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Mehr braun als grün: Die Mainwiesen am Tag nach dem diesjährigen Festival.

Politik

"Love Family Park": Findet er bald nicht mehr in Rüsselsheim statt?

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Die Belastung für die Natur sei zu groß: Die Linken-Politiker in der Stadt wollen das Techno-Festival "Love Family Park" künftig nicht mehr auf den Mainwiesen über die Bühne gehen lassen. Viel Gehör finden sie bislang allerdings nicht.

Rüsselsheim - Bereits unmittelbar nach dem Festival Ende Juli war deutliche Kritik am Standort zu hören. Diese hat die Fraktion "Linke/Liste Solidarität" jetzt in einem Antrag für die Stadtverordnetenversammlung bekräftigt. Er sieht vor, dass die Musikveranstaltung "Love Family Park" künftig nicht auf den Mainwiesen stattfinden soll. Der Magistrat wird statt dessen aufgefordert, den Veranstaltern dabei zu helfen, einen Alternativ-Standort zu finden. In der Stadt böten sich etwa das Gelände der ehemaligen Hessentagsarena oder der Hessentagsausstellung an.

"Love Family Park": Klimanotstand als Grund

Zur Begründung verweisen die Linken darauf, dass die Stadt kürzlich den "Klimanotstand" ausgerufen hat. Alle politischen Entscheidungen müssten auf ihre Auswirkungen auf das Klima überprüft werden. Wiesen, so die Linken, seien "Kaltlufträume". Allein daher hätten die Mainwiesen in ihrem Umfeld eine wichtige Funktion. Durch den "Love Family Park" mit seinen rund 20 000 Besuchern seien die Mainwiesen in den vergangenen beiden Jahren "nachhaltig geschädigt" worden.

Die Wiesen befänden sich in Schutzzone eins des Landschaftsschutzgebietes "Hessische Mainauen". Dessen Zweck sei unter anderem die Erhaltung der für den Landschaftsraum typischen Auenlandschaft mit ihrer Wiesen- und Ufervegetation.

Der "Love Family Park" sei viele Jahre im gleichen Landschaftsschutzgebiet in Hanau über die Bühne gegangen. Dort habe das hessische Umweltministerium das Festival im November 2013 aber untersagt. Die fachliche Einschätzung des Regierungspräsidiums Darmstadt, nach der bei einer Veranstaltung mit 20 000 Besuchern und den erforderlichen Einrichtungen Bodenverdichtungen, Vegetationsschäden und in das Erdreich getretener Müll auftreten, sei vom Ministerium geteilt worden. Das nach dem Festival im vergangenen Jahr gesäte Gras sei bei der diesjährigen Auflage wieder zertreten worden, ohne der Fläche Zeit zur Regeneration zu geben. "Mit jeder weiteren Veranstaltung dieses Formats an diesem Ort würden die Mainwiesen weiter in unverantwortlicher Weise geschädigt", warnen die Linken.

"Love Family Park": CDU und FDP dagegen

Bei der politischen Konkurrenz stoßen sie damit jedoch auf taube Ohren. "Da fehlt mir persönlich jetzt jedes Verständnis. Es bleibt zu hoffen, dass eine Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung diesem destruktiven Vorgehen nicht folgen wird", äußert sich etwa CDU-Stadtverbandschef Thorsten Weber in einem Beitrag auf der Internetplattform Facebook.

Auch bei Abdullah Sert (FDP) stößt das Ansinnen auf Ablehnung. "Die Linken in Rüsselsheim wollen das Festival nicht mehr haben. Sehr ärgerlich", kommentiert er auf Facebook.

So ist fraglich, ob der Antrag tatsächlich Aussicht auf Erfolg hat. Denn Christian Vogt vom Grünen-Bündnispartner machte bereits als die Linken ihre Kritik nach dem Festival erstmals äußerten deutlich: "Wir werden auch im kommenden Jahr wieder mittanzen."

von Sven Westbrock

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