Der Kreisvorsitzende des Nabu Bernd Petri (rechts) und Stifter Hubert Schneider freuen sich über neuen Lebensraum für den Wiedehopf. Foto: privat
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Der Kreisvorsitzende des Nabu Bernd Petri (rechts) und Stifter Hubert Schneider freuen sich über neuen Lebensraum für den Wiedehopf. Foto: privat

Natur

Alles für den Wiedehopf

Nabu startet Schutzprojekt für den seltenen Vogel

Rüsselsheim-Ein wirklich hübscher Vogel ist der Wiedehopf mit seiner charakteristischen Federhaube und dem langen gebogenen Schnabel. Etwa 15 Brutpaare gibt es derzeit in Hessen, sechs davon bei Nauheim im Vogelschutzgebiet Seichböhl/Tiefgewann, berichtet Erik Opper. Er ist der Kuratoriumsvorsitzende der Sylvia und Hubert Schneider-Gedenkstiftung für Natur- und Tierschutz. Die Stiftung hatte der heute 90-jährige Schneider nach dem Tod seiner Frau Sylvia vor sechs Jahren ins Leben gerufen. Seither möchte er, ganz im Sinne seiner verstorbenen Partnerin, den achtsamen und respektvollen Umgang mit den Tieren und der Natur fördern

Fläche der Stadt abgekauft

Deshalb hat Schneider nun den Nabu-Kreisverband mit 30 000 Euro unterstützt. Für das Geld konnte der Naturschutzbund der Stadt Rüsselsheim eine Fläche von 1,5 Hektar abkaufen, die den Bedürfnissen des Wiedehopfes entsprechend gestaltet werden soll. Die Wiese liegt auf Nauheimer Gemarkung, befand sich aber im Besitz der Stadt Rüsselsheim. "Die haben die Wiese in den letzten Jahren nicht genutzt, es gab aber den Plan, hier mit Eichen wieder aufzuforsten", weiß Opper.

Es sei jedoch gelungen, die Verantwortlichen bei der Stadt von dem Schutzprojekt zu überzeugen. So sehr, dass man dem Nabu sogar mit einem guten Preis für das Grundstück entgegengekommen sei. "Heute funktioniert Naturschutz nur noch so, wenn alle zusammenarbeiten", ist Opper überzeugt. Das sehe auch der großzügige Spender so. Schneider glaube an das Thema Symbiose zwischen Tier und Pflanze und im übertragenen Sinne auch zwischen Mensch und Natur, versichert Opper.

Ein schönes Fleckchen ist die Wiese schon jetzt. Fernab vom Autoverkehr liegt sie zwischen Wald und Feldern. Eine Route des Regionalparks Rhein-Main führt hier entlang. Die landwirtschaftliche Nutzung des umgebenden Areals nimmt beständig ab und hinterlässt Brachflächen, die ideale Orte für den Naturschutz sind.

Nach wie vor gibt es aufgrund des sandigen Bodens kleine Spargelfelder, den ein oder anderen Schrebergarten und Streuobstwiesen. Die Zusammenarbeit mit den Obstgärtnern sei gut. Sie trügen mit dem Mähen ihrer Grundstücke zur Nahrungsgrundlage der Vögel bei, sagt Opper.

Der Bereich ist kein Naturschutzgebiet, er ist klassifiziert als "Flora und Fauna Habitat Natura 2000" und Vogelschutzgebiet. Das bedeute, dass man hier zum Beispiel keine Anleinpflicht für Hunde anordnen könne, berichtet Opper. Er hoffe auf die Einsicht der Hundehalter, denn freilaufende Hunde bedeuteten eine Gefährdung des Wiedehopfs.

Nistkästen am Waldrand

Auch das neue Schutzgebiet soll vor allem als Nahrungsquelle für den Wiedehopf dienen. Am Waldrand haben die Naturschützer für ihn spezielle Nistkästen angebracht. Eine einjährige Mahd soll dafür sorgen, dass die Wiese erhalten bleibt. Sechs bis acht Eier lege das Wiedehopf-Weibchen normalerweise, wie viele davon ausgebrütet werden, hänge vom Lebensraum und vom Nahrungsangebot ab.

Als nächstes wolle man die Robinien vor Ort entfernen, die sich sonst zu stark ausbreiten würden. Statt dessen werde man Steinhaufen für Eidechsen und Obstbäume installieren.

Nur ein paar Meter weiter entsteht übrigens schon das nächste Schutzgebiet der Gedenkstiftung. Auf 7000 Quadratmetern soll sich dort das streng geschützte Zwergsandgras Mibora minima verbreiten können. Hierfür sucht Erik Opper noch Sponsoren für die kostenintensive Entsorgung des dort vorhandenen Mülls. Maraike Stich

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