Erzieher im Kindergarten

Verhandlungen

Bürokratie stoppt Tarifsprung für Erzieher

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Erzieherinnen bekommen mehr Geld. Eine höhere Eingruppierung im Tarif ist, wie der Arbeitgeberverband nun bestätigt hat, zwar nicht möglich. Dafür gibt es 100 Euro Zulage pro Monat.

Rüsselsheim - Wenn es darum geht, wie viel Wertschätzung einem Beruf entgegengebracht wird, spielt Geld eine zentrale Rolle. Um die Stadt als Arbeitgeber für Erzieherinnen attraktiver zu machen, will der Magistrat beim Gehalt ansetzen.

Droht ein Ausschluss aus dem Kommunalen Arbeitgeberverband?

Aus dem Plan, das Kita-Personal in eine höhere Tarifgruppe einzugliedern, wird aber nichts, wie Bürgermeister Dennis Grieser (Grüne) am Dienstagabend in der Sitzung des Sozial-, Integrations- und Jugendausschusses erläutert hat. Denn der Sprung von der aktuellen Stufe S 8b zu S 10 ist im Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst nicht vorgesehen.

„Es ist nicht definiert, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit wir S 10 zahlen könnten“, äußert sich Grieser. Ein „kommunaler Sonderweg“ Rüsselsheims sei tarifwidrig, so heißt es in der Kenntnisnahme für den Ausschuss. Grieser befürchtet daher, dass Rüsselsheim mit der höheren Eingruppierung für die Erzieherinnen der Ausschluss aus dem Kommunalen Arbeitgeberverband Hessen droht. Dann müsste die Stadt eigene Haustarife erstellen – und zwar nicht nur für die Erzieherinnen, sondern für alle Mitarbeiter. „Das würde uns überfordern“, räumt Grieser ein.

Ein Sonderweg Rüsselsheims würde sich auswirken auf die Region

Die Befürchtung des Bürgermeisters bezüglich eines möglichen Ausschlusses aus dem Arbeitgeberverband ist indes begründet – trotz der Zweifel daran, welche die Gewerkschaft Verdi jüngst formuliert hat.

Denn Tariftreue ist Grundvoraussetzung für die Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband, wie Geschäftsführer Burkhard Albers im Gespräch mit dieser Zeitung deutlich macht. „Das gilt in beide Richtungen, nach unten und oben“, betont er. Das Rüsselsheimer Vorhaben wäre ihm zufolge daher tatsächlich nicht mit den Tarifbestimmungen vereinbar. Sein Verband müsse bei diesem Thema klar agieren. 

Ein Sonderweg Rüsselsheims, so ist der Geschäftsführer überzeugt, hätte Auswirkungen aufs gesamte Rhein-Main-Gebiet. Eine Einstufung in S 10 könne es nur geben, wenn die Tarifparteien Merkmale für die Eingruppierung von Erzieherinnen in S 10 hinterlegen. Momentan fehlten diese.

Für Rüsselsheim gibt es eine Lösung

Tarifpartner ist laut Albers neben der Gewerkschaftsseite die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände. Von der Rüsselsheimer Stadtverwaltung sei man gebeten worden, dort auf das Problem aufmerksam zu machen. Dem werde man zwar nachkommen, allerdings befürworte man die Eingruppierung in S 10 nicht. Dahinter steckt wohl die Angst, dass ein solcher Vorstoß das Tarifgefüge ins Wanken bringen könnte. 

Gleichwohl gibt es in Rüsselsheim eine Lösung: Statt der Höhergruppierung bekommen hiesige Erzieherinnen nun eine Zulage von monatlich 100 Euro pro Vollzeitstelle. Viele haben am Ende sogar mehr Geld zur Verfügung als bei einem Tarifsprung. Anders als dieser könnte die Zulage jedoch jederzeit widerrufen werden.

390 000 Euro jährlich

Der städtische Haushalt wird so laut Grieser mit 390 000 Euro jährlich belastet. „Rüsselsheim befindet sich zwar in einer schlechten finanziellen Lage. Doch das sind uns die Erzieherinnen wert“, kommentiert Grünen-Fraktionschefin Maria Schmitz die Zulage, welche die Stadtverordneten von Anfang an als Plan B vorgesehen hatten, sollte der Tarifsprung scheitern.

CDU-Chef Thorsten Weber erinnert daran, dass seine Partei damit gerechnet habe, „dass es mit S 10 schwierig wird“. Sollten die Tarifparteien dies in Zukunft dennoch möglich machen, warnt Weber vor einer „Lawine“, die dies nach sich ziehen könnte. Jede Krankenschwester im GPR-Klinikum habe ebenfalls das Recht, 100 Euro mehr pro Monat zu verlangen, gibt er zu bedenken.

Wie die Stadt Bad Vilbel zukünftig Erzieher anlocken will, können Sie hier nachlesen.

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