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Ein Grund für das Defizit des Städteservice: Der Preis für Altpapier und Kartonagen ist stark gesunken. Foto: Rüdiger Koslowski

Entsorgung

500 Tonnen mehr Müll wegen Corona

Der Städteservice führt das auf mehr Menschen in Kurzarbeit zurück: Es fällt mehr Hausmüll an. Und noch eine Bilanz: Die Erlöse für Altpapier und Kartonagen sind fast vollständig eingebrochen.

Rüsselsheim -Der Verwaltungsrat des Städteservice Raunheim/Rüsselsheim traf sich zu seiner jüngsten Sitzung nicht wie gewohnt auf dem Betriebsgelände in der Johann-Sebastian-Bach-Straße, sondern in der Rüsselsheimer Stadthalle, um die wegen Corona notwendigen Abstände einhalten zu können.

Die Pandemie spielte auch beim Geschäftsbericht von Vorstand Jens Will eine Rolle. Bisher habe es beim Städteservice zwei Corona-Fälle gegeben. Einen gab es im März, allerdings befand sich der Betroffene nicht im Dienst. Der jüngste Fall trat im Oktober auf. Daraufhin hätten sich sechs weitere Beschäftigte in Quarantäne begeben müssen, weil sie mit dem Mitarbeiter Kontakt hatten. Ihre Tests seien indessen negativ ausgefallen. Zudem habe es mehrere Verdachtsfälle gegeben, die sich aber ebenfalls nicht als positiv erwiesen hätten.

Der Städteservice habe eine Reihe von Vorkehrungen getroffen, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, so Will. Darunter fielen unter anderem die Entzerrung der Beschäftigten durch Verlagerung der Arbeitszeiten und die Begrenzung des Personals in den Räumen.

Für den Winterdienst gerüstet

Der Städteservice zähle aktuell 222 Beschäftigte, mithin zwei mehr im Vergleich zum jüngsten Bericht Ende August, schilderte Will. Ein Mitarbeiter habe den Betrieb verlassen, drei neue seien hinzugekommen. Zudem sei das Vertragsverhältnis mit einem Auszubildenden beendet und für ihn sei ein neuer Lehrling eingestellt worden.

Bei der Grünpflege stehe derzeit die Beseitigung von Laub im Fokus, berichtete Will weiter. Bei der Ausführung bereiteten jedoch die Lüftungsphasen in den Schulen Probleme. Lehrer und Schüler fühlten sich bei offenen Fenstern durch die Laubbläser gestört. Der Städteservice könne auf die Beschwerden jedoch nur bedingt Rücksicht nehmen, weil die Arbeiten nicht ausschließlich in den Ferien zu leisten seien.

Die Grünpflege Rüsselsheim laufe weiter unter den erarbeiteten Prioritäten der Green Force. Der Fachbereich Umwelt und Planung und der Städteservice priorisieren gemeinsam die anstehenden Leistungen. Für Raunheim sei für das nächste Jahr ebenfalls eine Green Force geplant.

Der Städteservice sei auf den Winterdienst vorbereitet, berichtete Will. Alle Fahrzeuge, Geräte und technische Anlagen seien aufgerüstet und einsatzbereit. Die Streusalzvorräte seien mit 1400 Tonnen im interkommunalen Lager in Wiesbaden aufgefüllt.

Im Zusammenhang mit dem Quartalsbericht erklärte der kaufmännische Bereichsleiter, Andreas Lier, dass bisher im gesamten Jahr 500 Tonnen mehr Restmüll als üblich angefallen seien. Die Menge sei unter anderem entstanden, weil sich mehr Menschen wegen Kurzarbeit zu Hause aufhielten.

Die Abfallwirtschaft sei in beiden Kommunen defizitär, so Will. Die Erlöse für Altpapier und Kartonagen seien fast vollständig eingebrochen. Vergangenes Jahr seien noch 140 Euro für die Tonne Altpapier bezahlt worden, jetzt liege der Preis bei 30 Euro. Wegen der Digitalisierung werde kein Papier mehr benötigt. Der Verlust in Rüsselsheim von rund 800 000 Euro sei über die Rücklagen gedeckt. In Raunheim gebe es keine Rücklagen, hier liege der Verlust mit etwa 150 000 Euro jedoch nicht so hoch.

Griff in die Rücklagen

Der Verwaltungsrat beschloss einstimmig den Wirtschaftsplan 2021. Bei einem Gesamtaufwand für beide Städte von 24,7 Millionen und einem Gesamterlös von 23,4 Millionen bleibt ein Minus von 1,3 Millionen Euro. Das Defizit entstehe durch die geringeren Erlöse für Papier und Kartonagen, die Tarifabschlüsse beim Personal und die erhöhte Müllmenge, so Lier. Nach dem Griff in die Rücklagen und dem Überschuss durch Leistungen im gewerblichen Bereich verbleibe noch ein Minus von rund 200 000 Euro.

Bürgermeister Thomas Jühe (SPD) sprach unterdessen an, dass für Leistungen auf Raunheimer Seite durchaus auch regionale Fremdfirmen beauftragt würden, um sie zu stärken und nicht eigenes Personal vorhalten zu müssen. Rüsselsheim indessen wolle wirtschaftlich handeln und wegen des Wachstums von der Stadt dennoch neue Mitarbeiter einstellen, so Oberbürgermeister Udo Bausch (parteilos). Die Fremdvergabe von Leistungen müsse ordentlich betrachtet werden.

Bausch wurde bei den anstehenden Wahlen als Vorsitzender des Verwaltungsrates, Jühe als Stellvertreter bestätigt. Von Rüdiger Koslowski

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