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Aktivisten kämpfen um jeden Baum

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Von: Leo Postl

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Alexander Gernscher befestigt die Plattform für ein Baumzelt.
Alexander Gernscher befestigt die Plattform für ein Baumzelt. © Leo F. Postl

Der Frankfurter Flughafen soll vergrößert werden, doch davon wollen die Bürgerinitiativen nichts wissen. Sie möchten die Grüne Lunge schützen. Dazu gab es am Wochenende ein Aktionsprogramm im Treburer Oberwald bei Zeppelinheim.

Seitdem Fraport-Chef Stefan Schulte ankündigt hatte, noch dieses Jahr mit dem Bau des Terminal 3 im Süden des Frankfurter Flughafens beginnen zu wollen, laufen nicht nur in den Planungsbüros die Vorbereitungen auf Hochtouren – auch die Bürgerinitiativen der umliegenden Kommunen formieren sich und rufen zum Protest auf. Um die Aktionen der 80 Bürgerinitiativen (BI) zu unterstützen, hat die Umweltorganisation Robin Wood, wie im Februar vergangenen Jahres, im Treburer Oberwald bei Neu-Isenburg ein Protest-Camp gegen den Bau des Terminal 3 eingerichtet. Die Waldschützer protestieren damit insbesondere gegen die vorgesehen Abholzung von Wald für den nötigen Autobahnanschluss des neuen Terminals.

Rodung für Autobahn-Anschluss

Um eine zeitgemäße Anbindung an die vorbeiführende Autobahn 5 zu erreichen, soll es neben der derzeitigen Abfahrt Zeppelinheim noch einen weiteren Anschluss geben. Dafür müssten rund 4,5 Hektar Wald entlang der Autobahn gerodet werden, der größte Teil davon liegt im Treburer Oberwald – der zur Gemarkung Trebur gehört – aber auch Neu-Isenburger Wald wäre betroffen.

Dies ist im Verhältnis zu den 282 Hektar Wald für die Landebahn Nordwest zwar ein kleines Waldstück, doch die Bürgerinitiativen kämpfen mittlerweile um jeden Baum im Rhein-Main-Gebiet. „Was nützt es uns hier, wenn, wie von Fraport behauptet, andernorts 288 Hektar Wald aufgeforstet wurden?“, kritisierte BI-Sprecherin Monika Plottnik aus Sachsenhausen.

Im Wald-Camp selbst soll es nicht so lautstark zugehen wie damals im Kelsterbacher Wald vor dem Bau der Landebahn Nordwest. Vielmehr setzen die Aktivisten auf Verbreitung von Informationen. So stand am Donnerstagabend bereits eineDelegiertenversammlung der 80 Bürgerinitiativen an.

Vorträge und Führungen

„Wir haben ganz gezielt dieses Camp von Robin Wood gewählt, um Präsenz zu zeigen, aber auch, um Robin Wood zu unterstützen“, betonte Michael Flörsheimer, einer von fünf gewählten BI-Sprechern.

Zum Protest-Camp gibt es auch ein Programm mit Vorträgen. Am Samstag um 10 Uhr gab es beispielsweise eine Führung der Umweltschützer zu dort wachsenden Pflanzen, um 12 Uhr stand Schnupperklettern an. Von 20 Uhr an gab es einen Fachvortrag, dazu spielte der Liedermacher Siggi Liersch auf. Am Sonntagvormittag unternahm Robin Wood einen „Streifzug durch die Geschichte des Widerstands gegen den Flughafenausbau“.

Am Freitag hatte es schon eine große Aktion vor dem Gelände der Firma Sehring gegeben. Direkt vor der Einfahrt spannten professionelle Robin-Wood-Kletterer ein Protestbanner von Baum zu Baum. „Wir kennen kein Pardon bei Wald für Beton“, war darauf zu lesen. Der Protest richtete sich vor allem gegen die Lieferung des Rohstoffes Sand für den Bau des Terminal 3.

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