2000 von zuletzt 6400 verbliebenen Ingenieuren aus dem Opel-Entwicklungszentrum sollten an das französische Unternehmen Segula übergehen.

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Segula plant Start mit 1000 Mitarbeitern

Große Pläne: Von Rüsselsheim aus soll das Deutschlandgeschäft von Segula aufgebaut werden. Dabei muss das Unternehmen aber erst mal klein anfangen.

Rüsselsheim - Eigentlich hätte man schon viel früher beginnen wollen. Stattdessen verschiebt sich die geplante Übernahme von Opel-Mitarbeitern um rund zwei Monate. Das ist jetzt schon abzusehen. Eigentlich wollte man auch mit 2000 Leuten ins Geschäft der Ingenieursdienstleistungen in Deutschland einsteigen. Jetzt werden es wohl rund 1000 sein, mit denen Segula am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim den Betrieb starten kann.

Von dieser Zahl geht jedenfalls Martin Lange, Deutschland-Chef von Segula, aktuell aus, wie er gestern bei einem Gespräch sagte. Gleichzeitig musste er einräumen, dass bislang erst rund 20 Arbeitsverträge tatsächlich unterschrieben wurden, teils auch auf Management-Ebene. 380 Bewerbungen aus den Reihen der Opel-Beschäftigten lagen laut Segula bis gestern zwar schon auf dem Tisch, waren aber noch nicht unterzeichnet. Offenbar hatten viele Opelaner bis zuletzt mit einer Entscheidung gewartet, auch auf Empfehlung des Betriebsrats hin, abgesehen von jenen rund 1000 Beschäftigten, die bereits das erneut aufgelegte Abfindungsprogramm aus Vorruhestand, Altersteilzeit und Abfindungen wahrgenommen hatten.

Nun ohne Zustimmung

Segula rechnete für gestern noch mit weiteren Vertragsunterzeichnungen, da am Dienstagabend die mit den Arbeitnehmervertretern vereinbarte Phase für freiwillige Übertritte zu Ende ging. Opel will mit Ablauf der zweiten Phase, genaugenommen also von heute an, einen Betriebsübergang organisieren, in dessen Verlauf bestimmte Beschäftigte auch ohne eigene Zustimmung zum neuen Arbeitgeber wechseln müssten.

Das französische Unternehmen, das auf dem Opel-Firmengelände Gebäude beziehen will sowie Prüfeinrichtungen, Anlagen und die Teststrecke in Dudenhofen übernimmt, hat nach eigenen Angaben noch weitere 691 Bewerbungen von externen Arbeitskräften vorliegen. Auch aus diesem Pool könne noch rekrutiert werden.

Dass das familiengeführte, international agierende Unternehmen mit Hauptsitz in Nanterre nahe Paris beim Aufbau des Deutschlandgeschäfts einen langen Atem beweisen will, bekräftige die deutsche Geschäftsführung gestern noch einmal. "Wir wollen entsprechend in naher Zukunft stärker wachsen", sagt Martin Lange.

Nicht zuletzt spreche der am Montag mit der IG Metall in Frankfurt ausgehandelte Haus-Tarifvertrag dafür, dass man es ernst meine. Dieser garantiere, dass die Opelaner zu den gleichen Bedingungen weiterbeschäftigt würden und der Kündigungsschutz weiterhin bis 2023 gelte. Auch werde es einen eigenen Betriebsrat für Segula in Rüsselsheim und die weiteren Standorte in Deutschland geben. Von Rüsselsheim und dem sogenannten "Engineering-Campus" aus will man zudem das gesamte nationale Geschäft steuern. Ein klares Bekenntnis zur Stadt am Main, so Martin Lange: "Klarer geht es ja nicht."

Aufträge von Opel

Nach weiteren drei oder vier Jahren wolle das Unternehmen über rund 2000 bis 2500 Mitarbeiter verfügen, hießt es gestern. Dazu verhelfen sollen auch Aufträge von Opel und dem französischem Mutterkonzern PSA, mit dem Segula in Frankreich bereits viele Jahre zusammenarbeitet.

Rund 90 Prozent der Arbeit der Ingenieure bei Segula werde im ersten Jahr noch von Opel bestimmt sein, so Martin Lange. Auch danach wolle man 30 bis 40 Prozent der Gesamtauslastung in Deutschland durch Opel als Kunde sicherstellen. Bereits Mitte November hatte Opel mit Segula dazu eine "strategische Partnerschaft" abgeschlossen.

Andere Kunden, dabei schielt man vor allem auf den asiatischen Raum, sollen aus dem wichtigen Automotive-Markt hinzukommen. Segula ist neben der Autobranche aber auch in den Bereichen Luftfahrt und Verteidigung, Energie, Schienenverkehr, Marine, Pharmazie und Petrochemie aktiv.

Das stark wachsende Unternehmen mit mehr als 12 000 Mitarbeitern sieht sich profitabel und erwirtschaftet nach eigenen Angaben eine operative Marge von sechs bis acht Prozent (Ebitda). In der Belegschaft war das Geschäftsmodell stark angezweifelt worden, mit dem Segula als Dienstleister für Opel und andere Kunden Auftragsarbeiten erledigen will.

Segula geht davon aus, dass die Übernahme großer Teile des Opel-Entwicklungszentrums noch vor den französischen Sommerferien im August abgeschlossen sein soll.

VON OLAF KERN

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