Personalabbau stockt

2100 Arbeitsplätze sollen wegfallen: Opel droht Belegschaft mit Kündigungen

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Weil nicht jeder freiwillig gehen will, könnten zahlreiche Mitarbeiter von Opel bald entlassen werden. Der Autohersteller schließt betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr aus.

  • Der Autohersteller Opel plant, 2100 Stellen abzubauen - viele in Rüsselsheim.
  • Da viele Mitarbeiter nicht freiwillig gehen wollen, könnte es bald zu Kündigungen kommen.
  • Opel verteidigt sich - man müsse „die Zukunft des Unternehmens sichern“.

Rüsselsheim - Bei Opel herrscht Unruhe. Bis Ende nächsten Jahres will der Konzern 2100 Arbeitsplätze abbauen. Vor allem der Standort Rüsselsheim ist von Maßnahmen betroffen. Ohne Widerstand will den Autohersteller aber nicht jeder verlassen. Die sozial verträglichen, beziehungsweise freiwilligen Alters- und Abfindungsprogramme wurde von nur 500 Angestellten angenommen. Die Situation zwischen Management und Belegschaft ist angespannt – jetzt droht Opel mit Kündigungen.

Autohersteller Opel schließt betriebsbedingte Kündigungen der Mitarbeiter nun nicht mehr aus.

Rüsselsheim: Opel droht Mitarbeitern mit betriebsbedingten Kündigungen

Sollten die Mitarbeiter sich weigern, das Unternehmen zu verlassen, schließt Opel-Personalchef Ralph Wangemann betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr aus. Die Tageszeitungen der VRM-Mediengruppe berichteten über eine entsprechende Botschaft von Opel an die Mitarbeiter.

„Die Situation wird bis Ende November bewertet“, teilte ein Sprecher von Opel mit. „Darauf basierend würde auch die Umsetzung betriebsbedingter Kündigungen geprüft.“ Von der erforderlichen Zahl an abtretenden Mitarbeitern sei man weit entfernt. „Wenn wir dieses Ziel nicht durch freiwillige Maßnahmen erreichen sollten, werden wir eine Überprüfung des Zukunftstarifvertrags vornehmen, insbesondere der Verpflichtung zur Beschäftigungssicherung“, erklärte der Sprecher. Die Beschäftigungssicherung ist im Tarifvertrag der IG Metall festgelegt und dient als Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen. Bei den Arbeiterführern herrsche Entsetzen, berichtet das „Handelsblatt". Ein einseitiger Bruch des Zukunftstarifsvertrags, der bis 2025 läuft, sei eine beispiellose Beleidigung für die Betriebsräte und Vertrauensleute der IG Metall.

Opel in Rüsselsheim: Unverständnis über mögliche Kündigungen bei Gewerkschaft und Betriebsrat

„Tarifverträge sind für schwierige Situationen gemacht und können nicht nach Belieben in Frage gestellt werden“, erklärte der Bezirkschef der IG Metall Jörg Köhlinger am Donnerstag (17.09.2020). „Wer das tut, spielt mit dem Feuer“. Der Betriebsrat verwahrte sich in einem Flugblatt an die Mitarbeiter gegen den Eindruck, dass das Vorgehen mit ihm abgestimmt sei. Die Beschäftigten hätten bis Ende des kommenden Jahres Zeit für ihre Entscheidung und es müsste zudem nicht zwingend die Maximalzahl von 2100 Stellen abgebaut werden. Stattdessen solle Opel attraktive Erweiterungen in dem Abfindungsprogramm anbieten.

Opel bittet hingegen um Verständnis. „Der Druck steigt aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Lage, ausgelöst durch die größte Gesundheits- und Wirtschaftskrise seit rund 100 Jahren“, zitiert das „Handelsblatt" Personalchef Wangemann. Durch die Corona-Krise soll der Absatz in Europa im Vergleich zum Vorjahr um 55 Prozent eingebrochen sein. Mit einem rigiden Sparplan habe man noch einen minimalen Gewinn im ersten Halbjahr erzielen können.

Kündigungen in Rüsselsheim möglich: Zukunft von Opel müsse „nachhaltig gesichert“ werden

Dass dennoch Stellen abgebaut werden sollen, stößt auf Unverständnis. Kündigungen seien aus Sicht des Managements zwar das allerletzte Mittel, aber nicht ausgeschlossen. „Es ist die Verantwortung der Geschäftsleitung, Entscheidungen zu treffen, die die Zukunft unseres Unternehmens nachhaltig sichern“, so der Opel-Sprecher. (lrg/dpa)

Rubriklistenbild: © Andreas Arnold/dpa

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