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Obwohl es ein Anspruch auf einen Kita-Platz gibt, haben einige Eltern in Rüsselsheim eine Absage bekommen. foto: dpa

Interview

Kita-Stadtelternbeirat: "Zu viele Kinder haben keinen Kita-Platz"

In Rüsselsheim fehlt es an Betreuungsplätzen in den Kindertagesstätten. Corinna Arndt fürchtet, das Problem könnte sich noch verschärfen. 

Seit rund sechs Jahren haben Kinder ab dem ersten Lebensjahr Anspruch auf einen Kita-Platz. Doch die Zahl der Betreuungsplätze reicht immer noch nicht. Auch in Rüsselsheim. Das Problem wird sich noch weiter verschärfen, weil immer mehr Familien hierherziehen. Der Kita-Stadtelternbeirat fordert Einigkeit in der Politik bei diesem Thema, wie die Vorsitzende, Corinna Arndt, im Interview sagt.

Frau Arndt, auf der jüngsten Sitzung des Stadtelternbeirats beherrschte vor allem ein Thema die Anwesenden: Der Ausbau von Kita-Plätzen. Was fordern Sie?

Unsere letzte Kita Stadtelternbeiratssitzung hatte vier Schwerpunktthemen: Qualität, Fachpersonal, Kita-Plätze und der eigene Beitrag dazu. Alle Themen sind ausnahmslos miteinander verbunden und dennoch haben wir festgestellt, dass das Thema Kita-Plätze den größten Schwerpunkt erhielt. Wir fordern die Fortsetzung des kontinuierlichen Kita-Ausbaus. Zu viele Kinder haben keinen Kita-Platz!

Immer wieder hatten Sie in der Vergangenheit auch auf die Situation aufmerksam gemacht, was ist seitdem passiert, fühlen Sie sich von der Politik ausreichend gehört?

Ich glaube das Thema beherrschte schon viele Kita-Stadtelternbeiräte vor mir. Vergleichsweise sind wir aktuell dahingehend in einer guten Situation, da in diesem Bereich in den letzten Jahren viel geschehen ist, wofür wir sehr dankbar sind. Daher ist mein Eindruck schon, dass die Politik den Kita-Stadtelternbeirat hört und schätzt. Dennoch gibt es immer mal wieder Situationen, wo wir uns nicht sicher sind, ob alle verstanden haben, worum es geht. Daher wünschen wir uns ein einheitliches Bild aus der Politik und sind gerne bereit, hier zur Seite zu stehen.

Corinna Arndt, Vorsitzende Kita-Stadtelternbeirat

Neue Kitas sind aber in Rüsselsheim doch geplant: In der Georg-Jung-Straße und in der Hans-Sachs-Straße zum Beispiel. Im neuen Haushalt stellt die Stadt 3,1 Millionen Euro für den Neubau und die Erweiterung von Kitas ein...

Die Diskussion und das Abstimmungsergebnis in der letzten Stadtverordnetenversammlung hat gezeigt, dass es wichtig ist, dass wir unsere Forderung nach weiteren Kita-Plätzen immer wieder einbringen müssen.

Viele Kinder hätten zuletzt keinen Kita-Platz in Rüsselsheim bekommen, obwohl sie einen Anspruch haben. Um wie viele handelt es sich?

Aktuell warten wir auf die Bedarfszahlen der Verwaltung, welche traditionell im April/Mai zu erwarten sind. Aufgrund der Tendenz des letzten Jahres, denke ich, dass die Versorgungsquote nicht steigt. 100 Prozent Versorgungsquote wurde von den Stadtverordneten beschlossen, so dass diese zu erreichen ist. Im Zusammenhang mit den steigenden Kinderzahlen gehen wir davon aus, dass es mehr Kinder sein werden, die keinen Kita-Platz bekommen werden. Genaue Zahlen kann auch ich aber erst nach der Veröffentlichung der Zahlen sagen.

Was raten Sie Eltern, wenn Sie keinen Kita-Platz für ihr Kind bekommen? Wohin können Sie sich wenden?

Viele Eltern wenden sich hilfesuchend über unterschiedlichsten Kommunikationswege an mich. Das zu bewältigen ist im Ehrenamt nicht zu schaffen. Zunächst rate ich immer, in die Kommunikation mit dem Fachbereich Bildung und Betreuung zu gehen. Es sind immer sehr individuelle Geschichten und Bedarfe, die dahinterstehen. Klar ist jedoch, dass die Eltern, deren Kinder keinen Kita-Platz bekommen, sich in einem Ausnahmezustand befinden. Sie haben Angst. Angst, ihren beruflichen Verpflichtungen nicht nachkommen zu können, vor allem aber Angst davor, dass ihren Kindern die so wichtige frühe Förderung vorenthalten wird und sie so nicht die gleichen Chancen haben, wie andere Kinder mit einem Kita-Platz.

Raten Sie notfalls auch, einen Kita-Platz einzuklagen? Wie hoch sind da die Hürden und hat das wirklich Aussicht auf Erfolg?

Der Rechtsweg steht allen Eltern offen, die keinen Kita- Platz bekommen. Das muss jede Familie für sich entscheiden, da immer der Einzelfall genau betrachtet werden muss. Neue Kita-Plätze entstehen dabei jedoch nicht.

Wenn Sie Rüsselsheim mit anderen Kommunen in Sachen Kinderbetreuung in Kitas vergleichen, wie fällt da Ihr Fazit derzeit aus?

Oh, eine sehr gute Frage. Innerhalb meiner ehrenamtlichen Arbeit auf landesweiter Ebene habe ich viele Eltern anderer Kommunen kennengelernt und damit auch die Rahmenbedingungen ihrer Wohnorte. Mir fällt vor allem dabei auf, dass die Qualitätsstandards gut in Rüsselsheim sind, aber das ist auch richtig und wichtig so. In den ersten Lebensjahren werden wichtige Grundlagen für die Entwicklung von Kindern und ihren Bildungserfolgen geschaffen. Daher ist eine ausreichende Anzahl an Betreuungsplätzen genauso wichtig, wie die Qualität in Kitas, Krippen und Tagespflegestellen. Wir fördern und fordern diese Qualitätsstandards in der frühen Bildung, damit ALLE Kinder in Rüsselsheim die gleichen Chancen haben und ihre Potenziale voll ausschöpfen können. 

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