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Tim Heinen hat den Polizeiberuf "von der Pike auf" gelernt. Sein neues Büro hat er bereits in der Polizeidirektion in Rüsselsheim bezogen.

Landkreis Groß-Gerau

Neuer Polizeidirektor - Präsident Lammel appelliert an die Kommunen

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Die Aufklärungsquoten sind gut, doch das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger spiegelt das nicht immer wider. Der neue Polizeidirektor Tim Heinen will daran arbeiten. Und dann waren da ja noch die Schüsse in der Rüsselsheimer Innenstadt.

Rüsselsheim - Die Lage für alle im Blick behalten, das war seine Aufgabe bis 2015 bei der Hessischen Landesregierung, und zuletzt als Leiter der Verkehrsdirektion beim Polizeipräsidium Frankfurt. An seinem neuen Arbeitsplatz war er sofort gefragt, als wenige Wochen nach Amtsantritt in Rüsselsheim Schüsse fielen. Tim Heinen hatte bis dahin nicht viel Zeit, um sich mit seiner neuen Wirkungsstätte vertraut zu machen. Doch die Kriminalität richtet sich nun mal nicht nach persönlichen Zeitplänen.

Gestern wurde der 53-Jährige nun auch offiziell in sein Amt als Polizeidirektor für den Landkreis Groß-Gerau eingeführt. Er tritt die Nachfolge von Jörg Winter an, der zur Hessischen Bereitschaftspolizei wechselte. Kommissarisch lag das Amt über die Sicherheit für rund 270 000 Menschen fast ein ganzes Jahr in den Händen von Eun-Ok Kim.

So gut wie noch nie

Begonnen hat Heinen seine Polizeilaufbahn 1990 in Kassel. Seinen Beruf hat er "von der Pike auf" gelernt, wie er sagt. Mittlerweile verfügt er aber auch über reichlich Erfahrung mit Großwetterlagen, wie der Absage des Radrennens am 1. Mai nach dem Terrorverdacht 2015. Der Start in seinen neuen Job sei dennoch sehr fordernd gewesen, gestand der 53-jährige Vater von zwei Söhnen gestern vor geladenen Gästen im Groß-Gerauer Landratsamt. Er wolle ein Polizeidirektor zum Anfassen sein. Man sei auf einem "guten Weg", dass auch das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger besser werde, beteuerte er.

Das gehöre schließlich zu seinen "wichtigsten Aufgaben", gab ihm Polizeipräsident Bernhard Lammel mit auf den Weg. Die Sicherheit im Kreis sei so hoch wie nie. Das belege die Kriminalitätsstatistik. Dennoch sei der Eindruck der Menschen ein anderer. Dass die Menschen sich auch wieder sicher fühlten,sei derzeit eine der größten Herausforderungen für die Polizei.

Apropos Rüsselsheim

Auch in Richtung der Vertreter aus den Kreiskommunen mahnte Lammel: "Nehmen sie dieses Sicherheitsgefühl der Menschen ernst." Es gebe hier Nachholbedarf. Die nicht-polizeiliche Gefahrenabwehr gehöre schließlich zu den originären Aufgaben der Kommunen. Erst zwei gehörten beispielsweise dem Präventionsprogramm "Kompass" der Landesregierung an, darunter Rüsselsheim. Apropos. Mehrfach wurde an diesem Vormittag der Schusswaffengebrauch in Rüsselsheim Ende April angesprochen. Die Stadt auf diesen Fall zu reduzieren wäre genauso falsch, wie ihn nicht ernst zu nehmen, sagte etwa Bernhard Lammel. Die Videoüberwachung sei kein Allheilmittel, gleichzeitig gerate sie nach solch einem Ereignis sofort wieder in den politischen Streit, bemängelte er.

Dem Vernehmen nach will man aber bei den zuständigen Behörden jetzt auch nicht in "Aktionismus" verfallen. Das zumindest soll aus einer ersten Gesprächsrunde - auch hervorgerufen nach den Ereignissen im April - mit Vertretern der Stadt Rüsselsheim, aus Sicherheitsbehörden und anderen Institutionen am Dienstagabend im Rüsselsheimer Polizeipräsidium hervorgegangen sein. Wie zu hören ist, sollen die Treffen fortgesetzt werden. Man wolle sich vernetzen, sagte dazu Tim Heinen gestern. Und fügte hinzu: "Natürlich ist es auch ein Thema, die Videoüberwachung in Rüsselsheim dauerhaft einzusetzen." Bislang war diese als polizeiliche Maßnahme nach dem Schusswechsel in der Innenstadt vorläufig vorgesehen.

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