Vortragsreihe

Älter werden ist nicht einfach

„Älter werden wir von selbst – fragt sich nur wie?“ In dieser Vortragsreihe sprach Altenseelsorger Klaus Lehrbach darüber, wie es ist, wenn Angehörige älter werden.

Oft hörte Pfarrer Klaus Lehrbach in seiner fünfzehnjährigen Tätigkeit als Krankenhausseelsorger den Ausspruch: „Wir machen so lange weiter, wie es gut geht.“ Doch was geschieht dann? Meist ist nichts geklärt, und die Angehörigen wissen nicht, wie sie reagieren sollen. Das Thema ist kein angenehmes. Daher beglückwünschte der Referent die Teilnehmer dafür, dass sie sich an diesem Abend einem unangenehmen Thema widmeten. Und zu lernen gab es viel an diesem Abend.

„Alle wollen es werden, doch niemand will es sein.“ Alt. Das Alter sei überwiegend negativ belegt. Doch, so gab Lehrbach zu bedenken, jedes Alter brauche Hilfe und Unterstützung. Bei der Einschulung, dem Studium oder auch der Berufswahl ist Hilfe notwendig. Denn es sei nie sinnvoll, unvorbereitet in eine Situation zu stolpern. Beratungsmöglichkeiten seien vorhanden, mit denen die Entscheidungsfähigkeit verbessert werden könne. Denn älter werden sei eine Gestaltungsaufgabe.

Planbare Kriterien beziehen sich auf den Ruhestand nach der Berufstätigkeit oder die Wohnsituation. Zu den Umständen, die sich ergeben, gehören schwindende Kräfte und die Einschränkung von Möglichkeiten. Krankheit, Pflegebedürftigkeit oder der Tod eines nahen Angehörigen sind zugemutete Kriterien. Da gelte es zu lernen, mit der Situation umzugehen, wenn es so weit ist.

Ältere Menschen bräuchten fürsorgliche Begleitung, so der Referent, denn auch andere Menschen aus dem direkten Umfeld seien betroffen. Am Anfang sind die Verhältnisse geklärt. Die Eltern geben und die Kinder nehmen. Mit zunehmendem Alter geben und nehmen beide Parteien gleichermaßen. Dafür sei die Qualität einer Beziehung ganz wichtig. Denn ältere Menschen lebten oft Ich-bezogen und ihre Bedürfnisse sollen oft sofort befriedigt werden. Auch ein gewisser Realitätsverlust im Alter sei schwer zu handhaben. Als Beispiel nannte Lehrbach das Autofahren, auf das ein älterer Mensch nicht verzichten will, da es für ihn ein Stück Freiheit bedeutet.

Früher hieß es „Ein Kind muss die Pflege seiner Eltern übernehmen“. Doch diese Denkweise sei nicht mehr zeitgemäß. Auch Haltungen müssen überprüft werden wie etwa die Aussage: „Wir geben dich nie ins Heim.“ Denn die alleinige Pflege durch Angehörige lässt sich nur realisieren, wenn es den Kindern so weit gut gehe, dass sie die Pflege übernehmen können. Realistisch sei, dass Wünsche nicht immer erfüllt werden können.

Ein weiterer wichtiger Faktor zum Thema Älterwerden ist, dass es etwas kostet. Denn erst wenn das private Vermögen, das eigentlich den Kindern vererbt werden sollte, aufgebraucht ist, ist eine staatliche Unterstützung möglich. Mögliche Hilfen müssen beantragt werden, sie kommen nicht von selbst. Wer hilft bei den bürokratischen Hürdenläufen? Älter werden kostet auch

Zeit und Kraft

, denn einfachste Dinge wie sich zu waschen, sich anzuziehen oder zu essen brauchen im Alter sehr viel mehr Zeit. Manchmal sogar den ganzen Tag.

Nicht unterschätzt werden darf auch die

Zeit und Kraft

, die Angehörige aufbieten müssen. Denn die haben ihr eigenes Leben und ihre eigene Familie, so dass eine Mehrfachbelastung entsteht.

Es sei nicht ehrenrührig, wenn es allein nicht zu schaffen sei. Beratungsmöglichkeiten wie das Haus der Senioren, Palliativnetzwerk und Hospizhilfe, oder auch der Pflegestützpunkt des Kreises Groß-Gerau seien wichtige Anlaufpunkte und böten Unterstützung.

Alt werden ist auch eine Frage der Haltung. Denn es handle sich nicht nur um eine Verlustgeschichte. Alt werden ist ein Stück individueller Geschichte basierend auf Lebenserfahrungen und Wissen, die ein Leben lang gemacht wurden. Alt werden ist auch ein Segen und ein Geschenk. Und als solches sollte es angenommen werden.

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