Das historische Haus in der Frankfurter Straße 9 wurde abgerissen.
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Das historische Haus in der Frankfurter Straße 9 wurde abgerissen.

Denkmalschutz

Abriss-Ärger um historisches Haus in Raunheim

Ein altes Haus ist in der Frankfurter Straße abgerissen worden. Zum Unmut des Heimatvereins und des Kreisdenkmalbeirates.

Der Denkmalbeirat des Kreises will vom Kreisbauamt frühzeitig über den Abriss von historischen Häusern informiert werden. Dies wollen der Raunheimer Heimatvereinsvorsitzende Erich Schick und der Groß-Gerauer Heimatkundler Lebrecht Viebahn, beide Mitglied des Gremiums, einfordern. Bei der Jahreshauptversammlung des Heimatvereins kündigten sie ihr Vorhaben an. Unterstützung erhielten sie von Bürgermeister Thomas Jühe (SPD).

Putz verdeckt Gefache

Anlass sind die Abrisse alter Gebäude am Kreisdenkmalbeirat vorbei. Darunter fällt auch ein Haus in der Frankfurter Straße 9, das kürzlich dem Erdboden gleichgemacht wurde. „Das ist ein Ärgernis. Da ist ein altes schönes Fachwerkhaus weggekommen“, sagte Schick dem Echo. Die Gefache befanden sich allerdings unter dem Putz, waren also nicht mehr sichtbar. Schick hatte aber eine Sanierung für möglich gehalten. Erhaltenswert sei es aus historischen Gründen. „In einem Ortsplan von 1854 ist das Haus eingezeichnet“, sagte er. Deshalb müsse das Haus bereits vorher gebaut worden sein. Ein Heimatvereinsmitglied ist sich sogar sicher, dass auf einem Balken über der Haupttür die Jahreszahl 1709 gestanden habe. Traurig ist für Schick der Abbruch auch deshalb, weil das Haus eventuell unter Denkmalschutz gestellt werden sollte. „Dem ist der Abriss zuvor gekommen“, machte er deutlich.

Der Kreis lässt derzeit prüfen, ob das gesamte Ensemble des alten Ortskerns mit der Frankfurter Straße, der Bleichstraße, der Liebfrauenstraße und der Mainstraße würdig ist, unter Denkmalschutz gestellt zu werden. Der Bereich des alten Ortskerns sollte zunächst wie auch das Haus auf eine vorläufige Liste für Denkmalschutz gesetzt werden.

Schick will bei der nächsten Sitzung des Denkmalbeirats seinen Ärger zum Ausdruck bringen. Der Beirat sei ein beratendes Gremium. Eigentlich solle davon auszugehen sein, dass der Beirat über den Abriss eines historischen Hauses informiert werde. Der neue Eigentümer des Grundstückes, der namentlich nicht genannt werden will, habe den Abriss veranlasst. Er habe keine Kenntnis vom Alter des Hauses, sagte er. Er habe im Rathaus einen erst 70 Jahre alten Plan gesehen, auf dem das Haus eingezeichnet war, sagte er in einem Gespräch mit dem Echo. Bei dem Papier habe es sich aber auch lediglich um einen Änderungsplan handeln können. Der Eigentümer, von dem er das Haus erworben hat, vermute, dass das Haus vor 120 Jahren erbaut wurde. „Als ich das Haus gekauft habe, war es jedenfalls nicht mehr bewohnbar“, versicherte er. Das Haus habe zu diesem Zeitpunkt schon ein halbes Jahr leer gestanden. Würde das Haus unter den Denkmalschutz fallen, hätte er es nicht gekauft, betonte der Eigentümer. Er habe auch nichts von dem Anliegen gewusst, dass es eventuell unter Denkmalschutz gestellt werden sollte. Fachwerk habe er nicht gesehen, denn die Fassade sei verputzt gewesen. Auf dem Grundstück sollen jetzt Wohnhäuser und eine Gaststätte entstehen.

Unterstützung von Jühe

Bürgermeister Jühe unterstützt das Anliegen des Denkmalbeirates nach frühzeitiger Information. Die Stadt sei nicht Genehmigungsbehörde und wolle ebenfalls Kenntnis vom Abriss alter Häuser haben. Nicht zwingend, um sie zu erhalten. Jühe denkt vielmehr daran, historische Bauweisen in Absprache mit den Eigentümern architektonisch herauszuarbeiten und sichtbar zu machen.

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