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Schon ein neues Projekt in der Mache: Sam Khayari, bis vor kurzem Betreiber des Chausseehauses, entwirft jetzt Drucke für eine neue Damen- und Herrenkollektion.

Kultur

Abschied vom Chausseehaus

Corona beendet den Traum vom eigenen Gastro-Betrieb von Sam Khayari. Ein Nachmieter für die Räume ist schon gefunden.

Rüsselsheim - Lange war es ruhig um den bekannten Rüsselsheimer Künstler Sam Khayari. So ruhig, dass sich einige Menschen schon Sorgen um den „Kreativnomaden“, wie er sich selbst nennt, gemacht haben. Sich aus den sozialen Medien einige Zeit komplett zurückzuziehen sei für ihn immens wichtig gewesen, erzählt ein gut gelaunter und energiegeladener Sam Khayari am vergangenen Donnerstag.

Denn die Fragen zur Zukunft seines „Babys“, dem kreativen Kulturraum und Gastronomiebetrieb Chausseehaus, das er erst ein Jahr zuvor akribisch und mit viel Herzblut saniert und eingerichtet hatte, seien ihm irgendwann zu viel geworden. „Die Entscheidung, was ich nun mit dem Chausseehaus mache, war ein langer Prozess. Ich hatte und habe noch immer eine besondere Verbindung zu den Menschen, die mit dem Chausseehaus zu tun haben und dem Gebäude selbst“, erzählt Khayari offen.

Dabei sitzt er entspannt in seiner aktuellen Wirkungsstätte, einem Lagerraum im hinteren Teil des Chausseehauses - seiner Kreativwerkstatt, wie er es nennt. Zwischenzeitlich habe er das Gefühl gehabt, alle, die ihn bei dem Projekt unterstützt haben, zu enttäuschen. „Deswegen habe ich den Abstand zu den sozialen Medien zu dringend gebraucht“, sagt Sam Khayari.

„Ich musste mich neu sortieren und schauen, wie es weiter geht.“ Zudem sei er in dieser Zeit unglaublich produktiv gewesen, habe zum Beispiel viele Auftragsarbeiten gemacht und alle Bilder, die er in den Monaten gemalt hat, verkauft. In den letzten Wochen der Sommerferien hat er mit Schülern im Freizeithaus Dicker Busch ein Art Camp veranstaltet, das ihm, wie er sagt, viel neue Motivation und Antrieb gegeben hat.

Bereits wieder vermietet

Nach ausgiebiger Reflexion über das vergangene Jahr und den zurückliegenden sowie aktuellen Lockdown sei die schwere Entscheidung schließlich gefallen, das Chausseehaus aufzugeben. „Ich bin jetzt aber froh, diesen Schlussstrich gezogen zu haben. Nun habe ich wieder Energie für andere Dinge“, so der Künstler.

Seit dem 1. Oktober ist das Chausseehaus neu vermietet; ein Büro für Ladeneinrichtungen ist nun dort angesiedelt. Sam Khayari kennt den Mieter gut und schätzt ihn sehr. Immer mal wieder schaut er dort vorbei. „Der Innenraum wurde kaum verändert. Das DJ-Pult und meine Graffiti sind noch da.“

Der Geist des Chausseehaus sei sowieso immer bei ihm, sagt Sam Khayari ausgeglichen. Ganz ist das Kapitel Gastronomie und kulturelle Begegnungsstätte für Sam Khayari jedoch noch nicht abgeschlossen. „Ich muss noch einiges von meinem Inventar verkaufen“, sagt er und zeigt auf antike und hippe Möbelstücke in seinem Lagerraum, die er inzwischen in einem eigens eingerichteten Online-Shop zum Verkauf anbietet. „Das gehört dazu. Es ist Teil des Abschieds.“

Doch wirklich viel Zeit, um in Trauer zu verfallen, hat der Kreativnomade dann doch nicht. Denn er hat schon wieder ein interessantes Projekt am Start.

Kunst auf Stoff und in der Stadt

Worum es sich bei dem Projekt handelt, verrät eine coole Lederjacke, die Sam Khayari auf Anfrage des Labels DSCVR bemalt hat. Aus dieser Anfrage ist nun eine enge Zusammenarbeit geworden. Denn Khayari entwirft die Drucke, mit der die neue Frühjahrs-Damenkollektion einen tollen Style erhalten soll.

Danach werde das Label auch eine Herren-Kollektion auf den Markt bringen, bei der Sam Khayari ebenfalls künstlerisch tätig sein wird. „Wir sind gerade in der heißen Phase“, sagt er. Im Januar werde die Kollektion vorgestellt - auf eine „andere“ Art und Weise. Bei der Frage, wie genau man sich das vorzustellen habe, lächelt Sam Khayari nur verheißungsvoll.

Und auch ein neues Kunstprojekt hat der Kreativnomade in der Pipeline. „Ich habe mit einer Künstlerin einen Antrag für den Kultursommer abgegeben. Wir hoffen beide sehr, dass das klappt und wir vielleicht im Frühsommer wieder mit voller Energie kulturell durchstarten können.“ (Von Daniela Hamann)

Einrichtung wird verkauft

Wer sich für das zum Verkauf stehende Mobiliar des Chausseehauses interessiert, kann unter www.kreativnoma.de/shop/ stöbern.

Das Chausseehaus

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