Große Freude über die Einschulung herrscht trotz Corona bei Familie Gallinger. Erstklässlerin Davina ist mit ihren Eltern Natalie (links) und Clemens Gallinger sowie ihrer Patentante Petra Trautmann gekommen, die Davinas Schultüte gebastelt hat.
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Große Freude über die Einschulung herrscht trotz Corona bei Familie Gallinger. Erstklässlerin Davina ist mit ihren Eltern Natalie (links) und Clemens Gallinger sowie ihrer Patentante Petra Trautmann gekommen, die Davinas Schultüte gebastelt hat.

Einschulung

Alles ein bisschen anders

  • Stella Lorenz
    vonStella Lorenz
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Der Schulstart läuft in diesem Jahr unter besonderen Umständen ab. Die Grundschulen müssen bei ihren Feiern Organisationstalent beweisen - das lohnt sich, sagt Katja Hegny, Schulleiterin der Otto-Hahn-Schule.

Rüsselsheim-Ein bisschen schüchtern tritt Davina, sechs Jahre, vor Pfarrer Michael Eich (Pfarrei Hl. Familie), der lächelnd auf der Treppe von St. Michael in Bauschheim steht. Zusätzlich zu Albe und Stola trägt Eich ein Gesichtsschild - die Erstklässler, die in diesem Jahr den Segen empfangen, sollen schließlich auch sehen können, wer sie da segnet. Die Türen zur Kirche hinter Eich sind offen, aber die Bänke bleiben leer: Einen Gottesdienst zur Einschulung an der Bauschheimer Otto-Hahn-Schule gibt es nicht.

"Segen im Vorbeigehen"

"Hier werden 56 Kinder eingeschult. Momentan dürfen aber nur 20 Personen in die Kirche", klärt Pfarrerin Ellen Schneider-Oelkers (Evangelische Kirche Bauschheim) auf. Stattdessen hat sie sich etwas anderes ausgedacht: Gemeinsam mit ihrem katholischen Kollegen gibt Schneider-Oelkers am Dienstagmorgen den "Segen im Vorbeigehen". Eine Stunde lang stehen die Geistlichen bereit - so können alle drei Staffeln, die über den Dienstag verteilt eingeschult werden, entweder vor oder nach der Einschulung vorbeikommen.

Davina gehört zur ersten Kohorte, sie geht ab jetzt in die 1c, die sogenannte "Affenklasse". Um 8.50 Uhr ist die Einschulung, den Segen holt sie sich, begleitet von der Familie, vorher ab. "Viele Freundinnen von mir gehen in die selbe Klasse", freut sie sich und umklammert die große Schultüte, die Patentante Petra Trautmann liebevoll und farblich auf den Schulranzen abgestimmt gebastelt hat.

Sich zwischen den Religionen verständigen

Sie ist eine von drei erlaubten Begleitpersonen, die die Otto-Hahn-Schule bei der kleinen Zeremonie im Freien pro Kind zulässt. "Wir wären natürlich gerne mit mehr gekommen, aber so ist es eben", sagt Davinas Vater Clemens Gallinger. Dabei haben die Familien in Bauschheim noch Glück: An der Rüsselsheimer Schillerschule sind nur zwei Begleitpersonen zugelassen, an der Grundschule Innenstadt sogar nur eine.

Für die Kinder, mutmaßt Schneider-Oelkers, seien sowohl Segen als auch Einschulung wichtige, dichte Momente. "Viele nehmen das vielleicht gar nicht so anders wahr." Später, verraten die Pfarrer, werden noch kleine Päckchen mit Segenskarten und einem im Wasser entfaltbaren Handtuch mit Arche-Noah-Motiv an alle Schüler verteilt - ganz gleich, welcher Religion sie angehören. "Die Geschichte kommt in der Bibel und im Koran vor. Wir können uns zwischen den Religionen verständigen", sagt Schneider-Oelkers.

Die Situation entspannt sehen

Piet, auch sechs Jahre alt, kommt ein bisschen später mit seiner Familie zur Segnung und zieht gleich seinen Mund-Nasen-Schutz hoch. Er wird in die "Schildkrötenklasse gehen, seine Einschulung ist am frühen Nachmittag. "Lustig" findet er die Gesichtsschilder, die die Pfarrer tragen, und freut sich über sein buntes Segnungsarmband.

Piets Mutter Morayma Becher steht der gegebenen Situation entspannt gegenüber. Wegen der gestaffelten Einschulung kommen einige Verwandte davor, andere danach. "Das mit dem Aufteilen ist super", findet Becher. So sei genug Zeit für alle, man müsse sich nicht zerreißen.

Wie Piets Schwester Fine, die grade so erst laufen kann, ihre Einschulung wohl erlebt, darüber kann man derzeit nur spekulieren. Entweder, alles ist dann wieder wie gehabt, "oder wir haben uns dran gewöhnt", sagt Morayma Becker gelassen. Einen Steinwurf von der Kirche entfernt startet derweil die Klasse 1c mit ihrer Einschulungsfeier. "Es ist ein besonderes Jahr", sagt Schulleiterin Katja Hegny zur Begrüßung. "Aber ihr macht das ganz toll", sagt sie ins Mikrofon.

"Abenteuer Schule"

Vor ihr sitzen die neuen Erstklässler auf Bänken auf der Wiese, dahinter stehen die Begleitpersonen. "Wir starten mit dem Abenteuer Schule!", sagt Hegny zuversichtlich. Daran, was Grundschule ausmacht, hat sich schließlich nichts geändert: "Ihr lernt lesen, schreiben, rechnen, aber auch der Spaß darf nicht zu kurz kommen." Die Maskenpflicht, sagt Hegny im Gespräch mit dem Echo, sei natürlich anstrengend für Kinder wie Lehrpersonal. Sie hofft, dass das "Gespenst" der Gefahreneindämmungsmaßnahme in 14 Tagen wieder verschwunden ist. Dennoch sei der erste Tag der Anordnungsumsetzung in Ordnung gewesen. "Die Kinder kommen insgesamt gut zurecht", so Hegny.

Auch die Elternschaft stehe der Maskenpflicht im Unterricht überwiegend positiv gegenüber. Meist gebe die Abwägung Maske oder Schulschließung den Ausschlag - ersteres sei eindeutig das kleinere Übel. "Ich hoffe, dass sich bald alles normalisiert", sagt Hegny.

Mit der gestaffelten Einschulung ist sie zufrieden und auch das Wetter hat gehalten. Dass der "Segen im Vorbeigehen" so gut angekommen ist, freut die Schulleiterin. "Das war eine tolle Idee. Innovationen und Kreativität sind jetzt gefragt", bemerkt Hegny. Sie ist sich sicher: Die Leute seien eigentlich positiv eingestellt. Das müsse man mit solchen Aktionen unterstützen.

Elterntelefon zum Schulstart

Das Staatliche Schulamt steht Schulanfängereltern in den ersten zwei Schulwochen vom 17. bis 28. August montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr telefonisch unter (0 61 42) 55 00-4 11 bei Fragen rund um das Schulsystem zu Verfügung.

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