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Udo Biebel sitzt neben seinem Süßwarenstand auf dem Mainfest: Aus seiner Enttäuschung über die Stadt macht er keinen Hehl.

Mainfest

Schausteller will nicht hinnehmen, dass sein Karussell nicht mehr berücksichtigt wurde

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Das Mainfest läuft, viele Besucher haben Spaß an den Fahrgeschäften und Ständen. Doch hinter den Kulissen brodelt es. Ein langjähriger Standbetreiber, die Rüsselsheimer Familie Biebel, fühlt sich von der Stadt unsanft ausgebootet.

Rüsselsheim - Es ist der Biebel vom Karussell - so sagt man seit jeher über die alteingesessene Schaustellerfamilie aus Rüsselsheim. Ausgerechnet aber jenes Kinderkarussell, mit dem schon der Großvater einst auf Festen in seiner Heimatstadt vertreten war, ist nun weg. Wo sonst der Biebel stand, ist jetzt ein anderer Anbieter eines Kinderkarussells zu finden: "World of Fantasy". Die Stadt hat es in diesem Jahr zum ersten Mal so gewollt.

Sehr zum Ärger allerdings von Udo Biebel, der die Geschäfte mittlerweile in dritter Generation führt. Das gleich aus zweierlei Gründen. Er ist sauer auf die Verantwortlichen, weil er die Motive über die Entscheidung nicht nachvollziehen kann. Und er ist enttäuscht über die Art und Weise, wie sie dem Traditionsbetrieb in diesem Jahr plötzlich nicht mehr der Zuschlag erteilt haben.

Mainfest: "Das ist der Dank"

"Das ist der Dank für die jahrelange Zusammenarbeit", sagt Udo Biebel und schüttelt den Kopf. Selbst in schwierigen Zeiten, als das Mainfest nicht mehr rund lief, habe man weitergemacht und sich eingesetzt.

Zuletzt im Jahr 2017, als das Fest auf dem Mainvorland ohne Marktmeister ganz auszufallen drohte. Da lag die Organisation in Händen der Familie Biebel. "Dafür waren wir gut. Die Früchte sahnen jetzt aber andere ab", so der 56-Jährige.

Die Entscheidung über die Stände obliegt den Stadtoberen, auf Vorschlag des Marktmeisters. Seit Anfang des Jahres ist das Alexander Fistric, der zuvor den Mainzer Künstlermarkt organisierte, und für das Mainfest viele Veränderungen durchgesetzt hat. Neue Fahrgeschäfte, mehr kulinarische Angebote, attraktiv für Gäste auch von außerhalb, so das Credo. Sichtbarste Veränderung ist das Riesenrad, das erstmals Einzug hielt.

Aber auch die Wohnwagen und die Autos der Schausteller sind verschwunden. "Allein schon aus optischen Gründen", sagt Fistric dazu. Und: "Im Vorfeld des Mainfests gab es mehrere Bewerbungen für die Zulassung eines Kinderkarussells. Aus Platzgründen konnte nur ein Bewerber zugelassen werden", heißt es von der Stadt auf Anfrage.

Gegen Veränderungen hat Biebel nichts, wie er sagt. Jedoch nur, wenn sie Sinn machen würden. Auch gegen gesunden Wettbewerb nicht. Dem stelle er sich schließlich das ganze Jahr. Biebel ist mit seinen Schaustellerangeboten auf nahezu allen großen Festen im Rhein-Main-Gebiet unterwegs, aber auch an anderen Orten in Deutschland. "Neue Besen kehren gut", sagt der Rüsselsheimer Geschäftsmann. Aber auch ein Herr Fistric könne das Rad nicht neu erfinden. "Wir sind nicht Mainz, das Wiesbadener Wilhelmstraßenfest, das Heinerfest oder der Hochheimer Markt."

Er wollte keine Sonderbehandlung

Er wolle auch keine Sonderbehandlung, aber er wolle wissen, "woran er ist", sagt Biebel, Und er will Planungssicherheit. Die Stadt erteilte Zu- und Absagen seit diesem Jahr einen Monat vor Beginn des Mainfestes.

Das ist zu kurzfristig, findet Biebel. Die Zeit reiche dann nicht mehr aus, um eine Alternative zu finden. Auch nicht, um gegen die Entscheidung vorzugehen. So geschehen vor einigen Wochen. Als Biebel die Absage für das Kinderkarussell erhielt, ging er dagegen beim Verwaltungsgericht vor. Dort entschied man, dass die Stadt in allen Punkten korrekt gehandelt habe. Allerdings war dies nur in einem Eilverfahren möglich. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. "Die Richter haben sich in der Kürze der Zeit mit der Sache gar nicht richtig auseinander setzen können", so Biebel, der - wie alle anderen Standinhaber- in diesem Jahr eine saftige Gebührenerhöhung für seine Geschäfte hinnehmen musste. Biebel betreibt auf dem Mainfest auch den Autoscooter und ein Süßwarengeschäft. Seine Kinder Tina und Christopher sowie der Schwiegersohn sind ebenso mit Imbisswagen oder Schießstand auf dem Mainfest vertreten, firmieren jedoch unter eigenem Namen, betont Biebel, der auch die objektiven Kriterien für die Standvergabe nicht nachvollziehen kann. Diese seien in der Marktsatzung viel zu allgemein formuliert. Er schlägt stattdessen neutrale Personen vor, die die Auswahl vornehmen könnten.

Als die neue Marktsatzung vor Monaten durch die politischen Gremien ging, habe keiner widersprochen, sagt dazu Marktmeister Fistric. Trotzdem habe man doch gegenüber einheimischen Gewerbetreibenden eine Verantwortung, sagt Biebel, der sich um die Zukunft sorgt: Vielleicht sei das Kinderkarussell nur der Anfang, was komme noch? Biebel setzt seine Hoffnung auf ein Gespräch mit dem Oberbürgermeister, das ihm zugesagt wurde. Der müsste mal ein Machtwort sprechen.

Brachte die Diskussion ins Rollen: Das Kinderkarussell von Udo Biebel. Damit begann der Großvater der Rüsselsheimer Familie einst sein Geschäft. Seit Jahren stand es auch auf dem Mainfest. Nun aber nicht mehr. F.: privat

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