Schwere Infektion

Ärzte retten das Bein von Amaniel aus Angola

Luanda, die Hauptstadt Angolas, gilt als die teuerste Stadt in Afrika. Aber es ist auch eine Stadt mit sozialen Gegensätzen. Angola hat riesige Ölvorkommen, doch davon profitieren nur wenige Menschen. Auch nicht der neunjährige Carlos (Name wurde von der Redaktion geändert).

Amaniel lebte mit seinen Eltern und sieben Geschwistern in einer bescheidenen Hütte am Rande Luandas, als vor zwei Jahren ein Unglück passierte: Eine Gartenmauer fiel um und begrub den kleinen Jungen unter sich. So begann die Leidensgeschichte von Amaniel, die jetzt im Kreiskrankenhaus Groß-Gerau einen vorerst guten Abschluss fand.

Monatelang besuchte der damals Siebenjährige mehrere Kliniken in Luanda. Die Ärzte behandelten seine Wunden zwar erfolgreich, nur die Verletzungen am linken Bein verheilten nicht. Kurz über dem Fußgelenk hatte sich der Knochen infiziert, Muskeln und Weichteile waren abgestorben. Die afrikanischen Ärzte gaben ihn auf.

Die Organisation Friedensdorf wurde auf den Fall aufmerksam und holte den Jungen im Mai nach Deutschland. Sie suchte eine Klinik, die sich des kleinen Patienten annehmen würde – ohne Bezahlung für die Behandlung, weil sich Amaniels Eltern die immensen Kosten nicht leisten können. Nach einer ersten Kontaktaufnahme mit dem Krankenhaus in Groß-Gerau erklärte sich Dr. Ali Noufal, Chefarzt der Unfallchirurgie, bereit, Amaniel zu helfen.

Bei einer ersten Untersuchung im Mai habe ihn die Schwere der Verletzung schockiert, erinnert sich Dr. Noufal. Das Bein schien unrettbar verloren. Als er die Diagnose dem kleinen Jungen überbrachte, kullerten die Tränen – Amaniel würde nie mehr Fußball spielen können.

„Da haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, ob es noch eine Chance gibt“, so der Unfallchirurg. „Und wir haben beschlossen, alles medizinisch Machbare zu tun, um dem Kind das Bein zu erhalten.“ Damit begann ein wochenlanger Kampf. Etwa drei Zentimeter des kaputten Fußknochens entfernten die Ärzte, den Knochen bohrten sie immer wieder an, bis die Keime abgetötet waren. Dann führten sie einen Nagel ein und entnahmen aus dem Wadenbein etwa drei Zentimeter Knochenmaterial, das sie verpflanzten.

Die Behandlung zeigte allmählich Erfolg. Mit jedem Tag wurde Amaniel ein wenig munterer, er fand sein Lachen wieder. Heute hüpft der Neunjährige an Krücken über den Flur; der Junge ist zum Liebling der Schwestern und Pfleger geworden. Doch bald wird er zurückkehren nach Oberhausen, wo das „Friedensdorf“ die afrikanischen Patienten unterbringt.

Dr. Ali Noufal ist zuversichtlich, dass Amaniel wieder laufen wird, ohne dass eine Behinderung zurückbleibt. Sein Patient hat zwischenzeitlich die deutsche Sprache gelernt und freut sich, Eltern und Geschwister in Luanda bald wieder in die Arme nehmen zu können.

Das Wiedersehen mit seinen freundlichen Ärzten und Betreuern steht indessen bereits fest: Im Jahr 2019 wird Amaniel zur Nachuntersuchung erwartet.

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