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Peter Emig (MItte) und sein Vater Peter Emig (rechts) müssen sich dem Beschluss beugen, so auch Mitarbeiter Joachim Kraft. 

Stadt wird Haltestelle wie geplant umbauen

Keine Ausnahme für die Emigs in Rüsselsheim

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Stadt wird Haltestelle wie geplant umbauen - Mehrheit der Stadtverordneten folgt dem BaustadtratDie Haltebucht vor dem Schreibwarenladen Emig soll versetzt werden. Trotz Protests: Dabei bleibt es.

Rüsselsheim - "Wo liegt das Problem", fragte Baustadtrat Nils Kraft (SPD) in Richtung der Parlamentarier am Donnerstagabend in der Stadtverordnetenversammlung. Im Blick hatte er vor allem Joachim Walczuch. Dieser hatte sich zuvor mit seiner WsR-Fraktion (Wir sind Rüsselsheim) mächtig ins Zeug gelegt. Zwei alternative, sauber ausgearbeitete Varianten hatten sie vorgelegt, um den Umbau der Haltestelle vor dem Schreibwarengeschäft der Familie Emig in der Haßlocher Straße im letzten Moment doch noch anders zu gestalten.

So weit liege man in den Details doch nicht voneinander entfernt, fuhr Baudezernent Kraft fort. Die Haltestelle werde ausgebaut, die Parkplätze blieben erhalten, und das Risiko, dass Busse beim Ausscheren auf die gegenüberliegende Fahrbahn schwenken, werde verhindert. "Wir reden allein davon, dass eine Ladezone nicht mehr exklusiv vor dem Geschäft liegt", sagte Kraft. Lieferanten müssten dann eben einen Weg von maximal 20 Metern in Kauf nehmen, was er für vertretbar hielt.

Am Ende konnte Kraft auch die Mehrheit der anderen Stadtverordneten mit seiner Argumentation überzeugen, so dass es dabei bleibt: Die Stadt wird die Haltebucht für die Busse in der Haßlocher Straße vorverlegen und die Ladezone, die sich derzeit dort befindet - direkt vor dem Ladeneingang der Emigs - nach hinten versetzen (siehe Grafik rechts).

Außerdem wird man den bisherigen Haltestreifen wegnehmen und den Ein- und Ausstieg der Busse behindertengerecht mit einer hohen Bordsteinkante versehen, die direkt an die Haßlocher Straße grenzt.

Sorge vor Verlusten

Gegen das Vorhaben hatten die Inhaber des Traditionsgeschäfts, das einen Großteil seines Umsatzes mit Schulranzen macht, bereits in der Vergangenheit heftig protestiert.

Sie fürchten empfindliche Umsatzeinbußen, wenn die Ladezone, die auch viele Kunden gerne als Halteplatz nutzen, sich nicht mehr direkt vor der Tür befindet. Sogar eine Verschiebung des Baubeginns auf ein Datum nach den Sommerferien hatten sie erwirkt. Der Bauausschuss tagte zuletzt vor dem Laden, um sich sein Bild zu machen.

Brandbrief am Mittwoch

Und auch am Mittwoch vor der jüngsten Stadtverordnetenversammlung schrieben die Emigs noch einmal einen Brandbrief an die Lokalpolitiker: "Ich bitte Sie, die geplante Baumaßnahme in der jetzigen Form abzulehnen", heißt es darin.

Und weiter: Die Breite des Gehwegs sei ausreichend, so dass das "Kasseler Sonderbord" an der jetzigen Kante hochgezogen werden könne und die Ladezone für die Kunden des Kiosk und unsere Lieferanten bestehen bliebe. Alternativ wäre auch der Ausbau der Haltestelle in Form zweier verkürzter Haltestellen möglich, in deren Zwischenbereich Platz für eine Ladezone wäre.

Genau dies hatte die WsR in einem ihrer Vorschläge aufgegriffen, was aber als einen weniger praktikablen Kompromiss von der Mehrheit der Stadtverordneten angesehen wurde und so dem Magistrat den Auftrag gaben, weiter so verfahren wie vorgesehen.

Einige Parlamentarier hatten zuvor in der Debatte Bedenken geäußert, hier und heute sachgerecht überhaupt darüber entscheiden zu können und plädierten für eine Verschiebung der Abstimmung, so etwa die CDU-Fraktion. Eine weitere Verschiebung hätte jedoch zur Folge, dass man die bereits vergebenen Bauaufträge mit den Unternehmen wieder kündigen müsste, was natürlich weitere, nicht unerhebliche Kosten verursachen würde, intervenierte Baustadtrat Kraft.

Emig: Möglichst schnell

"Wir akzeptieren den Beschluss vom Mittwochabend", sagte Geschäftsinhaber Peter Emig gestern im Gespräch mit dem Echo, der sich auch dankbar für die Unterstützung seitens der WsR zeigte. Womöglich wäre das Anliegen der Emigs sonst überhaupt nicht so breit diskutiert worden. Er hoffe jetzt nur, dass die Bauarbeiten ab Ende August möglichst schnell über die Bühne gingen.

von Olaf Kern

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