Erzieherin

Ein absoluter Traumjob

Claudia Heyse arbeitet seit 30 Jahren im freien Kindergarten im Hessenring 70. Ein Grund zum Feiern und für einen Rückblick.

Von der Eingangsseite aus betrachtet, erinnert die Front des freien Kindergartens im Hessenring 70 ein wenig an den Bauwagen in der Kindersendung Löwenzahn. Geht man aber in das Gebäude hinein und schaut in einen der Aufenthaltsräume der 30 Kinder, fällt der Blick sofort auf das üppige Grün des Horlachgrabens und die alte Eiche, die mitten auf der Spielfläche steht. Wo vorne die geschäftige Straße ist, öffnet sich hinten plötzlich ein ruhiges Waldparadies, in dem die Kinder nach Lust und Laune toben können.

Die Kita ist seit 30 Jahren der Arbeitsplatz von Claudia Heyse. Und nach eigenen Angaben ist ihre Tätigkeit als Erzieherin und Teil des Leitungsteams ihr absoluter Traumjob. „Die Lockerheit des pädagogischen Konzepts hat einfach gut zu mir und meiner Auffassung gepasst“, erzählt sie. Nach einigen Gesprächsminuten wird klar, dass Kinder der Mittelpunkt ihres Lebens sind. Selbst in ihrer Freizeit, in der Heyse eine Vielzahl an Ehrenämtern bekleidet, unter anderem das Amt der 1. Vorsitzenden des Kinderschutzbunds, dreht sich alles um das Wohl der kleinen Menschen.

Sie habe schon früh gewusst, dass sie Erzieherin werden wollte, sagt Heyse. Nach einem Vorpraktikum in Offenbach, zwei Jahren Fachschule in Mainz und einer ersten Anstellung in der Behindertenwerkstatt der WfB kam sie schließlich im Jahre 1987 in den freien Kindergarten im Hessenring 70. „Das Konzept hier deckte sich eins zu eins mit meinem Verständnis von Erziehung“, sagt Heyse. Es sei ihr immer ein Anliegen gewesen, das Positive im Kind zu fördern und die Kinder, aber auch die Eltern in den Betreuungsprozess einzubeziehen. „Die Kita wurde 1984 von einer Elterninitiative in freier Trägerschaft gegründet. Vor allem am Anfang war sie absolut basisdemokratisch.“

Alle drei Wochen hätten sich Eltern und Erzieher getroffen und Projekte, Pläne und Veränderungen besprochen. Die Basisdemokratie sei leider im Verlaufe der vergangenen drei Dekaden zurückgegangen, zum großen Teil wegen der weniger werdenden freien Zeit der Eltern. „Das ist wirklich schade“, bedauert die Erzieherin. Der Fokus des pädagogischen Konzepts der Kita – das Kind im Mittelpunkt – sei jedoch nach erhalten geblieben.

Trotzdem traure sie den alten Zeiten etwas nach. „Damals haben wir einfach gemacht“, stellt Heyse fest. Heute sei es so, dass viele Projekte von Vorschriften und Auflagen eingeschränkt werden.

Zudem sei die Kita im Laufe der Zeit mehr und mehr zu einem Dienstleistungsunternehmen geworden. „Die Eltern engagieren sich bei uns aber immer noch sehr stark – sei es im Elternvorstand oder bei den in unserem Konzept geforderten Arbeitseinsätzen“, lobt die Erzieherin. Hinzu kommen noch regelmäßige „Elternaufgaben“. Dazu gehöre das tägliche Kochen des Mittagessens für die Kinder, aber auch Gartenarbeit, Wäsche waschen, Reparaturen oder Einkaufen. Zur Einhaltung der Hygienevorschriften gebe es allerdings mittlerweile eine Reinigungskraft, informiert Claudia Heyse.

In den 1990er Jahren sei die Zahl der betreuten Kinder ab drei Jahren von 15 auf 20 angehoben worden. Und seit 2008 verfüge die Kita zudem über zehn Krippenplätze für Kinder ab zwölf Monate. Neben Claudia Heye kümmern sich vier weitere Erzieherinnen und vier Praktikantinnen um das Wohl der Kinder. Es gibt keine Kita-Leitung, sondern nur ein Leitungsteam, weil, wie Claudia Heyse erklärt: „Wir möchten die Hierarchien so flach wie möglich halten.“

Die Kinder hätten sich im Laufe der Jahrzehnte nicht sonderlich geändert. „Was bei uns vielleicht im Gegensatz zu vielen anderen Kitas auffällt, ist dass sich die Kinder auch außerhalb des Kindergartens sehr oft treffen und zusammen spielen“, meint die Mutter zweier Töchter und Großmutter von „fast“ fünf Enkelkindern.

Ihr Jubiläum habe sie mit Kindern und Eltern ausgiebig gefeiert. Sie freue sich auf viele weitere Jahre in der Kita, sagt sie und lacht.

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