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In Festivallaune: Teesy kommt im August nach Groß-Gerau. 

Interview mit Teesy

"Ich muss es selbst fühlen" – Rap-Liebhaber seit Teenie-Zeiten

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Mit seinem dritten Studioalbum "Tones" hat der Berliner Musiker Teesy einen Nerv getroffen - im Soulgewand und mit einer ordentlichen Portion persönlicher Erfahrungen. 

Gross-Gerau –  Am Festivalsamstag von "Volk im Schloss" kann sich das Publikum live davon überzeugen. Redakteurin Stella Lorenz hat mit Teesy über musikalische Einflüsse, die Handy-Sucht der jungen Generation und Zukunftspläne gesprochen.

Du bist im Sommer auf vielen Festivals unterwegs, im November startet Teil 2 deiner "Tones"-Tour. Was machst du lieber - Festival oder reguläres Konzert?

Das hat beides geile Seiten. Im Sommer auf Festivals zu sein ist natürlich cool, man kann grillen, abends noch was mit Freunden trinken. Aber Tour ist natürlich auch super.

Wird sich auf der zweiten Tour nach der im letzten Winter etwas am Programm ändern?

Jetzt im Winter habe ich zwei Special Guests dabei: Einmal NKSN, der jetzt als Sänger selbst durchstartet, und Ali H., mit dem ich in diesem Jahr ein Album produziert habe. Die Songs sind so schön geworden, dass wir gesagt haben, wir nehmen sie mit in die Show.

Dein neuestes Album "Tones" ist Ende 2018 erschienen und sehr persönlich - gefühlt ist da alles drin: Vom Abschied von deinem Großvater und der großen Liebe über Stalking bis hin zur Social-Media-Sucht. Was war dir bei der Platte wichtig?

Zurück zu den Wurzeln war mir wichtig. Nach "Wünschdirwas" (2016 erschienenes Studioalbum von Teesy, Anm. der Redaktion), was sehr groß gedacht war und viele musikalische Elemente hatte, wollte ich das komplette Gegenteil machen. Es geht um die Storys um mich herum.

Woher kam der Impuls?

Mitte zwanzig habe ich mich das erste Mal gefragt: Wo kommen wir her, wo gehen wir hin? Nach "Wünschdirwas" hatte ich eine kleine Down-Phase, und als ich da wieder raus war, wusste ich: Es ist nicht das Große, was ich erreichen will, sondern die Dinge, die nah bei mir liegen, die mich erfüllen.

Wie viel gibst du als Musiker von dir preis? Wie viel Toni steckt in Teesy?

In meinen Songs steckt ganz viel von mir selbst. Das geht gar nicht anders. Ich kann nur ein Gefühl in den Leuten auslösen, wenn ich's selbst fühle und erlebt habe.

"Ich gucke ständig auf mein Handy, es macht mich wahnsinnig / Ich chille nicht mehr mit der Family, ich mache Smart Business" heißt es in deinem Song "Likes". Scheint ja, als wüsste unsere Generation ganz genau, dass wir ein Problem haben... oder?

(lacht) Das ist den meisten bewusst, ja. Aber es ist ein wenig wie beim Rauchen. Wenn man raucht, und sich dazu noch dafür geißelt, hat man schon zwei Probleme. Entweder man akzeptiert die Situation, oder man macht sich Sorgen und ändert dann was dran.

Du rappst nicht nur, du spielst Klavier, Mundharmonika, hast talentierte Musiker mit auf der Bühne. Im Publikum stehen viele, die bestimmt auch nur mit dir als Rapper zufrieden wären - ist dir das ein Anliegen, so musikalisch profiliert aufzutreten und eine andere Zielgruppe zu erreichen?

Eigentlich mache ich nur das, was ich gerne sehen würde. Dass das nach außen ein Alleinstellungsmerkmal ist, ist ein schöner Effekt. Ich wollte immer eine Band haben, war immer ein Fan von Live-Musik. Ich wusste, die Tour muss anders klingen als das Album - was ja bei meiner Musik nicht schwer ist, weil sie auf dem Album oft sehr produziert ist. Das live umzusetzen ist noch mal 'ne schöne Sache.

Aus welchen Genres ziehst du deine Inspiration?

Eigentlich aus allen - Musik ist für mich nicht so genreabhängig. Manche Lieder hört man vielleicht besser abends oder bei Regen. Jazz hat mich schon immer sehr begeistert, Swing auch. Ich war dieses Jahr zwei Mal bei einer Tributshow des legendären Rat Packs - das war genial! Wer mich noch über die Jahre begleitet hat, ist John Mayer. Das ist ein Vollblutkünstler.

Wirst du im nächsten Leben dann Jazz-Pianist?

Mach ich noch in diesem Leben! (lacht) Dafür habe ich ja noch viel Zeit.

Wie würdest du deine Musik jemandem beschreiben, der keine Ahnung hat, was auf ihn zukommt?

Am besten einfach anhören. Bei "Volk im Schloss" kann man das ja zum Glück direkt tun. Ich kann das ja nur mit meinen Worten erklären, die lösen bei anderen vielleicht ganz andere Assoziationen aus.

Was für Pläne hast du für die Zukunft?

Ich arbeite schon an Neuem. Gerade renoviere ich aber meinen Studioraum und kratze die Decke ab. Das muss erst mal schön werden. Ich habe dieses Jahr schon ziemlich viel Musik gemacht, auch für andere. Vielleicht bringe ich noch ein Live-Album von der Tour raus. Egal was ist, da kommt immer was nach.

Soul, Rap und R'n'B

Teesy, bürgerlich Toni Mudrack, wird 1990 in Berlin geboren und fängt schon im Teenie-Alter an, zu rappen. 2014 erscheint sein Debüt-Album "Glückrezepte", zwei Jahre später "Wünschdirwas".

Sein drittes Album "Tones" ist seit Ende 2018 erhältlich und vom Künstler komplett selbst produziert worden. Musikalisch bewegt sich Teesy, der unter anderem bereits mit Cro zusammengearbeitet hat, im Bereich Soul, Rap und R'n'B.

Beim "Volk im Schloss" tritt er am Samstag, 24. August, um 22.15 Uhr auf. Weitere Infos gibt es unter www.volk-im-schloss.de

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