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Abseits der großen Filmtempel

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Von: Sven Westbrock

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Gut Gefüllt: der Kinosaal am Raunheimer Stadtzentrum.
Gut Gefüllt: der Kinosaal am Raunheimer Stadtzentrum. © Rüdiger Koslowski

Winterzeit ist Kinozeit. Kurz vor Weihnachten kommen die aufwendigsten Streifen aus Hollywood in die Lichtspielhäuser. Von denen gibt es im Kreis angesichts der Konkurrenz aus den umliegenden Großstädten nur wenige. Die, die es gibt, haben mit den Multiplex-Tempeln nur wenig gemein. Für sie gilt das Motto: klein aber fein.

Nachdem sie die Zwei-Euro-Münze geschluckt hat, beginnt die rote Maschine zu rattern. Die ersten Maiskörner platzen auf. Jetzt bloß rechtzeitig die Tüte darunterstellen, sonst landet das Popcorn auf dem Boden. Puuh, gerade noch geschafft. Gleich beginnt in den Gustavsburger Burglichtspielen die Vorstellung.

Das kommunale Kino gehört zu den wenigen Orten im Kreis, an denen Cineasten auf ihre Kosten kommen. Der deutsche Filmpionier Kurt Palm mauerte den Vorführraum. Seit 1986 betreibt die Stadt das Kino. 2008 gründete sich der Förderverein „Freunde der Burglichtspiele Mainspitze“, da dem Kino das Aus drohte. Die Vereinsvorsitzende Andrea Engler und ihre Stellvertreterin Frauke Nussbeutel engagieren sich seitdem für das Kino. „Das hier ist ein wunderbares Haus mit vielen Möglichkeiten“, schwärmt Nussbeutel. Die Burglichtspiele seien für die örtliche Kulturlandschaft fantastisch. Es brauche nicht nur die großen Häuser, sondern eben auch die kleinen Leinwände.

Weniger Vorstellungen

Freitags und sonntags laufen in den Burglichtspielen Hollywood-Filme und andere große Produktionen. Der Dienstag ist dem anspruchsvollen Programmkino vorbehalten. Bis Anfang des Jahres gab es das auch mittwochs. Aus Kostengründen wurde das weniger gut besuchte Programmkino damals gestrichen. Seit September ist das Angebot dienstags zurückgekehrt.

Weniger Vorstellungen gibt es in diesem Jahr auch in Raunheim. Dort unterhält der örtliche Kino- und Kulturverein am Stadtzentrum einen Saal, in dem zurzeit einmal im Monat Filme gezeigt werden. Früher gab es monatlich bis zu drei Vorführungen. Doch nachdem sich vor zwei Jahren der Vorstand halbierte, musste das Pensum zurückgefahren werden. Ab Januar soll auf zwei Kinotage erhöht werden. Filmabende sind in Raunheim richtige Events. So auch am 6. Januar, wenn vor Beginn des Überraschungsstreifens bei der Cocktailparty Drinks gemixt werden und anschließend die Tanzfläche öffnet, oder am 3. Februar. Da wird vor der Vorstellung von „Der Wein und der Wind“ eine Weinprobe für die Kinogänger angeboten. „Ich will, dass die Gäste von einem Besuch bei uns etwas mit nach Hause nehmen und sich darüber unterhalten“, erläutert Vereinsgründer Michael Kapp das Konzept.

Das einzige kommerzielle Kino im Kreis betreibt Anja Wenz in Groß-Gerau. Und das bereits in der dritten Generation. Ihr Lichtspielhaus verfügt über zwei Säle. In dem größeren von beiden sorgen kleine Lampen mit gedimmtem Licht an den Tischen für eine besondere Atmosphäre. Der kleinere Saal ist gleichzeitig eine Bar, in der die Gäste sich den Film auch direkt vom Tresen aus anschauen können. Ungewöhnlich: Bedient werden die Gäste in beiden Sälen direkt an ihren Plätzen. Bei den Gästen hat sich das herumgesprochen. Oft ist das kleine Kino ausverkauft. „Ich würde am liebsten noch einen dritten Saal bauen“, erzählt Wenz. Sie schaut im Kino am liebsten große Blockbuster wie King Kong oder Jurassic Park. „Wenn’s da kracht, weiß ich, warum ich ins Kino gegangen bin“, sagt sie. Während sie spricht, leuchten ihre Augen.

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