Leitungswasser gegen Plastikmüll?

Aktion Refill stößt in Rüsselsheim auf einige Widerstände

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Die eigene Trinkflasche unterwegs in Geschäften kostenlos mit Leitungswasser auffüllen lassen: Das will die Aktion Refill möglich machen. In Rüsselsheim scheint es schwer zu sein.

Gegen den spontanen Durst unterwegs gibt es einen einfachen Trick: Leitungswasser. Kein anderes Lebensmittel ist besser kontrolliert als das Wasser aus dem Hahn – was läge also näher, als bei Durst unterwegs schnell mit der eigenen Trinkflasche in das nächste Geschäft zu gehen und freundlich nachzufragen, ob man das Gefäß auffüllen darf?

Eigentlich eine gute Idee, dachten sich die Verantwortlichen von Refill Deutschland. Basierend auf einem Konzept, das 2015 in Bristol startete, wurde in Hamburg nachgezogen: Die ehrenamtliche Non-Profit-Organisation will den Plastikmüll durch Einwegflaschen eindämmen und Geschäftsinhaber und Gastronomen dazu ermutigen, Passanten zu gestatten, ihre Trinkflasche vor Ort mit Leitungswasser aufzufüllen. Durch einen runden, blauen Sticker an der Ladentür weiß der Durstige auch sofort, dass das möglich ist.

In den umliegenden Städten wie Mainz, Frankfurt, Darmstadt und Wiesbaden gibt es mehrere Stationen – könnte das also nicht auch in Rüsselsheim funktionieren?

Susanne Junginger vom gleichnamigen Modegeschäft in der Frankfurter Straße ist von der Idee überzeugt und hat sie bereits den Vereinsmitgliedern von Treffpunkt Innenstadt vorgestellt. „Es ist eine gute Sache, aber sie ist für viele Geschäfte nicht umsetzbar“, erklärt sie.

Viele Geschäfte hätten den Wasserhahn nicht direkt im Verkaufsraum. „Den müsste man dann verlassen“, gibt sie zu bedenken. „Wenn jemand vorbei kommt und einen Schluck Wasser möchte, sagen wir aber natürlich nicht nein“, so Junginger. Ähnlich sieht das auch Maria Tetou vom Kosmetikstudio Prestige. „Natürlich füllen wir die Flasche auf – wir lassen niemanden verdursten“, meint sie.

Auch die ehrenamtlichen Wasserbotschafter der Stadtwerke seien bereits auf die Aktion aufmerksam geworden. „Eine der Botschafterinnen hat den Aufkleber in München entdeckt und ist damit zu den Gastronomen gegangen“, erzählt Jürgen Gelis, Sprecher der Stadtwerke.

Die hätten aber fast alle abgewunken: Die Sache selbst würde ja durchaus positiv gesehen, aber „ein Großteil des Umsatzes geht eben über die Getränke“, zitiert Gelis die Restaurant- und Cafébesitzer.

Das sehen die Gastronomen Stylianos Kessidis („Café am Markt“) und Florian Haupt („Das Rind“) anders. „Wenn jemand kommt und fragt, ist das gar kein Problem“, findet Haupt. „Wer das ,Rind’ ein bisschen kennt, weiß, dass wir für jeden einen Schluck Wasser übrig haben“, sagt er schmunzelnd. „Für die Hunde unserer Gäste stellen wir ja auch Leitungswasser bereit“, argumentiert Kessidis.

Im „Café am Markt“ gebe es sogar eine eigens eingebaute Entkalkungsmaschine, durch die das Leitungswasser weicher wird. Die Refill-Idee findet er gut. Auf Plastik verzichtet er beim zum Verkauf angebotenen Mineralwasser seit langem. „Das schmeckt auch einfach besser als aus einer Plastikflasche.“

Unter qualitativen Gesichtspunkten stünde das Leitungswasser in Rüsselsheim dem gekauften in nichts nach: „Wenn die Leute immer noch Wasserkästen nach Hause tragen, kann das nur geschmackliche Gründe haben“, findet Gelis.

Aber selbst bei der direkten Blindverkostung verschiedener, stiller Mineralwasser und Leitungswasser könnten viele den Unterschied nicht erschmecken. Das Argument, Leitungswasser habe zu wenig Mineralien, sei nicht stichfest. „Die Mineralienanteile können schwanken“, sagt er. Aber: Wer nur Leitungswasser trinke, würde dadurch nicht an einer Mangelerkrankung leiden. Auch, was die Kosten für den Wasserverbrauch angeht, gebe es eigentlich keine Bedenken: „1000 Liter Wasser kosten etwa zwei Euro“, so Gelis weiter. Durch die Refill-Aktion könne es schließlich auch zu einem Image-Gewinn für die Anbieter kommen, findet er.

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